Verkauf von persönlichen Daten: Was StudiVZ-Nutzer jetzt beachten müssen
VON MICHAEL SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 14.12.2007 - 15:14Berlin/Düsseldorf (RPO). Die Nutzer der Online-Plattform StudiVZ erwartet mit Änderung der Geschäftsbedingungen ab Januar eine Werbemail-Flut. Das Unternehmen will persönliche Daten für gezielte Werbung nutzen und stellt seine Kunden vor die Wahl: Wer keine Reklame will, fliegt raus. „Rechtlich nicht zulässig“, sagte eine Verbraucherschutz-Expertin unserer Redaktion. Ihr Rat: Intime Daten erst gar nicht preisgeben.
Selbstdarstellung ist bei StudiVZ in Mode. Viele Nutzer verraten ihre Lieblingsmusik, plaudern Hobbys aus und teilen ihren Familienstand mit. Manche hinterlegen sogar Postanschrift, Handynummer und E-Mailadresse. Sensible Daten, die StudiVZ jetzt gewinnbringend für gezielte Werbung einsetzen will. Eine Änderung der Geschäftsbedingungen (AGB) war erforderlich, über die das Unternehmen seine Kunden in einer elf Seiten langen Email informierte. Zwischen dem 20. Dezember und 9. Januar müssen sie den neuen AGB zustimmen. Nutzern, die der Aufforderung nicht nachkommen, sperrt StudiVZ den Zugang zur Community.
Klagen ohne Aussicht auf Erfolg
Die NRW-Verbraucherzentrale hält dieses Vorgehen für unrechtmäßig. „Die Teilnahme an einem Internet-Portal wie StudiVZ kann man nicht davon abhängig machen, ob jemand Werbung haben möchte oder nicht“, sagte Beate Wagner unserer Redaktion. Das Problem: Im Falle eines Ausschlusses habe der Kunde kaum Möglichkeiten, das Angebot auch ohne Zustimmung der AGB weiter zu nutzen. Wagner schätzt die Erfolgssichten einer Beschwerde oder gar Klage von Einzelpersonen eher gering ein.
In den neuen AGB's erklärt StudiVZ, unter welchen Bedingungen die persönlichen Daten für Werbezwecke verwendet dürfen. Darunter fallen unter Punkt 5 veröffentlichte Angaben wie Geschlecht, besuchte Hochschule, Studiengang, Interessen, Clubs/Vereine, Musikrichtung, Lieblingsbücher und mehr. Ebenso können unter Punkt 6 Daten wie Emailadresse, Handynummer und Instant-Messenger-Kennung für den Werbevertrieb genutzt werden. Der Nutzer kann dieser Regelung widersprechen.
StudiVZ-Chef Marcus Riecke will in den geänderten Geschäftsbedingungen für alle Beteiligten nur Vorteile erkennen: „Werbungtreibende können in Zukunft Merkmale auswählen wie Alter, Geschlecht und Wohnort und ihre Werbung auf studiVZ gemäß dieser Kriterien steuern. Für die Mitglieder bedeutet dies, dass sie relevantere Werbeeinblendungen bekommen.“
Der Verkauf persönlicher Daten seiner Mitglieder an Dritte sei weiterhin ausgeschlossen, sagt Riecke in einer Pressemitteilung. Dies werde sich auch durch die Einführung der neuen AGB und Datenschutzregelungen nicht ändern. Riecke wies anders lautende Medienberichte als „falsch“ zurück.
Um sich effizient vor unerwünschter Werbung zu schützen, rät Rechtsexpertin Beate Wagner, „sollte man sehr sparsam mit der Preisgabe persönlicher Angaben umgehen“. Die teilweise sehr genauen Nutzungsprofile auf StudiVZ seien für Werbetreibende eine Einladung zum Datenmissbrauch.
Hilfe: gesonderte Emailadresse einrichten
Wer dennoch nicht auf seine Selbstdarstellung im Internet verzichten möchte, ist StudiVZ laut NRW-Verbraucherzentrale nicht hilflos ausgeliefert – zumindest theoretisch. Wagner empfiehlt die Einrichtung einer Emailadresse, die ausschließlich für StudiVZ genutzt wird. Bei Handynummern seien sogenannte Wegwerf-Nummern ratsam. In beiden Fällen könnten Emails und Gespräche umgeleitet werden: an Emailadressen und Telefonnummern, die online nicht eingtragen und damit für andere unsichtbar seien.
Zudem sei Werbung, die per Post, Email, Fax oder SMS verbreitet werde, grundsätzlich verboten. Das gelte auch für Daten, die bei StudiVZ eingesammelt und für personalisierte Werbung genutzt würden, so Wagner. Die Ausnahme: Erklärt der Nutzer sein Einverständnis, ist der Werbeversand rechtmäßig.
Die hohe Beliebtheit der Internet-Communities wird eher dazubeitragen, dass die Werbeflut wächst. Rund 250 Millionen Menschen nutzen inzwischen die sozialen Netzwerke wie MySpace, Facebook, Xing u.a., bei Flickr etwa sind inzwischen 2 Milliarden Fotos eingestellt. Auch in Deutschland generieren Angebote wie studiVZ und die verschiedenen Fach-Communities mittlerweile große Reichweiten in ihren Zielgruppen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktuntersuchung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).
StudiVZ gilt eigenen Angaben zufolge als das größte europäische Online-Portal für Studenten mit vier Millionen registrierten Nutzern.
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