Buchmesse: Warten auf die E-Book-Revolution
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009 - 08:05Frankfurt (RP). Auf der Buchmesse ist bereits Weihnachten: mit aktuellen Romanen für lau, die man sich auf seinen Computer oder E-Book-Reader laden, dort bewahren und lesen kann. Alles ganz offiziell und mit Genehmigung der Verlage. "Download-Days" nennt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sein Angebot, mit dem er seine Buchplattform "libreka" verstärkt bewerben will.
Kostenlose Romane im Rahmen der "Download-Days" unter www.libreka.de
Und so wurde gestern übers Internet der aktuelle Roman von Nobelpreisträgerin Herta Müller, "Atemschaukel", kostenlos unters Volk geschmissen, heute ist es Händlers Roman "Welt aus Glas", am Sonntag wird es "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze sein, weitere Titel folgen noch bis Mitte November. Eine rustikale Marketingstrategie, mit der der Börsenverein seine eigene Plattform mit bislang 108 000 Büchern im Volltext in die deutsche Leselandschaft verankern will. Dahinter steckt nackte Angst: vor einem unkontrollierten Markt, der Urheberrechte verletzt. Aber – elektronisch sind die jetzt angebotenen Werke nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Beim E-Book zeigt die Buchmesse ein leicht schizophrenes Verhalten. Denn die riesige Beachtung, die der Digitaliserung von Literatur überall geschenkt wird, steht – zumindest noch – in keinem Verhältnis zur eigentlichen Marktpräsenz. Bislang 65 000 verkaufte E-Books in Deutschland sind eine arg überschaubare Größe.
So warten alle auf den Erfolg der E-Book-Revolution und hantieren in der Zwischenzeit mit diversen Lesegeräten (etwa von Sony, Bookeen, BeBook oder dem chinesischen Hanvon) und vor allem mit unterschiedlichen, für "herkömmliche" Leser kryptisch klingenden Textformaten – wie ePub, PDF, HTML. Ende Oktober soll dann noch aus den USA der lang erwartete Kindle von Amazon auf unseren Markt kommen, mit einem geschlossenen System. Die Preise für E-Books: augenblicklich zwischen 200 und 250 Euro. Aber wenigstens eins haben alle Geräte der neuen Generation gemein: Sie werden immer kleiner, flacher und bei aktuell 150 Gramm immer leichter, mit Speicherkapazitäten von bis zu 3000 Büchern und einer Bedienung, deren Schwierigkeit jener des Seitenumblätterns nicht fern ist.
Zum Aufbruch scheinen alle bereit. Was noch fehlt, ist der Durchbruch des E-Books im Markt. Wie lange aber schon Anlauf genommen wird hinein ins elektronische Buch-Zeitalter, zeigt eine putzige Vitrine in Halle 4: mit lauter E-Books der ersten Stunde, die irgendwie an klobige Frankiermaschinen aus der Nachkriegszeit erinnern.
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