Neues iPhone vorgestellt: Apple revolutioniert Handywelt
VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 11.01.2007 - 06:33Düsseldorf (RPO). Mit dem neuen iPhone greift das US-Unternehmen den Mobilfunkmarkt an. Design, Bedienbarkeit und Technologie sprechen für einen Erfolg der neuen Apple-Strategie. Analysten rechnen mit einem Preisverfall bei teuren Handys.
Vor fünf Jahren krempelte Apple-Chef Steve Jobs mit dem erfolgreichen Musikspieler iPod die Musikbranche und den Markt für Unterhaltungselektronik um. Nun soll die Zeit reif für eine neue Revolution sein - das iPhone. Fans reagierten gewohnt euphorisch auf die Präsentation der zahlreichen Funktionen des neuen Kombinationsgeräts aus iPod, Internetzugang und Telefon.
Kritiker bemängeln, dass Apple nur ein Telefon mehr auf den ohnehin gesättigten Markt bringe, das wiederum viel zu spät komme und mit 450 Euro zudem zu teuer sei. Das sieht der Telekommunikationsanalyst der Dresdner Bank, Chris-Oliver Schickentanz, anders: „Apple steigt wohlüberlegt in den Mobilfunkmarkt ein. Das Gerät ist bei Design, Applikationen, Technologie und Bedienung revolutionär. Bei Multifunktionsgeräten lassen sich in den kommenden Jahren zudem die höchsten Gewinne machen.“
Laut Schickentanz löst Apple mit dem iPhone die Probleme, die Hersteller wie Nokia, Sony Ericsson und Motorola seit Jahren vergeblich versuchen, in den Griff zu bekommen: Je nach Funktion passt sich das iPhone über die komplette Bildschirmgröße von elf Zentimetern an. Auf dem Touch-Screen werden für Anrufe Zahlen angezeigt, wer eine Mail schreiben möchte, erhält das Alphabet. Zu kleine Tasten oder zu breite Tastaturen sind deshalb kein Thema mehr. Dadurch ist auch ein ultraflaches Design möglich, da der Platz für Tastaturentechnik komplett wegfällt. „Das iPhone ist das erste Gerät, das Aktualisierungen ohne Installation zusätzlicher Software ermöglicht. Das macht die Bedienung deutlich einfacher“, sagt Schickentanz.
"Strategisch geschickt"
Nicolas von Stackelberg, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, bezeichnete den Einstieg von Apple ins Handygeschäft gegenüber unserer Zeitung als strategisch geschickt. Handygespräche seien in Deutschland auch bei fallenden Preisen immer noch zu teuer, daher müssten Hersteller auf den Verkauf mobiler Daten setzen: „Genau das hat Apple perfektioniert.
Die Musikbörse iTunes hat Milliardenzugriffe. Das iPhone steht für ’Musik für unterwegs’, durch das man sein bisheriges Handy zu Hause lassen kann.“ Die Verbindung mehrerer Geräte in einem, so genannte Konvergenzgeräte, ist laut Stackelberg das am stärksten wachsende Marktfeld. Konkurrenten wie Nokia müssten sich beeilen, entsprechende Produkte nachzulegen.
Auf Anfrage unserer Zeitung sagte eine Unternehmenssprecherin, dass Nokia der neuen Konkurrenz gelassen entgegen sehe: „Wir haben durch jahrelange Erfahrung einen großen Vorsprung. Wir setzen künftig auch auf Touch-Screen.“ Bei Sony Ericsson ist Deutschland-Chef Axel Kettenring ähnlich optimistisch: „Die Walkman-Handys laufen sehr erfolgreich, künftig soll die Bedienung noch nutzerfreundlicher werden.“ Bei Motorola will man Kunden vor allem über weitere Design-Modelle abholen.
Analyst Schickentanz glaubt an einen Preisverfall bei hochpreisigen Handys: „Apple geht ins hochpreisige Handysegment. In den nächsten zwei Jahren werden die Hersteller deshalb auch Kunden über den Preis gewinnen wollen. Da sind Halbierungen der Gerätepreise denkbar.“
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