Eigenes Handy: Google stellt Nexus One vor
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 05.01.2010 - 19:21Mountain View (RPO). Als das iPhone vor zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, gelang dem Hersteller Apple ein Coup. Das US-Magazin „Time” kürte das Gerät sogar zur „Erfindung des Jahres 2007”. Apple setzte mit dem iPhone den Standard für Smartphones in Sachen Benutzerführung, Bedienbarkeit und Aussehen. Doch nun bringt der Internet-Gigant Google ein solches Gerät, das die Vorzüge eines normalen Mobiltelefons mit denen eines kleinen Taschencomputers kombiniert, auf den Markt.
Es könnte die Mobilfunkbranche ähnlich revolutionieren. Sein Name: Nexus One. Gefertigt wird das 11,5 Millimeter dicke Gerät von dem taiwanesischen Hersteller HTC, das bereits einige andere Telefone mit Googles mobilem Betriebssystem Android herausgebracht hat. Im Frühjahr 2010 soll das Gerät auch in Deutschland zu kaufen sein.
Ähnlich wie das iPhone ist auch das Google-Handy ein Gerät, das nicht über das Drücken von Tasten bedient wird, sondern mit Hilfe des berührungsempfindlichen Bildschirms. Nachteil des Google-Phones: Bisher ist nur das iPhone multitouchfähig, also auch mit zwei Fingern gleichzeitig gesteuert werden kann. Daher hilft bei beim Nexus One eine kleine Kugel in der unteren Gehäusehälfte beim Steuern durch das Menü. Diese kann in unterschiedlichen Farben blinken – je nachdem, ob gerade ein Anruf, eine SMS oder E-Mail eingeht. Auf dem Gerät läuft die neueste Android-Version 2.1. Aufgrund des 1-Gigahertz-Prozessors ist es deutlich schneller als andere Android-Telefone und Geräte der Konkurrenz.
Der Bildschirm ist mit 3,7 Zoll ein wenig größer als der des Apple-Geräts. Mit einer fünf-Megapixel-Kamera und einem LED-Blitz kann das Nexus One beim Fotografieren mit einer guten Digitalkamera mithalten. Zum Vergleich: Das Iphone verfügt lediglich über eine Drei-Megapixel-Kamera und keinen Blitz. Auf dem Nexus One sind die firmeneigenen Web-Dienste wie Google Mail, Google Maps und Earth leicht zu bedienen. Zudem setzt Google wie Apple darauf, dass sich Anwender über ein eigenes Download-Portal kostenlose und kostenpflichtige Programme, so genannte Applikationen, herunterladen.
Es sind nicht die zusätzlichen Spielereien wie sprachgesteuerte Suchanfragen, 3D-Fotogalerien, interaktive Bildschirmhintergründe oder das Gehäuse, das Nutzer mit ihren Namen gravieren lassen können, die das Gerät zu einem großen Wurf machen. Vielmehr läutet Google mit diesem Gerät einen fast revolutionären Strategiewechsel ein. Denn bislang bestand die Hauptstrategie des Konzerns darin, Handyherstellern ein gut funktionierendes Betriebssystem an die Hand zu geben und auf diesem Weg den Kunden zu erreichen. Das scheint Google nun nicht mehr genug zu sein. Schon jetzt können Kunden in den USA, Großbritannien, Hongkong und Singapur das Gerät direkt bei dem Internetkonzern kaufen: Ohne Vertrag für 529 Dollar und damit deutlich günstiger als die 16-Gigabyte-Version von Apples iPhone 3GS (799 Euro). Lediglich ein Google-Account ist dafür notwendig.
Nachdem Google in den vergangenen Jahren bereits die Software- und Internetbranche durcheinandergewirbelt und Geschäftsmodelle revolutioniert hat, versuchen sie nun auch auf den Gerätemarkt anzugreifen. Handyhersteller müssen sich auf harte Zeiten einstellen.
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