Um mehr als die Hälfte: EU will Preise für Auslands-SMS drücken
zuletzt aktualisiert: 23.09.2008 - 15:52Brüssel (RPO). Gute Nachrichten für die Freunde der elektronischen Handy-Kurzmitteilung: Das Versenden von SMS im europäischen Ausland soll in 2009 um rund 60 Prozent billiger werden. Für eine entsprechende Preisgrenze macht sich die EU-Kommission stark.
Die EU-Kommission schlug am Dienstag in Brüssel vor, zum 1. Juli 2009 eine Preisgrenze von elf Eurocent einzuführen. Zuzüglich Mehrwertsteuer dürften deutschen Handy-Nutzern dann höchstens 13,09 Cent je SMS berechnet werden. Derzeit verlangen die deutschen Anbieter für Auslands-SMS 24 bis 41 Cent inklusive Mehrwertsteuer. Die vorgeschlagene Preisgrenze bedarf der Zustimmung des Europaparlaments und einer Mehrheit der EU-Regierungen.
Auch die Preise für Handy-Telefonate im Ausland will Brüssel weiter senken. Bis zum 1. Juli 2012 sollten die Preisgrenzen für Mobilfunktelefonate im EU-Ausland auf maximal 34 Cent netto pro Minute gesenkt werden, forderte die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. Zugleich sollte der Abrechnungstakt auf ein Intervall von 30 Sekunden verkürzt werden - die meisten Anbieter rechnen heute im Minutentakt ab. Die Preisgrenze für die Annahme eines Handy-Gesprächs im EU-Ausland will Reding auf 10 Cent netto pro Minute senken, wobei in diesem Fall künftig sekundengenau abgerechnet werden soll.
Verhaltene Reaktionen
Deutsche Mobilfunkanbieter reagierten verhalten auf den Vorschlag der EU-Kommission. E-Plus-Unternehmenssprecher Guido Heitmann sagte, der vorgeschlagene Endpreis für Auslands-SMS liege unter dem aktuellen Inlandspreis: "Das kann ja nicht sein." Damit mache die Kommission mittelbar auch nationale Preispolitik. Ein Vodafone-Sprecher sagte, man behalte sich im Einzelfall rechtliche Schritte vor. Eine Stellungnahme von T-Mobile war zunächst nicht zu erhalten.
Zwar sei es verständlich, dass die Kommission regulierend in den Markt eingreife, erklärte E-Plus-Sprecher Heitmann. Eine Begrenzung der Endkundentarife sei aus Sicht des Unternehmens aber nicht nötig. "Niedrige, faire Vorleistungspreise" seien die einzige nötige Ausgangsbasis für einen funktionierenden Preiswettbewerb.
Gegenwärtig gilt für Anrufe aus dem EU-Ausland eine Preisgrenze von 46 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer, für die Annahme eines Gesprächs jenseits der deutschen Grenze dürfen maximal 22 Cent netto berechnet werden. Nach der EU-Roaming-Verordnung müssen diese Obergrenzen zum 30. August 2009 um je 3 Cent gesenkt werden. Reding will die Geltungsdauer der Verordnung nun verlängern und weitere Preissenkungen bis 2012 vorschreiben.
Günstigeres Surfen übers Handy
Auch beim Internet-Surfen via Handy im Ausland sollen die Verbraucher künftig vor bösen Überraschungen bewahrt werden. Hier schlug die Kommission allerdings keine Regulierung der Endkundenpreise, sondern lediglich der Großhandelspreise vor: Künftig sollen die Mobilfunkanbieter einander für die Nutzung ihrer Netze für die sogenannten Datendienste höchstens einen Euro je Megabyte in Rechnung stellen dürfen.
Zudem sollen sie ab 2010 den Verbrauchern die Möglichkeit einräumen müssen, eine Art Sicherheitsgrenze festzulegen: Die Verbindung würde dann bei Erreichen eines bestimmten Rechnungsbetrags unterbrochen. Die Kosten für Datendienste können in die Tausende gehen: Reding berichtete von einem Verbraucher, der für das Herunterladen einer Fernsehsendung im Ausland 40.000 Euro zahlen musste.
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