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Windows Phone 7 Panorama
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Google, Apple, Microsoft: Der Kampf um die Zukunft hat begonnen

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 15.10.2010 - 17:04

Düsseldorf (RPO). Google hat ein weiteres Rekordquartal hinter sich: Wieder einmal hat der Internetkonzern selbst die optimistischen Erwartungen der Analysten übertroffen. Doch auch bei Apple jagt ein Rekord den nächsten. Für die Zukunft wollen beide Konzerne die Computernutzung revolutionieren – mit unterschiedlichen Konzepten. Der einst dominante PC-Riese Microsoft droht dazwischen zerrieben zu werden.

Neben den glänzenden Zahlen gewährte Google am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss auch Einblick in die Zukunftsvision des Konzerns. So soll das Kerngeschäft des Internetriesen – die Websuche – sozialer werden, das heißt sich mit Freundesnetzwerken verbinden.

Über die Analyse der Vorlieben durch die sozialen Online-Netzwerken sollen die Suchergebnisse relevanter werden. Am gleichen Tag hatte auch Microsoft eine Kooperation mit dem größten sozialen Netzwerk, Facebook, verkündet.

Bei der Suche gehen beide Unternehmen in eine ähnliche Richtung – zuletzt hatte Google sich sogar offenbar einiges von Microsofts Bing abgeschaut, zumindest war man in Mountain View mit Features wie der neuen Bildersuche langsamer. Doch in der Gesamtvision unterscheiden sich die Konzepte von Microsoft, Google und Apple.

Googles Geschäftsmodell: Werbung

Google verdient fast ausschließlich mit Online-Werbung Geld – mobil wie im normalen Netz. Google dominiert nicht nur den Markt für Suchmaschinenwerbung, sondern mit AdWords auch den für klassische Online-Anzeigen. Google geht es vor allem darum, die Entwicklung des Internets – mobil wie nicht mobil – voranzutreiben und so die Möglichkeiten für Online-Werbung zu maximieren.

Info

Cloud Computing: Bei einer Cloud (englisch für "Wolke") verbinden sich PCs über das Internet oder ein lokales Netz mit Servern, auf denen die Anwendungen ausgeführt werden. Damit wird Amdinistrationsaufwand für die Unternehmen geringer und jeder Mitarbeiter kann von jedem Gerät auf Anwendungen und Daten zugreifen.

App: Eine App ist ein kleines Programm für ein mobiles Gerät wie ein Smartphone oder ein Tablet-PC. Bei Apple können die Apps für iPhone, iPod und iPad über den App Store bezogen werden. Diese sind jeweils ganz auf die Fähigkeiten der mobilen Geräte abgestimmt und nutzen beispielsweise die Multitouch-Steuerung.

Browseranwendungen: Anwendungen, die direkt im Browser laufen, haben den Vorteil, dass sie unabhängig vom verwendeten Gerät und Betriebssystem genutzt werden können. So kann auf ein Dokument bei Google Text und Tabellen sowohl auf einem Mac, einem PC oder einem Smartphone betrachtet und bearbeitet werden. Der neue Web-Standard HTML5 soll derartige Anwendungen noch schneller und besser machen.

Daher kann es sich Google auch leisten, das offene Smartphone-Betriebssystem Android an die Hersteller zu verschenken. Je mehr Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt, je schneller sich das mobile Netz durchsetzt, desto besser für Google.

 

Doch Google hat noch Größeres vor: Das Netz soll in Zukunft alles dominieren, Anwendungen überwiegend im Browser laufen. Die Vorteile für Nutzer: Auf sämtliche Anwendungen und Daten kann von jedem beliebigen Gerät – unabhängig vom Betriebssystem – zugegriffen werden, egal von wo.

Erste derartige Anwendungen wie Google Text und Tabellen gibt es bereits. Doch erst mit dem kommenden Web-Standard HTML5 soll der Durchbruch gelingen: Anwendungen, die ähnlich schnell und funktionsreich wie klassische Desktop-Applikationen sind.

Googles Browser Chrome ist bereits vollständig auf diese Ära optimiert, weil er die derzeit schnellste Javascript-Engine, eine Programmiersprache für das Web, besitzt. Dadurch laufen derartige Online-Programme in Chrome besonders flüssig. Googles kommendes Netbook-Betriebssystem Chrome OS soll komplett um diesen Browser herum gebaut werden – klassische installierte Anwendungen werden im besten Fall überflüssig.

Apples Erfindung, die App – kleine Programme, die ein spezielles mobiles Gerät wie ein Smartphone oder einen Tablet-PC optimiert sind – sind für Google nur eine Übergangsphase. Anders als Apple besteht Google nicht auf die Kontrolle und Einkünfte aus dem Android Market, dem App-Marktplatz für Googles Smartphone-System Android.

Apples Geschäftsmodell: Vorauswahl

Während Google also auf kostenlose Vielfalt setzt, um möglichst viel Werbung schalten zu können, verfolgt Apple ein anderes Ziel: Der Computerbauer sieht sich als eine Art Filter von Technologien und Konzepten, um den Kunden ein einheitliches und optimales Nutzererleben zu garantieren. Nicht Vielfalt ist der Schlüssel der Apple-Politik, sondern Vorauswahl.

Apples Geräte sind perfekt aufeinander abgestimmt – und schotten sich gegenseitig ab: iPod und iPad lassen sich beispielsweise nur mit iTunes verwenden und synchronisieren. Im Zentrum der digitalen Zukunft steht bei Apple nach wie vor der Mac, wie der Konzern jüngst mit seiner Ankündigung "Back to the Mac" unterstrich.

