Noch ein langer Weg zum Handy über den Wolken: Telefonieren in luftiger Höhe weiter tabu
VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 24.08.2004 - 10:51Düsseldorf (rpo). "Das Telefonieren an Bord ist nicht gestattet! Bitte schalten Sie Ihre Handys aus!" Jeder Passagier eines Flugzeuges kennt diese netten, aber doch bestimmten Durchsagen der Stewardessen vor dem Start und hält sich größtenteils auch daran. Denn wer will schon für einen Absturz verantwortlich sein? Neueste Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die Strahlung der mobilen Telefone keine Auswirkungen auf die Bordelektronik haben sollen. Doch der Fall des Handy-Verbots wird wohl noch dauern.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) führt in Kooperation mit der Airbus Deutschland GmbH seit Mitte 2002 das Projekt "WirelessCabin" durch. Ziel ist, die drahtlose Kommunikation über den Wolken zu ermöglichen. Dabei sollen die Passagierhandys per Satellit mit den Telefonnetzen auf der Erde verbunden werden. In dem Rahmen des Projektes wurden zunächst Untersuchungen am Boden durchgeführt, die bewiesen, dass die Bordelektronik nicht durch die Handy-Strahlung gestört wird. Praktische Test sollen aber folgen. Projektleiter Axel Jahn kündigt die weiteren Vorhaben an: „Ein Testflug wird das bald demonstrieren.“
Lufthansa aufgeschlossen für Handys an Bord
Unter den Fluggesellschaften herrscht Uneinigkeit, ob das Handy-Verbot fallen soll. Die Lufthansa unterstützt das Projekt "WirelessCabin". Sie führte auch eigene Tests durch, in denen die Ingenieure die technischen Geräte in einer Maschine mit der 25-fachen Leistung der Handy-Strahlung bestrahlten. Sprecher Michael Lamberty erklärt den Ursprung der Tests: "Bei der Lufthansa ist Internet an Bord bereits möglich und wir wollten ausprobieren, inwieweit das auch für Mobiltelefone realisierbar ist."
Es gebe bereits "fruchtbaren Kontakt" mit dem Gesetzgeber, führt der Lufthansa-Sprecher fort. "Er ist den neuen Überlegungen durchaus aufgeschlossen und nicht unwillig. Doch er wartet auf die konkreten Vorschläge der Fluggesellschaften."
Annäherungen an die USA seien bei dem Projekt wünschenswert. Dort sei es bereits möglich vor und nach dem Flug uneingeschränkt zu telefonieren.
Keine konkreten Diskussionen bei anderen Fluggesellschaften
Die LTU hält sich bisher bedeckt. Solange es das Handy-Verbot gebe, werde man dagegen nicht verstoßen. "Momentan sind die technischen Vorraussetzungen auch noch nicht gegeben", begründet eine Sprecherin. Aus diesem Grund gebe es über das Thema auch noch keine konkreten Diskussionen. Doch Reaktionen des Unternehmens auf eine Veränderung der Verordnung sind nicht ausgeschlossen.
Auch bei der Eurowings Luftverkehrs AG gibt es nach Aussage von Sprecherin Ina Dieckerhoff "zur Zeit keine Ambitionen das Handy-Verbot aufzuheben." Zwar sei das Telefonieren an Bord in besonderen Situationen wie bei großer Verspätung mit ausdrücklicher Erlaubnis des Kapitäns erlaubt, aber dann auch nur, wenn sich das Flugzeug am Boden befindet. Dieckerhoff spricht ebenfalls die technischen Probleme an, die das Benutzen des Mobiltelefons unmöglich machen: Der Kommunikationsaufbau würde nicht gelingen, da "die einzelnen Zellen im D-Netz zu schnell überflogen" werden.
Das bestätigt der Projektleiter von "WirelessCabin" Axel Jahn. Mit dem Netz gebe es aufgrund der Geschwindigkeit Probleme, nicht jedoch wegen der Flughöhe. "Die Verbindung wird deshalb beim WirelessCabin über einen Satelliten hergestellt."
In mehreren Maschinen ist bereits heute das Benutzen von Internet erlaubt, des sogenannten Wireless-LAN (WLAN). Nachweisverfahren im vergangenen Jahr garantierten seine Sicherheit. Das war bei dem Mobilfunk bislang noch nicht geschehen. „Es hätte sein können, dass die Leistungen bei Handys höher sind“, erklärt Jahn. Deswegen wären hierfür die neuen Tests erforderlich gewesen.
Fällt das Handy-Verbot bald?
Jahn hofft indes auf einen schnellen Fall des Handy-Verbots. An ein schnelles Aufheben glaubt Lamberty allerdings nicht. Zwar seien die technischen Möglichkeiten in "greifbarer Nähe", verdeutlicht Lamberty, aber es gebe noch Unklarheiten:
Zunächst dauere es generell lange, bis ein Gesetz falle, aber auch "das Ruhebedürfnis unserer Fluggäste ist ein wichtiger Faktor. Stellen Sie sich doch mal einen Nachtflug eines Jumbo vor mit 400 Passagieren und jeder zweite telefoniert." Deshalb müsse nach einer Erlaubnis vor allem geklärt werden, wie das Kommunikationsbedürfnis mit den übrigen Regeln an Bord zu vereinbaren sei.
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