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Kolumne: "Total Digital"
Auch diese Datenbrille wird scheitern

Snapchat: Auch die Datenbrille "Spectacles" wird scheitern
"Spectacles" von Snapchat — fotografiert von Karl Lagerfeld. FOTO: afp
Meinung | Düsseldorf. Google hat sie bereits aufgegeben, nun versucht das soziale Netzwerk Snapchat mit der Videobrille "Spectacles" den Durchbruch. Aber wir sind noch nicht so weit. Von Daniel Fiene

Ausgerechnet Karl Lagerfeld soll es richten. Am Wochenende hat Snapchat-Gründer Evan Spiegel, der sich zum Rivalen von Facebook-Chef Mark Zuckerberg gemausert hat, die Bombe platzen lassen: Snapchat wird künftig nicht nur seine Messenger-App anbieten, sondern auch eine Video-Brille. Der Träger der "Spectacles", wie die vernetzte Brille heißen wird, kann aus der eigenen Perspektive Videos aufnehmen und direkt über Snapchat an Freunde schicken. Jetzt versucht es ein Tech-Konzern also wieder mit einer Datenbrille, einem sogenannten Wearable.

Die bisherigen Versuche sind für mich gescheitert. Meine Apple Watch habe ich schnell wieder gegen eine normale Uhr getauscht - ich habe noch keinen anderen Kunden gefunden, der sie mit Begeisterung trägt. Google hat seine Pläne für die Datenbrille "Glass" auch wieder einkassiert. Und auch die Träger von Facebooks "Oculus Rift"-Brille sehen befremdlich aus, wenn sie in ihre virtuelle Realität eintauchen.

Das hat alles seine Gründe: Wearables verschrecken immer noch mit ihrer Optik. Die Apple Watch ist schrecklich langweilig, die Funktionen rechtfertigen dieses viereckige Etwas am Handgelenk nicht. Ein normales Gespräch ist mit Trägern der "Google Glass" nicht möglich. Ständig fühlt man sich unangenehm beobachtet. Snapchat will das nun besser machen und verpasst der eigenen Brille mit runden Sonnengläsern ein Design irgendwo zwischen Fisher Price und frisch aus dem Kaugummi-Automaten gezogen. Karl Lagerfeld hat für die Werbung junge Leute fotografiert. Die Botschaft ist eindeutig: Die neue Brille ist cool und angesagt. Doch das wird nicht reichen. Auch diese Version wird scheitern.

Zugegeben, auch die ersten Tablets und Smartphones scheiterten. Mich fasziniert auch, dass Snapchat ein Problem mobiler Foto- und Videoaufnahmen löst: Es wird erstmals das menschliche Blickfeld mit 115 Grad aufgenommen. Ich muss mich nicht für Quer- oder Hochformat entscheiden, sondern kann beim Betrachten der Aufnahmen mein Smartphone-Display drehen - entsprechend passt sich der Ausschnitt wie bei einem 360-Grad-Foto auf Facebook an.

Das ist die Zukunft, aber nicht diese Brille. Die Bügel sind mir zu klobig; ich möchte nicht noch ein Gerät betreuen, das jeden Abend an die Ladestation muss. Die Technik für Wearables ist noch zu sperrig, die Akkus sind noch nicht leistungsfähig genug. Erst wenn der Träger nicht mehr wie ein Crewmitglied im Raumschiff Enterprise aussieht, können wir über die Rückkehr der Datenbrillen reden. Aber wir sind noch nicht so weit.

Quelle: RP
 
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