Um den Mac herum gruppieren sich die Apple-Geräte iPad, iPhone und Apple TV. iTunes ist dabei die Kommandobrücke, von der das Reich der Apple-Geräte regiert wird: Ob Musik, Applikationen, Kontakte oder das soziale Netzwerk Ping – die Software ist die zentrale Schnittstelle der Apple-Welt, über der alle Geräte synchronisiert werden.

Apple wählt aus und zensiert vor: Die Hardware des iPhones ist festgelegt, jede App perfekt auf das Smartphone abgestimmt und von Apple genehmigt. Auch die zu verwendenden Programmiersprachen schreibt Apple den Programmierern vor. Die Technik rückt - Apple-typisch - in den Hintergrund: iPhone, iPad und Apple TV verfügen über keine Dateiverwaltung, mit der Technik im Hintergrund wird der Nutzer in Ruhe gelassen.

Auch Apple unterstützt HTML5, sieht den neuen Web-Standard aber als Ersatz für das bisher noch für Videos dominante Flash der Firma Adobe, mit der Apple seit Jahren im Clinch liegt. Die App soll in Apples Zukunftsvision bleiben – kontrolliert von Apple und mit einer Umsatzbeteiligung von 30 Prozent, die bei jeder Transaktion in iTunes an Apple fließt. Andere Wege als iTunes, um Apps auf Apple-Geräte zu laden, lässt der Konzern nicht zu.

Microsofts Geschäftsmodell: Firmenkunden

Der PC-Gigant Microsoft sitzt im Kampf um die Zukunft der Computernutzung zwischen allen Stühlen. Noch immer verdient der US-Konzern deutlich mehr Geld als Apple und Google – allerdings mit einem Geschäftsmodell der Gegenwart, nicht der Zukunft: Microsoft macht einen überaus großen Teil seines Umsatzes nach wie vor dem PC-Betriebssystem Windows 7 und der Office-Suite.

Auf dem Zukunftsmarkt der mobilen Computernutzung war Microsofts bislang fast gar nicht vertreten – Windows Mobile ist technisch gegenüber iPhone und Android deutlich unterlegen. Erst Ende dieses Monats startet Microsofts Antwort auf Android und iOS: Windows Phone 7.

Bisher gibt es für Microsofts mobile Plattform allerdings nur rund 500 Apps – während Apple und Google mit ihren Plattformen Jahre Vorsprung haben. Mit dem späten Start von Windows Phone 7 hat Microsoft nach dem Internet schon den zweiten großen digitalen Trend in der Firmengeschichte verschlafen.

Fraglich bleibt auch das Geschäftsmodell: Weil Google für Android von den Handyherstellern kein Geld verlangt, kann Microsoft für sein Betriebssystem keine hohen Lizenzgebühren fordern. Im Gegenteil: Der Konzern muss derzeit zunächst Anreize schaffen, dass Hersteller überhaupt auf die Konkurrenz zu den bislang dominanten Systemen von Apple und Google setzen.

Microsoft weiß selbst, dass sein Geschäft mit klassischen Software-Lizenzen keine große Zukunft hat. Deshalb beschwört Microsoft-Chef Steve Ballmer seit Monaten mit aller Macht das "Cloud Computing" - und kannibalisiert damit sein eigenes Geschäft. Frei nach dem Motto: Wenn wir es nicht tun, machen es andere, bietet Microsoft mit Docs.com inzwischen selbst eine kostenlose Office-Alternative im Web an.

Denn mit der Verbreitung von HTML5 werden die kostenlosen Alternativen zu Office und anderer Microsoft-Software noch zunehmen. Wenn Anwendungen zunehmend im Browser laufen, sind Anwender außerdem nicht mehr auf Windows angewiesen. Hier will Google mit seinem eigenen Linux-Betriebssystem Chrome OS angreifen.

Die Zukunft des eigenen Geschäfts sieht Microsoft daher bei Firmenkunden, die auf Microsofts Cloud-Computing-Lösungen setzen. Das Versprechen des Konzerns: Wir kümmern uns komplett um Software und Hardware, ihr verbindet euch einfach nur mit euren PCs.

Damit sollen Unternehmen Kosten für Wartung, Installation und Administration der Rechner sparen. Seit Monaten lässt Microsoft-CEO Jobs keine Gelegenheit aus, die Cloud als die Zukunft der Unternehmenssoftware zu preisen.

Zurückhaltender sind die Kunden: Laut einer Umfrage der Analysten des Marktforschungsinstituts IDC von Ende 2009. Damals setzten in von den in den USA und Europa befragten Unternehmen gerade einmal 20 Prozent der befragten Unternehmen auf Cloud Computing. Allerdings soll ihr Anteil Experten zufolge noch stark wachsen.

Die Anleger überzeugen die Zukunftskonzepte von Apple und Google derzeit mehr als das von Microsoft: An der Börse, wo Zukunftserwartungen gehandelt werden, ist Apple in diesem Sommer an Microsoft vorbeigezogen. Obwohl Microsofts Gewinne aktuell immer noch kräftiger sprudeln als die der beiden Konkurrenten könnte Google als nächstes folgen.

Microsofts Marktkapitalisierung liegt derzeit bei etwa 218 Milliarden Dollar. Nach dem Kurssprung angesichts der jüngsten Zahlen des dritten Quartals, ist der Konzern mit einer Marktkapitalisierung von rund 188 Milliarden Euro nicht mehr weit von Microsoft entfernt.


 
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