Multimedia: Vorbild Japan - Tausendsassa Handy
VON WOLFGANG MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 08.03.2005 - 10:13Düsseldorf (RP). Die Cebit bietet den Mobilfunk-Entwicklern die perfekte Plattform, ihre Neuigkeiten aus den Entwicklungslaboren zu präsentieren. Wie ein bewegungsempfindliches Modell, mit dem der Besitzer Zahlen in die Luft malt und das dann die entsprechende Nummer wählt. Oder ein Handy mit Ozon-Sensor. Oder ein Mobiltelefon, das wie eine Universalfernbedienung für Fernsehgerät, Stereoanlage, Autotür oder das Garagentor funktioniert.
Für David McQueen vom Marktforschungsunternehmen "Informa telecoms & media" ist das aber Zukunftsmusik. Er empfiehlt den Blick nach Japan oder Korea. Dort, wo die dritte Mobilfunkgeneration bereits weit verbreitet ist, tragen Multimedia-Angebote schon erheblich zum Umsatz der Netzbetreiber bei: mit interaktiven Spielen und Videoclips als Klingelton, aber auch mit Nachrichten und Geschäftsanwendungen wie Handy-Shopping oder -Banking.
Für solche Angebote brauchen Mobiltelefone Webbrowser und spezielle Abspielsoftware. "Smartphones" nennt die Branche solche kleinen Tausendsassas. Bis Ende 2008 rechnen die Marktforscher von IDC mit weltweit 130 Millionen verkaufter Geräten. Jetzt sind sie noch recht teuer, aber "die Preise werden fallen", prognostiziert Mauri Metsäranta, Marketingdirektor für Softwareplattformen bei Nokia.
Flash-Handys
Jüngst verkündeten die Finnen, dass sie ab sofort das Multimedia-Abspielprogramm Flash Lite des US-Softwarehauses Macromedia in ihre Top-Handys integrieren. Dessen "großer Bruder" Flash ist weltweit auf über 98 Prozent aller Internet-Computer installier.
Mit Flash Lite, einer abgespeckten Version, will die Softwareschmiede diesen Erfolg im Mobilfunkbereich wiederholen. Neben Nokia und Samsung haben schon mehr als 100 Handyproduzenten, Netzbetreiber und Verlagshäuser Lizenzvereinbarungen abgeschlossen. Darunter auch die T-Mobile, die bereits vor einigen Monaten ihren Dienst News Express auf der Basis von Flash Lite gestartet hat.
Dieser Aboservice funktioniert ähnlich wie eine Tageszeitung und bietet Texte und Bilder, animierte Wetterkarten und Links ins Web. Zweimal am Tag werden die Nachrichten aus den Kategorien News, Lifestyle, Sport und Wetter automatisch aktualisiert und können dann auch ohne Funkverbindung gelesen werden. Bei wichtigen Ereignissen gibt es zudem eine Eilmeldung. "In Japan ist Flash Lite bereits der De-facto-Standard im Mobilfunk", so Adam Zawel von der Yankee Group.
Wachstumsrate von jährlich 30 Prozent
Ende 2004 - so eine Studie des Beratungsunternehmens - hatten 15 Millionen Japaner ein Flash-fähiges Mobiltelefon. Und mit einer Wachstumsrate von jährlich 30 Prozent lag der Markt für mobile Inhalte und Geschäfte im vorigen Jahr bereits bei 4,7 Milliarden Dollar. "Die Japaner sind uns hier ein bis zwei Jahre voraus."
Zumindest ein Publikumsrenner aus Fernost soll sich in Deutschland jedoch deutlich schneller durchsetzen: „Living Wallpapers“. Der Klingelton-Anbieter Jamba stellt diese bewegten Animationen fürs Handy, die sich je nach Situation verändern, auf der Cebit erstmals vor und bietet sie zum Herunterladen an.
"Seitdem mobile Dienste und Services in den Mittelpunkt des Kunden-Interesses rücken, geht der Trend eindeutig zu solchen kreativen und individuellen Handy-Anwendungen", sagt Jamba-Manager Jens Begemann.
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