| 19.11 Uhr

Mercedes-Benz auf der CES
Das Knight-Rider-Auto KITT wird Realität

Das ist der selbstfahrende Mercedes F 015
Das ist der selbstfahrende Mercedes F 015 FOTO: afp, db/kg
Las Vegas. Wie stellt sich Mercedes das Auto der Zukunft vor? Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat der Hersteller das Forschungsfahrzeug "F 015 Luxury in Motion" vorgestellt. Es fährt selbst, kommt auf Knopfdruck und soll zu einem zweiten Wohnzimmer werden. Fans des TV-Klassikers "Knight Rider" kommt dies bekannt vor. Von Daniel Fiene

David Hasselhoff hat in den 80er Jahren als Michael Knight zusammen mit seinem vollautomatischen Auto KITT Kultstatus erreicht. In brenzeligen Situationen konnte er sich auf KITT verlassen, auch wenn es nach waghalsigen Stunts das Auto nur noch einen bissigen Kommentar für seinen Fahrer übrig hatte.

Montagabend in Las Vegas. Rund 1500 Neugierige stehen in der Schlange vor dem Chelsea Theater in Las Vegas. Sie warten nicht auf Michael Knight, sondern auch Dieter Zetsche. Der Mercedes-Benz-Chef hält einen der Hauptvorträge auf der Consumer Electronics Show, die bis Freitag in Las Vegas stattfindet. Das ausgerechnet ein Autohersteller auf einer der weltweit größten Unterhaltungselektronik-Messen auftritt und auf großes Interesse stößt, ist kein Wunder: Das Auto der Zukunft soll zum Rückzugsort werden; vollgepackt mit der neusten Unterhaltungstechnik.

Die Dialoge zwischen David Hasselhoff und seiner Maschine sind für die Fans auch 30 Jahre nach der Ausstrahlung noch legendär. Aber auch der Mercedes-Chef beweist bei seiner Präsentation Humor. Ein Roboter fragt in einem Einspieler Zetsche, ob er ein Roboter sei. Seine Antwort, trocken und nüchtern: "Nein, ich bin Deutscher." Diese ungewohnte Selbstironie kommt beim Publikum in den USA an. 

Dass die Zukunft des Autos in der Autonomie liegt, ist unumstritten. Die Frage ist, wann die selbstfahrenden Autos Realität werden. Um konkreter zu werden, hat Mercedes-Benz das Forschungsfahrzeug mit dem sperrigen Namen "F 015 Luxury in Motion" vorgestellt. Es soll zeigen, wie die Herausforderungen der Autonomie gemeistert werden können. 

Interaktion mit Fußgängern

Ein Auto wie aus einem Science-Fiction-Film. Helles, geschwungenes Design - aber immer noch klar als Fahrzeug erkennbar. An Front und Heck sind LED-Felder angebracht, die unterschiedliche Leuchtfunktionen übernehmen. Leuchten die Felder in hell, ist dies für Personen in der Umgebung ein Zeichen, dass das Fahrzeug derzeit im Selbstfahrer-Modus unterwegs ist. Wenn eine Person die Straße überquert, verfolgt ein roter Strich die Position des Menschen - das Signal: Das Auto nimmt die Person wahr. Möchte eine Person sogar die Straße überqueren, kann das Auto einen Zebrastreifen auf die Straße projizieren und eine Stimme weist darauf hin, dass die Person nun die Straße überqueren könne. Inklusive Dank. KITT lässt grüßen.

Mercedes-Benz macht sich viele Gedanken über die Kommunikation und Interaktion zwischen selbstfahrenden Auto und Mensch. Im Silicon-Valley gibt es hierzu extra ein Entwicklungszentrum, in dem an diesem Konzeptauto mitgearbeitet wurde. Es gilt aber auch andere Probleme zu lösen: Wie werden die Daten der Autonutzer geschützt? Wie sieht es mit den Versicherungen aus, wenn selbstfahrende Autos einen Unfall bauen? "Das sind Punkte, die wir mit der gesamten Branche lösen müssen", erklärt Dieter Zetsche und geht zu seinem Lieblingsthema über.

Das Auto als Rückzugsraum. In den letzten 20 Jahren hat Starbucks seinen Kunden verkauft, der Rückzugsraum ("Third Place") neben Büro und Wohnzimmer zu sein. In Zukunft möchte Mercedes-Benz diesen Ort mit seinen Autos bieten. Der Nutzer des Autos — kann man überhaupt noch vom Fahrer sprechen? — kann das Radio gegen Filme eintauschen, oder gar noch mehr. Dieter Zetsche: "Es wäre doch toll, wenn man künftig im Auto eine Runde des Rennspiels 'Need for Speed' zocken könnte". Oder mit Freunden treffen. Die Autosessel sehen aus wie Loungemöbel und lassen sich auch drehen, sodass eine Viererrunde entsteht. Überall gibt es große Touchscreens, auf der verschiedene Funktionen abgerufen werden können. "Unser Auto hat im Innenraum weniger Knöpfe als Ihr Smartphone", so der Mercedes-Benz-Chef. "Es hat gar keinen Knopf."

Konkurrenzkampf der Platzhirsche

Mercedes-Benz versucht mit diesem Auto ein konkretes Bild von der mobilen Zukunft zu zeichnen. Unter den Automobilherstellern hat längst ein Kampf um die Deutungshoheit der Autozukunft begonnen. Audi hat seinen Prototypen des selbstfahrenden Autos (Spitzname "Jack") von seinem Entwicklungszentrum im Silicon Valley auf eine 900 Kilometer-Strecke nach Las Vergas geschickt. BMW zeigt, wie Autobesitzer ihr Auto per Smartwatch parken können während andere Hersteller Bausteine von selbstfahrenden Autos präsentieren. Jede Marke möchte Erster sein. Hinzu kommen externe Herausforderer wie Google. Der Internet-Konzern versucht seit Jahren das Thema für sich zu besetzen. Erst vor wenigen Wochen ist ein neuer Prototyp vorgestellt worden. Im Gegenzug zum neuen Mercedes-Fahrzeug sieht das Google-Auto aber wie Kinderspielzeug aus.

Szenenwechsel. Das "F 015 Luxury in Motion" wird auf dem Strip in Las Vegas vorgefahren. Schnell sammelt sich eine Traube Neugieriger am Straßenrand - viele strecken ihre Smartphones in die Höhe. Einige erwarten einen Star, der aus dem Auto steigt. Doch schnell spricht sich rum, dass das Auto der Star sein will. Neugier, Staunen und Skepsis wechseln sich ab. "Ob das wirklich sicher ist?" - "Dann kann ich ja beim Autofahren mir einen Drink genehmigen" - "Die Leute wollen doch immer noch selbst fahren" - dennoch wollten alle viele Fotos von Mercedes' Auto der Zukunft machen. KITT wäre neidisch.

(RPO)
 
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