Cebit könnte eine neue Ära im Mobilfunk einläuten: UMTS vor dem Durchbruch
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 01.03.2004 - 09:05Das UMTS-Zeitalter hat begonnen. Mit Verspätung. Dafür „kommt jetzt aber richtig Bewegung in die Sache“, meint Theo Kitz, Telekommunikationsexperte beim Münchener Bankhaus MerckFinck&Co. Seit Vodafone am 12. Februar mit großem Tam-Tam das Mobilfunknetz der dritten Generation für die Kunden freischaltete, überbieten sich die Konkurrenten mit Start-Ankündigungen.
Der große Rivale T-Mobile hat sein UMTS-Netz ebenfalls geöffnet - bislang allerdings erst einem exklusiven Kreis. O2 hat den April als Start-Termin im Visier, E-Plus will seine UMTS-Pläne auf der Computermesse Cebit vorstellen, die vom 18. bis zum 24. März in Hannover stattfindet.
Weil die Handys für den neuen Massenmarkt noch fehlen, setzen die Netzbetreiber erst einmal auf den Laptop. Per Handy-Einsteckkarte kann der Kunden etwa bei Vodafone schon seit Mitte Februar die Vorteile des neuen Netzes ausprobieren. Auch T-Mobile und O2 haben Notebooks und Taschencomputer den Vorzug vor Mobiltelefonen gegeben. Die neuen Dienste der Mobilfunk-Anbieter wenden sich deshalb vor allem an die Geschäftskunden. „Das war in der Vergangenheit immer so“, findet Handy-Experte Kitz.
Die Vorreiter
Das Tempo setzen dabei ganz klar die beiden deutschen Marktführer T-Mobile und Vodafone D2. Als „historischen Tag“ feierte D2-Chef Jürgen von Kuczkowski den UMTS-Start in Düsseldorf. „Die anderen müssen jetzt nachlaufen“, sagt Roman Friedrich, Telekom-Experte der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Vodafone als reiner Mobilfunk-Anbieter will Datendienste wie Video-Clips, hochauflösende Bilder, Musikdateien oder Bildtelefonie fast ausschließlich über den neuen Handy-Standard UMTS versenden.
Die drahtlose Funktechnik W-Lan, die ortsgebunden einen schnelleren Zugang zum Internet schafft, spielt in den Überlegungen des Weltmarktführers nur eine Nebenrolle. „Der Ausbau der W-Lan-Standorte ist von nachrangiger Bedeutung“, sagte Vodafone-Sprecher Jens Kürten. Bis Ende 2004 will Vodafone gerade einmal 300 Hot Spots einrichten. So heißen die Standorte, an denen die Funktechnik W-Lan wirksam ist.
Qualität statt Geschwindigkeit
Einen anderen Weg geht die Telekom-Tochter T-Mobile. Sie will bis Ende des Jahres in Deutschland 4000 Hot Spots schaffen - mehr als 13-mal so viel wie Vodafone. „Der Kunde muss nicht merken, ob er über UMTS, W-Lan oder gar das Festnetz seinen Zugang zum Internet bekommt“, meint T-Mobile-Chef René Obermann. Die Telekom-Tochter geht im Gegensatz zu Vodafone eher behutsam zu Werke. „Die achten mehr auf Qualität als auf Geschwindigkeit“, sagt Telekom-Experte Kitz vom Bankhaus Merck Finck.
Die konkreten Angebote sind indes fast identisch. Der neue Standard erlaubt das vor allem Verschicken von E-Mails mit umfangreichen Dokumenten. „Das ist für vielreisende Manager oder Außendienstmitarbeiter von unschätzbarem Wert“, sagt Telekom-Analyst Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank.
T-Mobile hat dazu mit Hilfe des Netzausrüsters Lucent die Stadt Nürnberg zur UMTS-Versuchsstation ausgebaut. Gleich fünf Unternehmen, darunter der Bürodienstleister Datev, erprobten den neuen Standard unter Geschäftsbedingungen und sparten bis zu 13 Prozent Arbeitszeit. Die Datev-Außendienstler etwa mussten nicht mehr ihre Kundenbesuche nacharbeiten, wenn sich wichtige Daten während ihrer Reisezeit änderten.
Die Nischenanbieter
Für die Nummer drei und vier am Markt, die Düsseldorfer E-Plus und die Münchener O2 bleiben da nur noch die Nischen. „Die beiden werden es schwer haben“, glaubt Mobilfunk-Experte Schickentanz. O2 will zwar bereits im Mai die privaten Kunden mit UMTS-Handys beglücken - noch vor Vodafone und T-Mobile. Doch bislang sind die Handys - ob von Nokia, Motorola oder Siemens - nicht ausgereift. Vom einem Massenprodukt gar sind sie weit entfernt.
E-Plus setzt ganz auf das mobile Internet-Portal i-Mode - trotz der bislang noch unbefriedigenden Kundenzahlen. Den genauen UMTS-Plan wollen die Düsseldorfer erst auf der Cebit verraten. Multimedia-Anwendungen wie Video-Telefonie, Video-Nachrichten oder Video-Filmclips stehen aber ganz oben auf der Angebotsliste. Auch die Zahl der Inhalte-Anbieter von i-Mode - bislang etwa 200 - soll deutlich steigen.
Den ersten Durchbruch im Massenmarkt könnte das Weihnachtsgeschäft bringen. Der Berater Roman Friedrich rechnet, dass der Durchschnittsumsatz pro Kunde - die Währung in der Branche - allein in diesem Jahr bereits um rund fünf Prozent steigt. Das ist doch schon etwas.
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