Zukunftsforschung: Wie Computerspiele das Leben verändern
zuletzt aktualisiert: 29.12.2005 - 12:37Kelkheim (rpo). Computerspiele sind für viele Menschen längst zum festen Bestandteil des Alltags geworden. Nicht ohne Folgen: Wer viel am PC zockt, verändert sich, behauptet ein Zukunftsforscher. Dabei können die Spiele durchaus positive Auswirkungen haben - auch auf die gesamte Gesellschaft.
Computerspiele seien bereits heute ein neues Leitmedium geworden, sagte der Zukunftsforscher Matthias Horx der Nachrichtenagentur AP. Dabei gehe es aber nicht um die zu zweifelhaftem Ruhm gekommenen Ballerspiele, sondern um die Simulation komplexer Wirklichkeiten, "die uns in den zentralen Kulturtechniken der Zukunft unterweisen: vernetztes Denken, Kooperation und Evolutionsmentalität".
So hält der Wissenschaftler die Erfahrung, in Computerspielen symbolische Tode zu sterben, durchaus für wichtig: "In der virtuellen Welt steht Sterben für ein Scheitern der Strategie." Man könne einfach aufstehen und weitermachen. "Im realen Leben müssen wir lernen, mit Niederlagen und Scheitern aktiver umzugehen. Indem wir lernen, wieder aufzuerstehen, verändern wir uns", betonte Horx.
Virtuelle Welten können nach Ansicht des Zukunftsforschers zudem einen Beitrag zum "erfolgreichen Altern" leisten. Die Bevölkerung müsse künftig von dem industriellen Lebensentwurf abrücken, der vor allem von einem harten Abschied aus dem Berufsleben und viel Passivität im Ruhestand gekennzeichnet sei. Vielmehr müssten im Alter Weiterbildung, kulturelle Bildung und Reisen eine noch größere Rolle spielen.
Rezept für erfolgreiches Altern
Selektion, Optimierung und Kompensation im Alltag seien das Rezept für erfolgreiches Altern, das sozialpsychologisch durchaus steuerbar sei, sagte Horx. Zwei Faktoren seien maßgeblich: "Erstens das finanzielle Vorsorgeverhalten, zweitens das pro-aktive Gesundheitsverhalten. Beides kann man politisch verbessern", betonte er. Ein Beispiel sei Finnland, wo die Rate der Infarkte und Schlaganfälle dadurch stark gesenkt worden sei, dass man in den Betrieben Sportzeit von der Arbeitszeit abziehen könne.
Generell malt Horx die alternde Gesellschaft nicht in düsteren Farben: "Wenn man den Alterungsprozess einmal als Resultat von Wohlstand und Fortschritt begreift, statt als Vergreisung oder Rentenkatastrophe, dann wird deutlich, dass sich unsere Lebensphasen innerhalb einer verlängerten Biografie neu ordnen."
Man verschiebe künftig Teile der Jugend ins Alter und bekomme neue, aktive Lebensphasen hinzu. Der Prozess dieses "Downaging" gehe zudem einher mit einer steigenden Lebenserwartung: "Wenn wir also im Schnitt 95 werden wie es am Ende des Jahrhunderts der Fall sein wird werden wir noch mit 80 reisen und neue Interessen entwickeln. Und uns verlieben", prophezeite der Zukunftsforscher.
Keinen Platz in Horx' Prognosen haben Vorhersagen von einem "Krieg der Generationen". Der Forscher geht vielmehr von einem neuen Vertrag zwischen Jung und Alt aus, der sich vor allem in "Generationen-Netzwerken" äußern werde: "Alle Studien über Familien zeigen, dass es eine große Vielfalt von Interaktionen zwischen den Generationen gibt", sagte der Wissenschaftler. Der Familienzusammenhalt sei viel besser als gemeinhin angenommen. "Familien organisieren sich als Netzwerke neu und ergänzen sich mit Wahlverwandtschaften", erklärte Horx.
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