Zum Mitnehmen: Konzert auf dem USB-Stick
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 16:25Düsseldorf (RP). Das Konzert passt in jede Hosentasche. Der Applaus ist gerade erst verhallt, die Musiker sind nach ihrem Auftritt erst wenige Minuten von der Bühne verschwunden. Doch bereits am Ausgang können die Besucher einen Live-Mitschnitt des Konzerts mit nach Hause nehmen – als digitale Kopie. Immer mehr Künstler bieten Mitschnitte ihrer Konzerte auf USB-Stick zum Kauf an.
Eine Band, die mit den Speichersticks erfolgreich ist, sind die Toten Hosen. Fans der Düsseldorfer Punkband loben vor allem die außergewöhnlichen Live-Auftritte von Sänger Campino, der sich bei seinen Konzerten regelmäßig verausgabt.
Nun haben Konzertbesucher die Möglichkeit, die bisher einmaligen Konzerterlebnisse mit nach Hause zu nehmen: Zwei Tontechniker begleiten die Düsseldorfer Punkband auf ihrer "Machmalauter"-Tournee und bannen im mobilen Tonstudio alle Konzerte auf digitale Speichermedien.
Noch während des Konzertes laufen die Kopiermaschinen, die bis zu elf Sticks pro Minute produzieren. Für 20 Euro können die Zuhörer den Speicherstick mit dem Totenkopf-Emblem der Band am Konzert-Ausgang kaufen.
"Jeder zehnte Konzertbesucher nimmt eine Aufnahme mit", sagt Marcus von Husen, Sprecher des Kölner Unternehmens Music Networx. Der erste Musiker, den die Firma im April 2008 auf seiner Tournee begleitete, war DJ Bobo.
Es folgten BAP, Thomas D. und Peter Maffay, in den nächsten Wochen ist das Tontechniker-Team mit Simply Red auf Europa-Tournee. Im Juni will die Firma den Festival-Sampler "Rock am Ring" dann auf USB-Stick herausbringen.
Die Musikindustrie, die sich seit Jahren gegen illegale Raubkopien der Produktionen ihrer Künstler wehrt, begrüßt das neue Angebot. "Grundsätzlich gibt es dagegen keine Bedenken", sagt David Knoell, Sprecher des Bundesverbandes der Musikindustrie.
Schließlich hätten die Tontechniker Verträge mit den Labels abgeschlossen – und diese seien wiederum am Absatz der USB-Sticks beteiligt. Ganz sorglos sehen die Plattenfirmen den neuen Trend aber doch nicht, sagt Knoell. "Die Gefahr steigt, dass die Musik nun noch schneller in illegalen Tauschbörsen im Internet landet."
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