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Lautsprecher, Netzwerkspieler & Co
Multiroom-Sound für daheim - was man dazu wissen muss

Multiroom - diese neuen Audiogeräte gibt es
Multiroom - diese neuen Audiogeräte gibt es FOTO: dpa, av sir
Düsseldorf. Über Jahrzehnte galt: Musik wird dort gehört, wo die Anlage steht. Das muss heutzutage nicht mehr so sein. Vernetzte Audiogeräte verteilen die Musik virtuos im ganzen Haus, oft sogar per Sprachsteuerung. Grenzen setzt nur die Kompatibilität.

Teamplayer sind überall gern gesehen. Auch vernetzte Lautsprecher und Hi-Fi-Komponenten gehören dazu, wenn es um Musik geht. Sie streamen Songs nicht nur drahtlos aus dem Internet oder Heimnetzwerk, sondern können auch gemeinsam aufspielen, obwohl sie in verschiedenen Räumen stehen.

Diese konzertierte Aktion, die als Multiroom bezeichnet wird, gelang bisher meist aber nur, wenn die Boxen, Receiver, Netzwerkplayer oder Adapter vom selben Hersteller stammen. Jetzt fassen auch herstellerübergreifende Standards Fuß, wie die Neuvorstellungen auf der Elektronikmesse IFA in Berlin gezeigt haben. Ein Multiroom-Überblick:

  • Marktlage

Proprietäre Standards sind die Regel. "Jeder kocht sein eigenes Süppchen", sagt Sven Hansen vom "c't"-Fachmagazin. Standards wie UPnP AV oder DLNA ermöglichen zwar oft herstellerübergreifendes Streamen, nicht aber den Multiroombetrieb.

Google Home - smarte Box nun auch in Deutschland FOTO: dpa, tsn sir

"Dabei hätten die auch das Zeug dazu", betont der Experte. Aber: "Das zeitgleiche Abspielen in mehreren Räumen ist technisch durchaus anspruchsvoll." Eine Verschiebung von einer Hunderstel Sekunde stört da schon.

Da verlassen sich die Hersteller lieber auf eigene Entwicklungen und versuchen, über ihren Standard Kunden zu binden, so der Experte. Fakt ist, dass vernetztes Musikhören noch auf den Durchbruch wartet: Einer aktuellen GfK-Studie zufolge streamen erst 12 Prozent der Menschen hierzulande in irgendeiner Form Musik. Bei den 16- bis 39-Jährigen sind es immerhin schon knapp doppelt so viele (22 Prozent).

  • Herstellerspezifische Standards

Die Systeme der Hersteller heißen etwa All von Panasonic, Play von Sonos, Musiccast von Yamaha, Raumfeld von Teufel, Heos von den Schwestermarken Denon und Marantz, Soundtouch von Bose oder Fireconnect von den Schwestern Pioneer und Onkyo.

Beolit 17 von B&O - raumfüllende Bluetoothbox FOTO: Christoph Schroeter

Samsung oder Sony haben ihren Multiroom-Standards keine besonderen Namen gegeben. Von Yamaha gibt es in Berlin als Musiccast-Neuheiten etwa den Netzwerkplayer NP-S303 (350 Euro) oder die Mini-Anlage Restio ISX-18D (300 Euro) zu sehen.

  • DTS Play-Fi

Dieser herstellerübergreifende Multiroom-Standard steckt etwa in Geräten von Audioherstellern wie Arcam, Klipsch, Rotel, McIntosh, Polk, Definitive Technology oder Pioneer. Onkyo hat zudem Netzwerk-Mini-Anlagen wie die CS-N775D (749 Euro) angekündigt, die den Standard per Software-Update nachgereicht bekommen sollen.

  • Undok

Vom Halbleiter-Hersteller Frontier Silicon stammt dieser übergreifende Standard für Streaming und Multiroom. Mit ihm arbeiten Internet-Radios, Netzwerkplayer oder WLAN-Lautsprecher von Marken wie Revo, Silvercrest, Sangean, Noxon, Technisat, Albrecht oder Roberts.

Digitale Sprachassistenten - diese Helfer gibt es bereits FOTO: dpa, tsn

Hama hat zur IFA etwa das Internet-Digitalradio DIR3115MS (200 Euro) mit Undok-Standard mitgebracht, Block den Stereo-WLAN-Lautsprecher SB-100 (500 Euro) und Sonoro das badezimmertaugliche Audiosystem Stream mit wasserfester Fernbedienung (300 Euro).

  • Spotify Connect

"Der Standard kommt aus einer ganz anderen Ecke", erklärt Sven Hansen. "Da ist es ein Anbieter, der das Protokoll vorgibt." Möglich macht das die große Verbreitung des Streamingdienstes.

