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panorama Computerpionier Zuse z22
  Foto: ddp, ddp
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Konrad Zuse vor 100 Jahre geboren: Der Vater des Computers

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 22.06.2010 - 10:48

Hünfeld (RP). Am 22. Juni wäre Konrad Zuse 100 Jahre alt geworden. Der deutsche Ingenieur erfand den ersten Computer, auch wenn das in den USA lange Zeit angezweifelt wurde. Gegen Ende des Krieges waren fast alle seiner Maschinen zerstört, nur die Z4 konnte er in einem Pferdestall im Allgäu retten.

Konrad Zuse an seinem 80. Geburtstag im Atelier seines Hauses in Hünfeld.  Foto: AP, APN
Konrad Zuse an seinem 80. Geburtstag im Atelier seines Hauses in Hünfeld. Foto: AP, APN

Ein mechanisches Gehirn. Das werde er bauen. Eins, das den Schachweltmeister schlagen kann. Es ist 1935 in Berlin, als der 25-jährige Konrad Zuse mit diesen Worten seinen Vater Emil überrascht, einen steifen, preußischen Postbeamten mit Stehkragenhemd, dem sein Sohn schon mehrmals Kummer gemacht hat. Der mit einem Zeichentalent gesegnete Zuse will mal Reklamemaler werden, dann Filmregisseur oder Schauspieler.

Weil seine Traumberufe aber wenig Geld einbringen würden, entscheidet er sich nach dem Abitur, Maschinenbau zu studieren – auch weil ihn Industrie-Anlagen immer schon fasziniert hatten. Und mit 14 hatte er das Patent für einen Mandarinen-Automaten angemeldet, der gegen Münzeinwurf Obst und das passende Wechselgeld ausgab. Meistens jedenfalls.

Eine nervtötende Tätigkeit

Das technische Studium macht ihm allerdings weniger Spaß als gedacht. Er wechselt zur Architektur und entwirft futuristische Städte. Auf Dauer begeistert ihn das nicht. Als Bauingenieur denkt er dann, die beste Verbindung aus Technik und Kunst gefunden zu haben. Auch das sollte ein ungeliebtes Studium werden, das er aber zu Ende bringt.

Nach dem Diplom arbeitet er als Statiker für die Henschel-Flugzeug-Werke und füllt lange Listen aus. Eine "zeitraubende, häufig gleichartige Berechnung", wie er sagt. Eine nervtötende Tätigkeit dazu, die den kreativen und unsteten Zuse extrem langweilt. Und für die er auch zu faul ist, wie er zugibt. Um ihr zu entkommen, macht er sich Gedanken, wie er solche Rechnungen automatisieren kann – und überrascht 1935 seine Eltern. Denn nebenbei will er auch das elterliche Wohnzimmer benutzen, um die Maschine zu bauen.

Der Vater willigt ein, alles andere als begeistert. 1936 kündigt der Sohn seine Stelle, um sich ganz der Konstruktion seiner Maschine zu widmen. Trotzdem leiht ihm die Familie Geld oder packt mit an, genauso wie viele Freunde – auch wenn kaum einer versteht, was da entsteht. Zuse kann sich mit niemandem austauschen, zumal seine Stärke nicht das Reden ist, sondern das Nachdenken, wie sein Sohn über ihn sagt.

Doch 1938 steht die Z1. Auf den ersten Blick eine tischplattengroße, tonnenschwere Ansammlung von Schrott. Aber sie kann Zahlen in drei Sekunden addieren – wenn das Gerät aus 30 000 Einzelblechen funktioniert: Viel zu oft verhaken sich die Einzelteile. Aber das Prinzip und der Weg scheinen richtig. Ein Freund gibt ihm schließlich den Tipp, statt der Bleche elektrische Schalter zu benutzen.

Ein blinder Mathematiker

Nach dem Prototypen Z1 baut Zuse den Z2, mit dem er sich die Unterstützung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt sichert. Die sieht ein gewisses Potenzial in seiner Erfindung. Er darf den Z3 bauen – den ersten funktionstüchtigen Computer der Welt. Stolz präsentiert er 1941 seinen drei Meter breiten Rechner. Bald gründet er die "Zuse Ingenieurbüro und Apparatebau". Seine Mitarbeiter: ein vorbestrafter Buchhalter und ein Konstrukteur, der jahrelang in einer Nervenheilanstalt saß. Sein erster Programmierer ist ein blinder Mathematiker.

Gegen Ende des Krieges sind fast alle seiner Maschinen zerstört, nur die Z4 kann er in einem Pferdestall im Allgäu retten. Um zu überleben, verkauft er amerikanischen Soldaten selbst gemalte kitschige Ölbilder mit Gemsen. 1949 spürt ihn dort der Schweizer Mathematiker Eduard Stiefel auf, weil er die Z4 für die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich mieten will. Ein Jahr später ist sie der einzige Computer in Europa und der einzige weltweit, der zivil genutzt wird.

Nach dem Krieg wird ihm erst spät Anerkennung gewährt – nachdem Howard Aiken, der US-Konstrukteur des "Mark 1", 1962 Zuse zum eigentlichen Erfinder des Computers gekürt hat.


 
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