Computer: Firmengeheimnisse auf gebrauchten Festplatten
zuletzt aktualisiert: 29.05.2005 - 17:15Leipzig (rpo). Kontodaten, Geschäftsberichte, Steuererklärungen oder der Einblick ins Schlafzimmer - Tüftler können alten Festplatten ihre Geheimnisse entlocken, auch wenn diese von ihren vorherigen Besitzern scheinbar bereinigt wurden. Eine Studie einer Softwarefirma ergab, dass zwei von drei Festplatten teilweise noch hoch sensible Firmen- und Behördendaten enthalten, die wieder hergestellt werden können.
Die Tester der Firma "O&O" hatten im Auftrag des ARD-Magazins "Plusminus" 200 im Internet versteigerte Festplatten untersucht. Unter anderem fanden sie auf einer Festplatte der NordLB interne Bewertungen anderer Banken und Beurteilungen zu aktuellen Engagements der NordLB bei diesen Kreditinstituten. Auf einer Festplatte, die einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen zugeordnet werden konnte, entdeckten die Experten Teile des internen Schriftverkehrs. Dabei handelte es sich dem Bericht zufolge um umfangreiche Korrespondenz mit Ermittlungsbeamten in Sachsen zum Thema Schwarzarbeit.
Neben vertraulichen Firmen- oder Behördendokumenten entlockten die Tester den verschiedenen Festplatten auch private E-Mails, Kontodaten, Steuererklärungen oder Sammlungen von Urlaubsbildern sowie intime Einblicke in Schlafzimmer der früheren Besitzer. Die Daten waren laut MDR mit einer einfachen Hilfssoftware rekonstruierbar, mit der auch Laien ohne Probleme an die Unterlagen herangekommen wären.
Der Sender zitiert den Hamburger Informatik-Experten Klaus Brunnstein, der dem Computerriesen Microsoft eine Mitschuld an der einfachen Datenwiederherstellung zuweist. Dessen Betriebssystem Windows suggeriere dem Nutzer, dass die Daten durch Löschung oder Formatieren der Festplatte zuverlässig entfernt würden. In Wirklichkeit werde aber lediglich das Inhaltsverzeichnis der Festplatte gelöscht, während die Dateien unberührt blieben.
Microsoft solle Nutzer besser über diese Gefahren informieren, wurde Brunnstein zitiert. Microsoft habe dies jedoch zurückgewiesen und empfohlen, professionelle Lösch-Programme einzusetzen, die eine zuverlässigere Datenvernichtung ermöglichten.
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