Streit mit der Gema: Youtube Deutschland blockiert Musikvideos
zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 - 07:20München (RP). Das Video-Portal YouTube wird in Deutschland vorerst keine professionellen Musikvideos mehr zeigen. Grund für die Entscheidung ist ein Lizenz-Streit mit der Verwertungsgesellschaft Gema. Die Betreiber der Google-Tochter weigern sich, der Gema eine Übersicht zum genutzten Musikrepertoire zu geben. Youtube will lediglich einen pauschalen Betrag zahlen, über dessen Höhe es ebenfalls Streit gibt.
Die Vertragsverhandlungen zwischen YouTube und der Gema über die Verlängerung des Lizenzvertrags sind vorläufig gescheitert. YouTube kündigt an, auf der deutschen YouTube Plattform - ähnlich der Vorgehensweise in Großbritannien vor zwei Wochen - Musikvideos zu sperren.
YouTube-Manager Patrick Walker spricht gegenüber dem "Spiegel" von einem "nicht nachvollziehbaren" Vorgang. Die Gema verlange zwölf Cent pro gestreamtem Musikvideo, das von einem durch die Gema vertretenen Künstler stamme. Das sei 50-mal mehr, als etwa die PRS verlange, das britische Gegenstück der deutschen Gema.
"Nicht nachvollziehen"
"Wir können die Höhe dieser Forderung nicht nachvollziehen und sind von der Unnachgiebigkeit der Gema enttäuscht. Das ist für YouTube nicht tragbar, wir würden mit jedem Abruf eines Videos Geld verlieren", so Walker gegenüber dem Nachrichtenmagazin. YouTube möchte eine Verlängerung des Vertrags auf Basis einer Pauschalzahlung.
Eine Gema-Sprecherin bestreitet gegenüber "Spiegel Online", zwölf Cent pro Titel verlangt zu haben. "Wir haben YouTube einen Cent pro Stream angeboten", so die Sprecherin. Die Verhandlungen seien bislang daran gescheitert, dass YouTube nicht bereit sei, Angaben hinsichtlich des genutzten Musikrepertoires zu machen.
YouTube hat am Dienstagabend begonnen, die betroffenen Musikvideos aus dem Netz zu nehmen. Wie viele Clips exakt betroffen sind, konnte man vei YouTube nicht sagen. Zunächst würden alle offiziell von den betroffenen Plattenfirmen eingestellten Videos gesperrt, danach die von Usern angefertigten Kopien. Das könne mehrere Tage dauern, so Walker.
Konflikt auch in England
Vor zwei Wochen sorgte bereits der Konflikt zwischen der englischen Verwertungsgesellschaft "PRS for Music" und YouTube für Aufregung. Die englische Verwertungsgesellschaft fordert, dass von ihr vertretene Künstler künftig besser an der Nutzung ihrer eigenen Werke beteiligt werden. YouTube wiederum verweigert bislang höhere Zahlungen. Als Konsequenz dieser Weigerung und des auslaufenden Lizenzvertrags mit der PRS nahm YouTube vorübergehend Tausende Videos für britische Nutzer offline.
Die Gema vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60.000 Mitgliedern (Komponisten, Textautoren und Musikverleger) sowie von über einer Million Rechteinhabern aus aller Welt. Sie ist weltweit eine der größten Autorengesellschaften für Werke der Musik.
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