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Frust: Moderne Technik überfordert häufig

zuletzt aktualisiert: 23.12.2005 - 08:18

Stuttgart (rpo). Nostalgiker mögen gern an die Zeit zurückdenken, als ein Telefon noch ein Telefon war und nur dazu diente, jemand anzurufen. Heute können Handys zwar viel, viel mehr, doch all die Funktionen wie Musikhören, Fotografieren, Spielen und Termine planen überfordern auch viele Anwender.

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"Moderne Alltags-Technik ist häufig zu kompliziert zu bedienen", sagt Ralph Hinderberger, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der deutschen Usability-Professionals mit Sitz in Stuttgart, der im November den ersten Tag der Benutzerfreundlichkeit in Deutschland veranstaltete. Unter dem Motto "Einfach, sinnlich und benutzerfreundlich" forderten dabei Experten in über 30 Ländern, dass Technik bedienbarer werden müsse.

Das Problem sei laut Hinderberger, dass moderne Geräte wie Handys oder PDAs oft unter einer neuen Technik-Krankheit leiden: der "Featuritis". "Der Trend geht dahin, dass Hersteller immer mehr Funktionen in immer kleinere Geräte packen - das verwirrt die Kunden", sagt Hinderberger. So finden viele Nutzer vor lauter Knöpfen und Menüs die einfachsten Anwendungen nicht mehr, wie die Studie "HandyERGO" der Fachhochschule Gelsenkirchen von 2004 belegt. Von mehr als 1200 Testpersonen scheiterten dabei fast zwei Drittel bei dem Versuch, auf einem fremden Handy eine SMS zu schreiben.

Zwar bewerben die Hersteller die Einfachheit ihrer Produkte schon länger mit Schlagworten wie "Simplicity" und "Easy to use" - über derartige Slogans kann Lothar Mühlbach aber nur müde lächeln. Er prüft im "Human Factors Test Center" des Instituts für Nachrichtentechnik der Fraunhofer-Gesellschaft in Berlin neue Technologien auf ihre Benutzbarkeit.

Dabei finde er immer wieder handfeste Entwickler-Fehler, weil die Firmen zwar lange an der Leistungsfähigkeit ihrer Geräte feilten, dafür aber am Bedienkomfort sparen. So stieß Mühlbach auf der letzten Internationalen Funkausstellung in Berlin auf eine HiFi-Anlage, die zwar eine komplette CD-Sammlung speichern und die Musik drahtlos durch die Wohnung funken konnte. Allerdings war das Display zu klein, um bei der Musikauswahl die Titel lesen zu können.

Zudem zeige die Praxis, dass viele Geräte nicht auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet seien. "Die Technik muss sich aber an den Kunden anpassen und nicht umgekehrt", sagt Mühlbach. So sei es zum Beispiel fraglich, ob Kunden überhaupt einen Internetanschluss am Fernseher haben wollten. Auch verlangten viele Produkte zu großes technisches Vorwissen. Gerade im Datendschungel von Mobilfunkdiensten für große Datenmengen wie GPRS, UMTS oder dem Handy-Fernsehen DVB-H blickten Anwender häufig nicht mehr durch.

"Besonders Senioren fühlen sich von modernen Geräten wie Handys oft überfordert", sagt Psychologie-Professor Hartmut Wandke von der Humboldt-Universität in Berlin. So hat eine Studie der Firma Research International Deutschland aus dem Jahr 2004 ergeben, dass rund zwei Drittel der über 60-Jährigen in Deutschland Probleme beim Kauf eines Handys haben, weil sie die Apparate zu kompliziert finden. Ältere Menschen kämen meist schon mit den kleinen Knöpfen und Symbolen nicht zurecht, sagt Wandke. Für sie seien daher teilweise spezielle Senioren-Handys sinnvoll.

Aber auch jüngere Menschen sind laut Prof. Wandke häufig verärgert und verwirrt durch die unverständliche Bedienung vieler Geräte. Denn oft müssten sich Nutzer erst durch mehrere Handbücher quälen, um die Menüführung eines Produkts zu verstehen. Ein benutzerfreundliches System sollte aber selbsterklärend und intuitiv bedienbar sein.

"Die beste Technik ist die, von der man nichts bemerkt", sagt Wandke. Stattdessen müssten sich Nutzer nicht nur bei Handys und Digitalkameras mit kniffeligen Konfigurationseinstellungen herumschlagen - mit Auto-Navigationssystemen und Wohnzimmer-PCs ziehe immer mehr komplizierte Technik in den Alltag ein.

Dabei erschweren die Hersteller laut dem Usability-Experten Hinderberger dem Anwender das Leben oft zusätzlich: Häufig pflegen Firmen die Eigenarten ihrer Geräte, um Kunden an ihre Marke zu binden. Zwar gibt es Vorgaben zur Gebrauchstauglichkeit von moderner Technik in einer DIN-Norm, diese bezieht sich aber in erster Linie auf die technische Ausstattung am Arbeitsplatz im Beruf.

Inzwischen hätten einige Firmen das Problem aber erkannt, meint Hinderberger. So beteiligten sich beim Tag der Benutzerfreundlichkeit im November diverse Hersteller an den Diskussionen über eine einfachere Handhabung der Technik. Es gebe aber noch viel zu tun.

Letztlich liegt es aber auch in der Hand des Kunden, beim Kauf auf benutzerfreundliche Technik zu achten: Viele machten den Fehler, sich überfrachtete Produkte aufzuhalsen, um möglichst viel für ihr Geld zu erhalten, sagt Prof. Wandke. Hinterher ärgerten sie sich dann über die komplizierte Bedienung. Anwender sollten sich daher bei der nächsten Anschaffung fragen, welche Gerätefunktionen sie wirklich brauchen - denn manchmal ist weniger eben mehr.

Quelle: gms

 
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