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Das Web 0.0 steht in Italien
Ein kleines Dorf spielt das Internet nach

Web0.0: Das Internet steht in einem kleinen Dorf in Italien
Web0.0: Das Internet steht in einem kleinen Dorf in Italien
Düsseldorf. Das Streetart-Projekt Biancoshock aus Mailand hat ein kleines Dorf zum Internet umgebaut. Die Wirkung ist so verblüffend wie charmant. Ebay ist hier ein Supermarkt. Whatsapp eine Telefonzelle. Von Philipp Stempel

In der italienischen 400-Seelen-Gemeinde Civitacampomarano hat das Web 0.0 Gestalt angenommen. Facebook steht hier eben als Pinnwand zum Anfassen auf dem Marktplatz. Twitter findet beim Schwätzchen auf der Parkbank statt. Wetransfer liefert als klappriger Transporter auf drei Rädern aus. 

Sogar die Wissensdatenbank Wikipedia findet man hier. Sie wird verkörpert durch eine steinalte Frau mit tiefen Falten im Gesicht – und einer umfassenden Lebenserfahrung. Sollte ihr Wissen nicht ausreichen, wird eben gegoogelt. Das aber nicht am Rechner, sondern unter den Freunden in der Kneipe.

Das kleine Dorf liegt etwas versteckt in den Bergen der Apenninen. Es gehört zur italienischen Region Molise, im Norden liegen die Abruzzen, im Süden Apulien. Das Internet ist hier eher fremd. Auch Smartphones gehören im Leben der überwiegend älteren Bewohner nicht zum Alltag. Allein weil es wegen der Berge kaum eine Anbindung ans Netz gibt.

Das Projekt illustriert, dass es all die Funktionen sozialer Netzwerke und Portale schon weit vor der Erfindung des Internets gegeben hat - und bis heute gibt. Mit einem zentralen Unterschied: Hier begegnen sich die Menschen in Fleisch und Blut.

Natürlich dauert alles länger. Briefe schmeißt man in den Kasten mit dem Logo von Gmail. Der RSS-Feed lässt sich in Gestalt einer Zeitung erwerben. Die Uhr in Civitacampomarano tickt eben langsamer. Hier scheint das keinen zu stören. 

Die Botschaft des Streetart-Künstlers: Das Internet macht das Leben auch nicht anders. An seiner Übertragung des Internets auf das reale Leben lässt er die Menschen teilhaben. Natürlich über das Internet. Sowohl bei Instagram als auch Twitter, Youtube, Facebook und auf der eigenen Homepage sind die skurrilen Szenen aus dem kleinen Dorf zu sehen.

Wir zeigen die schönsten hier in einem Überblick. 

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