Aber auch Kunden von Napster, Deezer, Tidal, Quobuz, Juke und Co schauen meist nicht in die Röhre: Die Netzwerk-Geräte und -Boxen der Hersteller bieten zumindest fürs Streamen von Musik eine breite Dienste-Unterstützung.

  • Chromecast

Der Google-Standard kann seit Dezember 2015 nicht nur Musik streamen, sondern auch per Multiroom-Funktion verteilen. Immer mehr Hersteller integrieren ihn in Netzwerk-Bausteine oder -Boxen (Chromecast built-in).

Dazu gehören etwa Pioneer und Onkyo, Teufel, Samsung, Panasonic, Sony oder B&O Play. Der Chromecast-Audio-Adapter (40 Euro) macht im Zweifel Anlage oder Aktivboxen hierfür fit.

Video: Jetzt kommt der smarte Lautsprecher
  • Airplay 2

Apples Streaming-Standard wird in der neuen Version Multiroom-fähig. Die Funktion zieht mit iOS 11 in iPhones und iPads ein, die dann die Steuerung übernehmen können.

Viele Hersteller wie Denon, Marantz, Libratone, Bowers & Wilkins oder Bang & Olufsen (B&O) haben bereits Airplay-2-Unterstützung für ihr Produkte angekündigt.

  • Bluetooth

Der Funkstandard ist so etwas wie der kleinste gemeinsame Drahtlos-Nenner zwischen den meisten Audio- und Mobilgeräten.

Es gibt aber auch Bluetooth-Boxen, die Musik ohne Versatz in mehreren Räumen abspielen können, etwa Izzy-Lautsprecher von Philips, die koppelbaren Boom-Boxen von Ultimate Ears oder Lautsprecher von Bluesound oder JBL. Bluetooth beherrschen auch viele WLAN- Komponenten und -Boxen, teils auch im Multiroom-Verbund.

Audiophile rümpfen bei Bluetooth die Nase, weil die Musik komprimiert wird. Unterstützen aber beide Seiten den aptX-Codec, ist immerhin CD-Qualität gewährleistet.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: dpa, tsn crk
  • Klang

Chromecast kann hochauflösende Musikdateien bis 24 Bit bei 96 Kilohertz (kHz) wiedergeben, Fireconnect und DTS Play-Fi spielen sogar Musikdateien mit bis zu 24 Bit bei 192 kHz ab. Das sollte auch audiophilen Ansprüchen genügen.

Aber am Ende zählt, wie es aus den Boxen klingt. "Bei der digitalen Verstärkertechnik und den Schallwandlern hat sich eine Menge getan", erklärt Hansen. "Da lohnt es sich, auch mal bei günstigeren Geräten reinzuhören."

Und auch die Größe von Lautsprechern stehe längst nicht mehr zwingend in Relation zu ihrer Größe. Heißt: Auch kleine Boxen können gut klingen.

  • Apps

Die Seele jedes Multiroom-Systems ist eine App. Mit ihr steuert man verbundene Geräte an, Lautsprecher lassen sich gruppieren. Die Hersteller bieten hierfür eigene Anwendungen.

Chromecast-fähige Geräte gehorchen auch der Google-Home-App, wie Airplay-2-Geräte bald iPhones. Teils lässt sich die Wiedergabe sogar aus anderen Apps starten, die Chromecast unterstützen.

Für Undok-Geräte gibt es die gleichnamige Anwendung vom Chiphersteller Frontier Silicon, bei Spotify Connect fungiert die Spotify-App als Steuerzentrale.

  • Sprachsteuerung

Trend auf der IFA waren generell vernetzte Audiogeräte, die sich via Sprachassistent dirigieren lassen.

Yamaha mit seinen Musiccast-Produkten oder Medion mit dem Multiroom-Lautsprecher P61110 (100 Euro) setzen etwa auf Amazons Alexa.

Sony verbindet seine Chromecast-fähigen Audio-Produkte dagegen mit dem Google Assistant, so etwa den neuen 360-Grad-Lautsprecher LF-S50G (230 Euro). Auch Panasonic verbindet seinen auf der Messe angekündigten WLAN-Lautsprecher SC-GA10 mit dem Assistant.

  • Fazit

Noch herrscht "babylonische Protokollverwirrung", wie Sven Hansen es nennt. Die Entscheidung für einen Multiroom-Standard sollte man neben der Auswahl an verfügbaren Geräten und der Kompatibilität mit weiteren Standards oder Diensten vor allem vom Klang abhängig machen, rät der Experte: "Reinhören, anders geht es nicht."

(csr/dpa)
 
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