Streit um weltweite Digitalisierung von Büchern: Zypries attackiert Google
zuletzt aktualisiert: 07.09.2009 - 22:20Brüssel (RPO). Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat den Internetgiganten Google scharf angegriffen. Im Streit über das Mammutprojekt zur weltweiten Digitalisierung von Büchern wirft sie ihm "schlicht rechtswidriges" Verhalten vor. der Buchbestand der Welt dürfe nicht in die Hände eines Monopolisten fallen.
"Google sagt: Wir scannen erstmal, schaffen Fakten, und wenn es einen Urheber stört, dann kann er sich ja melden", kritisierte die SPD-Politikerin in den "Stuttgarter Nachrichten". "Das geht so nicht." Die Ministerin warnte zugleich vor einer Monopolstellung Googles bei der Digitalisierung von Büchern.
Im Moment sei die Nutzung kostenfrei, aber das könne sich schnell ändern, wenn Google zum Beispiel verkauft werde, sagte Zypries. "Der Buchbestand dieser Welt darf nicht in die Hände eines Monopolisten fallen, der die Preise diktiert und entscheidet, wer Zugang zu den Büchern hat."
In diesem Zusammenhang forderte Zypries die Bibliotheken auf, hart zu verhandeln, wenn Google wegen einer Digitalisierung von Büchern anfrage, deren urheberrechtlicher Schutz schon abgelaufen sei. Die Bibliotheken müssten zumindest darauf bestehen, von jedem Buch, das sie zur Verfügung stellten, eine digitalisierte Kopie zu bekommen, forderte Zypries.
Google bewegt sich
Europäische Verlage und Autoren haben ebenfalls derart massive Bedenken geäußert, dass Google bereits Zugeständnissen in Aussicht gestellt hat: Google Books solle besser beaufsichtigt werden - auch von ausländischen Vertretern. Zudem stellte Google genaue Prüfungen in Aussicht, um zu verhindern, dass englische Übersetzungen von noch im Handel erhältlichen europäischen Werken digitalisiert und verkauft werden, ohne dass die Rechte-Inhaber zugestimmt haben.
Auch europäische Bücher sollen nur digitalisiert werden, wenn die Inhaber der Rechte zugestimmt haben, sagte Unternehmenssprecher Bill Echikson am Montag anlässlich einer Expertenanhörung in Brüssel.
Im Gegensatz zu den USA will Google in Europa aber nur Bücher einscannen, die älter als 150 Jahre sind, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden. Seit 2004 hat Google schon mehr als zehn Millionen Bücher eingescannt und digitalisiert, zahlreiche davon sind allerdings mit einem Urheberrecht belegt - darunter auch Bücher deutscher Autoren.
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