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Michael Jacksons wahres Meisterstück
RP Plus: Michael Jacksons wahres Meisterstück
FOTO: Grafik: Martin Ferl
Warum das Album, das vor genau 25 Jahren erschien, zu Unrecht im Schatten von "Thriller" steht. Von Gesa Evers

Einen wirklich großen Künstler macht nicht aus, ein fast schon lächerlich großartiges und erfolgreiches Album auf den Martk zu bringen. Einen großen Künstler macht aus, danach ein Album herauszubringen, das dieses Niveau hält. "Thriller", das 1982 erschien, brach sämtliche Rekorde. Bis heute ist es mit rund 120 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Album aller Zeiten. Songs wie "Thriller", "Billy Jean" oder "Beat It" sind musikalisches Weltkulturerbe.

Nach "Thriller" waren sich die meisten Experten und auch Fans einig, dass Jackson mit diesem Meisterstück seinen künstlerischen Zenit erreicht hatte. Er selbst glaubte wohl auch lange daran, denn der Termin für die Veröffentlichung des Nachfolgers "Bad" wurde immer wieder verschoben. Erst fünf Jahre nach "Thriller" erschien das Album, mit dem Jackson eigentlich nur verlieren konnte – und es doch nicht tat.

Dass "Bad" bis heute "nur" rund 45 Millionen Mal verkauft wurde (eine für jeden anderen Künstler sensationelle Zahl) ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass das Album musikalisch dem Vorgänger in nichts nachsteht. Es ist mindestens ebenso präzise, liebevoll und bis in den letzten Tonfitzel produziert, es unterliegt dem gleichen manischen Perfektionismus. Jackson und sein kongenialer Produzent Quincy Jones erlagen nicht der Versuchung, eine Art "Thriller II" zu konzipieren, sie machten ein Album, das genau in das Jahr 1987 passte.

Er schrieb neun der elf Songs selbst

Während "Thriller" in Teilen noch deutlich vom weichen Soul-Sound der 70er Jahre geprägt war, war "Bad" ein für Jacksons Verhältnisse regelrecht hartes Album. Das schroffe Gitarrensolo zu Beginn des Titelsongs "Bad" entsprach dem aufkommenden Rockzeitalter, das später von Bands wie Guns'N'Roses dominiert wurde. Der peitschende Beat von "The Way You Make Me Feel" und "Smooth Criminal" war eben jener stampfende, etwas klinisch klingende Sound, der den 80ern ihre eigene, von vielen so hassgebliebte musikalische Identität gab.

Doch Jackson tat natürlich viel mehr, als lediglich zeitgemäß zu sein. Er schrieb neun der elf Songs selbst, er schaffte mit "Bad", "I Just Can't Stop Loving You" und "Smooth Criminal" ebenfalls Lieder für die Ewigkeit, die der Generation der heute 30-Jährigen näher sind als das Frühwerk "Thriller". Erstmals in seiner bis dahin schon langen Karriere, die weitgehend fremdbestimmt war, konnte der Endzwanziger Jackson auf diesem Album seine ganz persönlichen Ideen, musikalischen Vorlieben und seine einzigartige Originalität ausleben.

Angesichts seines persönlichen und künstlerischen Abstiegs, der schon auf dem ideenarmen Nachfolgealbum "Dangerous" (1992) zu hören war, darf "Bad" wohl als letztes wahres Michael-Jackson-Album gelten, als letzter wirklich gewollter und kontrollierter Output seines Genies. Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass der wohl großartigste Song des Albums, "Man In The Mirror", zu den zwei Liedern gehört, die er nicht selbst geschrieben hat. Bei allem Kitsch wurde aus eigenem Antrieb gelebte Menschlichkeit nie bewegender und treffender besungen als auf dieser – wie sollte es anders sein – perfekt arrangierten Ballade.

Sondererdition zum Jubiläum

Zum 25. Geburtstag des monumentalen Werks ist nun eine Sonderedition erschienen, die neben dem regulären Album unveröffentliche Songs sowie eine CD und DVD von Jacksons Auftritt im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion 1988 enthält. Zudem dreht der oscar-nominierte Regisseur Spike Lee anlässlich des Jubiläums einen Dokumentarfilm, den er selbst als "Liebesbrief" an den "King of Pop" bezeichnet.

In einer Pressekonferenz bei den Filmfestspielen in Venedig stellte er die rhetorische Frage, wie groß wohl der Druck auf Jackson nach dem Megaerfolg "Thriller" gewesen sein muss. Es gehört zum einzigartigen Vermächtnis Michael Jacksons, dass er in "Bad" eine so fantastische Antwort gab.

An dieser Stelle schreibt Gesa Evers im Wechsel mit anderen Autoren über die Welt der Popkultur.

Quelle: gev
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