Mister Microsoft tritt ab: Bill Gates geht in Rente
zuletzt aktualisiert: 27.06.2008 - 14:41Düsseldorf (RP). Heute hat Bill Gates, Microsoft-Gründer und Milliardär, seinen letzten Arbeitstag in seinem Software-Imperium. Ab Montag will er sich nur um seine Stiftung kümmern, statt Betriebssysteme zu entwickeln - meistens jedenfalls.
Mit grau gemustertem Hemd, braver dunkelblonder Siebziger-Jahre-Frisur und schlaksiger Figur sagte Bill Gates vor 30 Jahren der Computerbranche den Kampf an. Er gründete mit seinem Freund Paul Allan und weiteren neun Mitarbeitern das Unternehmen Microsoft.
Ernst nahm den damals etwas unbeholfen und schüchtern wirkenden 22-Jährigen nach dieser kampfeslustigen Aussage keiner. Einige erklärten ihn sogar für verrückt. Umso ärgerlicher für sie, als er den gleichen Managern einige Jahre später als Millionär gegenübertrat und die Software-Branche auf den Kopf stellte.
Aus dem damals elfköpfigen Team sind heute weltweit 80000 Mitarbeiter geworden. Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen ein Betriebssystem der Windowsfamilie auf ihrem privaten oder Firmenrechner.
Ausgemachter Stratege
Gates’ Aufstieg war ebenso rasant wie die damit verbundene Veränderung der IT-Welt: Der junge Programmierer, der mit vollem Namen William Henry Gates III heißt, hat vor seiner Firmengründung sein Harvard-Studium geschmissen. Mit dem Windows-Betriebssystem machte er die Arbeit am Computer massenmarktfähig. Binnen weniger Jahre war das Betriebssystem auf den meisten Geräten standardmäßig installiert. Das bescherte Gates eine Marktmacht, die er auf mehr als 90 Prozent ausbauen konnte.
Auch den Internetbrowser Explorer machte er zum meist genutzten der Welt. Die Verknüpfung mit dem Windows-Betriebssystem bescherte Microsoft wegen Ausnutzung der Marktmacht zwar ein vierjähriges Kartellverfahren, doch in dieser Zeit erwies sich der Manager, der mittlerweile von bedruckten Hemden zu seriöseren Outfits gewechselt war, als ausgemachter Stratege.
Er wendete Forderungen nach einer Zerschlagung des Softwaregiganten geschickt ab und zwang gleichzeitig den Browserkonkurrenten Netscape in die Knie. Mit einer Straf-Zahlung von 750 Millionen Dollar war die Sache für Gates schließlich erledigt. Doch er gelobte Besserung. Auch wenn Kollegen sein unternehmerisches Können stets gewürdigt haben, nicht mit allen Produkten konnte Gates glänzen.
Eine Ära geht zu Ende
Seit der XP-Version von Windows lassen Kritiker kaum noch ein gutes Haar an dem einstigen Kassenschlager-Betriebssystem. Windows Vista kam mit erheblichen Verzögerungen auf den Markt und enttäuschte wegen der immensen Speicheranforderungen und einer Vielzahl von Fehlern. Auch was die Sicherheit der Systeme vor Viren und Würmern angeht, musste Gates enorm nachbessern. Seine „revolutionären Neuheiten“ wie ein Tablet-PC und eine Uhr, die Wetterdaten direkt aufs Display liefert, entpuppten sich als revolutionäre Flops.
Wenn Bill Gates heute das Gelände der Microsoft-Zentrale in Seattle verlässt, geht für das Unternehmen und dessen Mitarbeiter eine Ära zu Ende. Deshalb würdigen sie ihren Bill mit einer riesigen Abschiedsparty. Da kann er dann auch wieder seine weiteren Fähigkeiten präsentieren. Gitarre spielen etwa, wie auf der Technikmesse CES in Las Vegas Anfang des Jahres. Hin und wieder übt er sich auch als Talkmaster oder Gewichtheber.
Der mittlerweile 52-jährige Gates und dreifacher Familienvater will sich mit seiner Frau nun ausschließlich um die gemeinsame Stiftung kümmern und hat bereits vor einiger Zeit die operativen Geschäfte an Steve Ballmer übergeben. Im Unternehmen glaubt man nicht so recht an einen endgültigen Abschied. Schließlich gibt es noch genug zu tun.
Der Megakonzern hat nicht mehr nur im Softwaregeschäft zu kämpfen, sondern muss sich im Internetgeschäft behaupten. Es gilt, Google eine bessere Suchmaschine vor die Nase zu setzen, einen Vista-Nachfolger zu präsentieren und sich vielleicht doch noch ein Stück von Yahoo zu sichern. Und schließlich bleibt Gates Microsoft als Berater erhalten.
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