Formate-Krieg: Adobes zweifelhafte Liebeserklärung an Apple
VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 14.05.2010 - 09:44Düsseldorf (RPO). Die IT-Welt wird seit je her von Zweikämpfen vorangetrieben: Atari gegen Amiga, Apple gegen IBM, Microsoft gegen Apple, Windows gegen Linux. Der aktuell meistbeachtete Kampf allerdings lautet Adobe gegen Apple – und treibt immer seltsamere Blüten. Nun hat Adobe die nächste Runde eingeläutet - manch einer findet das nur noch peinlich.
Nachdem Apple-Chef Steve Jobs Ende April in einem offenen Brief erklärte, warum er Adobes Webtechnologie Flash von iPhone und iPad fernhält, schlägt Adobe nun mit einer Anzeige zurück, die unter anderem in der renommierten "Washington Post" veröffentlicht wurde. Die Anzeige mutet auf den ersten Blick wie ein Beschwichtigungsversuch des Softwarekonzerns an: Adobe liebt Apple, heißt es dort in großen Lettern.
Wer sich den Inhalt der Anzeige jedoch näher ansieht, bekommt Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Liebesgrüße aus San Jose. Zunächst wird auf den Inhalt des offenen Briefs von Steve Jobs eingegangen: Auch Adobe liebe offene Technologien wie HTML5, heißt es dort beispielsweise. Jobs hatte den HTML-Standard als Alternative zu Flash gepriesen, mit dem Webseiten-Betreiber ebenfalls viele Inhalte wie Videos anbieten können, bei denen sie sonst auf Flash zurückgreifen müssten. HTML5 ist ein offen dokumentierter Standard, Flash proprietär. Das bedeutet, dass nur Adobe den internen Aufbau des Formats genau kennt und die Kontrolle der Entwicklung über das Format hat.
Im letzten Satz schlägt Adobe dann jedoch zurück: "Was wir nicht lieben ist, wenn uns jemand unsere Freiheit weg nimmt, selbst wählen zu können, was du erstellst, wie du es erstellst und wie du das Web erlebst". Das zielt auf Apples Politik, Flash auf iPad und iPhone nicht zuzulassen, wodurch viele Webseiten nicht komplett angezeigt werden können. Zuletzt hatte Apple es Programmierern auch untersagt, Flash-Applikationen auf die Apple-Geräte zu übersetzen. Stefan Richter von der Softwarefirma Freiheit.com vermutet dahinter den Versuch Apples, die Programmierschnittstelle zu kontrollieren, damit Programmierer exklusiv für die Apple-Geräte entwickeln. Würden Programmierer auf Flash-Technologie setzen, wären die Programme auch auf Konkurrenzprodukten ausführbar.
Apple führt technische Gründe wie den hohen Energieverbrauch von Flash für die Ablehnung an. Kritiker vermuten dagegen, dass Technologien wie Flash – die auch das Programmieren von Anwendungen für das Web ermöglichen – Apples restriktives Geschäftsmodell untergraben könnte. iPad- und iPhone-Benutzer können Programme nur über Apples App Store legal auf ihre Geräte laden. Bei kommerziellen Programmen streicht Apple dabei 30 Prozent des Kaufpreises ein.
Was Adobe mit der neuerlichen Anzeige erreichen will, bleibt indes rätselhaft. Das renommierte US-Technologieblog "Techcrunch" findet sie peinlich: "Lass es", appelliert das Blog an Adobe, "du machst dich selbst nur lächerlich". "'Wir lieben Apple' - das Problem ist – du liebst Apple nicht. Warum solltest du? Sie machen dich völlig fertig", schreiben die Technikexperten.
Adobe Flash: Der Multimedia-Standard wurde einst von der Softwareforma Macromedia speziell für das Internet entwickelt. Anders als bei HTML, das in einem Gremiums-Prozess offen dokumentiert und entwickelt wird, ist Flash proprietär. Das bedeutet, nur Adobe hat die Kontrolle über das Format.
Apple und Adobe: Die beiden US-Unternehmen verbindet eine lange wechselvolle gemeinsame Geschichte. Adobe ist der wichtigste Softwarentwickler für Apple, das Programm Photoshop war eine der attraktivsten Softwarelösungen, die es lange nur für Apples Mac-Plattform gab. Apple hielt lange Zeit 20 Prozent an Adobe. Heute ist das Verhältnis von Feindseligkeit geprägt "Mac User kaufen etwa die Hälfte der Creative-Suite-Produkte - aber darüber hinaus gibt es kaum gemeinsame Interessen", so Steve Jobs.
HTML5: Der neue Web-Standard soll das veraltete HTML4 und dessen Nachfolger XMHTML in seinen verschiedenen Versionen ablösen. HTML5 erweitert die Möglichkeiten von Webseiten-Erstellern vor allem um viele Multimedia-Formate, durch die proprietäre Technologien wie Flash in vielen Fällen wie eingebetteten Videos nicht mehr notwendig sind.
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