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Gigaset ME
Das deutsche iPhone

Gigaset präsentiert zur IFA 2015 eigene Smartphones
Das Gigaset ME kann es technisch mit den Platzhirschen von Apple und Samsung aufnehmen – und auch beim Preis. FOTO: Gigaset
Düsseldorf. Die frühere Siemens-Tochter Gigaset war bislang eher für Festnetztelefone mit und ohne Schnur bekannt. Nun greift sie mit eigenen Modellen auf dem Smartphone-Markt an - und hat dafür einen prominenten Partner gewonnen. Von Florian Rinke

In der Fußball-Welt war zuletzt viel von "Identitätsverlust" die Rede, wenn es um den Rekordmeister FC Bayern München geht. Zu viele ausländische Stars, zu wenig bayerische Eigengewächse - verliert da ein Club vor lauter Kommerz seine Seele?

Insofern kann man die neue Partnerschaft des Münchener Clubs schon fast als Beitrag zur Heimatpflege bezeichnen. Denn obwohl es eher zum Selbstverständnis, dem "Mia san Mia" passen würde, sich und seine Spieler mit teuren Edel-Handys der Marken Apple oder Samsung zu schmücken, haben die Münchner zuletzt den bayerischen Telefonhersteller Gigaset als neuen Premiumpartner vorgestellt.

Der Vertrag mit Samsung wurde nicht verlängert. In Zukunft werden Philipp Lahm, Thomas Müller und Co. daher zumindest dienstlich mit den Gigaset-Handys telefonieren.

Gigaset in der Smartphone-Welt bisher ein Niemand

Es ist eine eher ungleiche Partnerschaft. Denn während die Bayern zu den weltbesten Vereinen gehören, ist Gigaset zwar bei den Festnetztelefonen eine große Nummer, in der Welt der Smartphones aber ein Niemand. Bis jetzt.

Fotos: Die IFA-Trends 2015 im Überblick FOTO: dpa, av

Pünktlich zum Start der Internationalen Funkaustellung IFA, die gestern Abend in Berlin eröffnet wurde, hat die ehemalige Siemens-Tochter drei Smartphones entwickelt, mit denen es Apples iPhone Konkurrenz machen will.

Obwohl das Geschäft hart umkämpft ist, gibt sich Firmenchef Charles Fränkl optimistisch. Der Markt für Smartphones sei groß, sagt er. Allein bis 2018 werde es 2,7 Milliarden Geräte geben, und der Markt wachse jährlich um eine Milliarde Einheiten.

Unternehmen vertraut auf seine gute Reputation

Allein in Deutschland werden laut einer aktuellen Studie des IT-Branchenverbands Bitkom in diesem Jahr 25,56 Millionen Smartphones verkauft und ein Umsatz von 9,1 Milliarden Euro erzielt. Der Markt wächst auch hierzulande seit Jahren - und darauf setzt auch Gigaset.

Denn das Unternehmen vertraut auf seine gute Reputation bei den Kunden. In vielen deutschen Haushalten stehen Gigaset-Telefone. Und viele verbinden mit dem Unternehmen immer noch Ex-Mutter Siemens, obwohl die Gigaset bereits 2008 verkauft hat.

Und so ist es die Generation der über 35-Jährigen, die Gigaset besonders in den Blick nimmt. "Unsere Zielgruppe sind die Generation X und die Babyboomer", sagt Fränkl. Diese Zielgruppe müsse man sehr genau ansprechen, denn die Konkurrenz sei groß.

Smartphones sind günstiger als andere Top-Geräte

Gigaset setzt dabei auf das bei den Deutschen seit Jahren erprobte und sehr beliebte Discounter-Prinzip: hohe Qualität, aber möglichst preiswert.

Das bringt das Gigaset ME technisch mit. FOTO: Hersteller, RP

Technisch können es die Modelle Gigaset ME (469 Euro) und Gigaset ME Pro (549 Euro) mit den Premium-Geräten der Platzhirsche Apple und Samsung aufnehmen und sind dabei sogar preiswerter als die meist mehr als 700 Euro teuren Konkurrenzgeräte.

Selbst eine optische Ähnlichkeit lässt sich kaum leugnen. Das dritte Smartphone, das Gigaset ME Pure, wiederum ist technisch abgespeckt, dafür aber mit 349 Euro auch günstiger.

Hier zum Vergleich die Daten des iPhone 6. FOTO: Hersteller, RP

Natürlich hofft Gigaset, dass auch das Image vermeintlich deutscher Ingenieurskunst Käufer lockt. Immerhin gab es zuletzt mit Siemens einen deutschen Hersteller, der Handys hergestellt hat. Doch auch die deutsche Antwort auf Apple hat einen Migrationshintergrund: Das Design stammt zwar aus Deutschland, gebaut werden die Geräte jedoch in China. Immerhin: So macht es Apple auch.

Gigaset kämpft gegen sinkende Umsätze

Natürlich geschieht Gigasets Smartphone-Vorstoß nicht nur aus deutscher Technik-Nostalgie. Für das bayerische Unternehmen geht es auch ums Überleben. Weil immer weniger Menschen Festnetz-Telefone kaufen, sank der Umsatz allein 2014 um zwölf Prozent auf 326 Millionen Euro. Gigaset machte rund 16,6 Millionen Euro Verlust.

Vergessen wären die Sorgen wohl schnell, wenn jeder Bayern-Fan ein Gigaset-Smartphone kauft. Fränkl lacht: "Das würde natürlich helfen bei 400 Millionen Fans weltweit."

Mehr Artikel von der IFA 2015 finden Sie in unserem Dossier.

Quelle: RP
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