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Chrome OS
Wie Google Microsoft angreifen will

Was "Chrome"  alles kann
Was "Chrome" alles kann FOTO: Screenshot Google
Mountain View/Düsseldorf (RPO). Schlank, schnell, sicher und offen soll Chrome OS von Google sein – alles, was das Betriebssystem Windows von IT-Schwergewicht Microsoft oft nicht unterstellt wird. Der Großangriff des Suchmaschinenherstellers auf Microsoft nimmt immer deutliche Formen an. Nun hat der Suchmaschinen-Riese Entwickler rund um die Welt zur Mitarbeit an Chrome OS aufgefodert. Von Stephan Dörner

Der US-Internetriese Google gab am Donnerstag für externe Entwickler die Codes seines ersten Betriebssystems Chrome OS frei. Sie sollen neue Anwendungen dafür ausarbeiten. Das System soll 2010 zu Beginn der verkaufsstarken Weihnachtssaison auf den Markt gebracht werden.

Der weltgrößte Suchmaschinen-Anbieter betonte, das System sei schnell, sicher und einfach. Derzeit starte die Software auf einem PC innerhalb von sieben Sekunden. Man wolle noch schneller werden. Chrome OS speichert demnach alle Daten im Internet, einer sogenannten Cloud, oder auf externen Servern. Auch Textverarbeitung und E-Mail laufen demnach web-basiert.

Chrome OS wird den Angaben zufolge allerdings nicht auf jedem Computer laufen. Die Hardware müsse gewisse Voraussetzungen erfüllen, teilte Google mit. Als Beispiel nannte der Konzern bestimmte Speichermedien, die auf Flashspeicher setzen.

Google fordert Microsoft heraus

Mit Chrome OS fordert Google Microsoft heraus, dessen Betriebssystem Windows auf neun von zehn Computern weltweit läuft. Seit der Markteinführung Ende Oktober hat der Konzern von seiner neuen Version Windows 7 zweimal so viel verkauft wie von früheren Systemen in vergleichbarer Zeit, wie Microsoft mitteilte. Konkrete Verkaufszahlen nannte Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Jahreshauptversammlung des Konzerns in Los Angeles allerdings nicht.

Den Kern von Chrome OS soll der freie Linux-Kernel und Googles Open-Source-Browser Chrome bilden. Das Betriebssystem zielt zunächst auf die derzeit boomende Klasse der Netbooks, besonders kleine Laptops. Bei den immer günstigeren Netbooks wird die Windows-Lizenz in der Relation zum Gesamtpreis als Kostenfaktor immer wichtiger. Da ist es von Vorteil, dass Googles Chrome OS kostenlose Open-Source-Software ist.

Eine echte Gefahr für Microsoft

Microsoft selbst versuchte mehrmals erfolglos, in das Kerngeschäft des Suchmaschinenriesens Google einzudringen, zuletzt mit der Suchmaschine Bing. Google ließ Microsoft dagegen in seinem Kerngeschäft bisher weitgehend in Ruhe.

Windows besitzt nach wie vor einen Marktanteil von über 90 Prozent auf dem Betriebssystem-Markt.  Sollte Googles Konzept jedoch aufgehen, wäre das langfristig eine echte Gefahr für Microsofts Dominanz.

Bisher besitzt Windows vor allem deshalb ein Quasi-Monopol, weil es an verfügbaren Anwendungen für alternative Betriebssysteme mangelt. Der Wechsel auf ein anderes Betriebssystem scheitert am Henne-Ei-Problem: Ohne verfügbare Anwendungen will niemand wechseln – doch so lange niemand Alternativen nutzt, lohnt sich auch nicht der Aufwand, Anwendungen dafür zu programmieren. Deshalb konnte sich das Windows-Quasimonopol halten – trotz aller Flüche, die regelmäßig gen Redmond, dem Unternehmenssitz des Software-Riesens, ausgestoßen wurden.

Zwar stehen auch Anwendern des alternativen Betriebssystem Linux eine Vielzahl an Open-Source-Programmen wie der Browser Firefox oder das Büro-Paket OpenOffice zur Verfügung. Anbieter kommerzieller Programme scheuen jedoch meist die aufwändige Portierung auf Linux. Und nur die wichtigsten Programme wie Photoshop gibt es auch für Apples Mac OS X.

Office-Anwendungen gibt es schon

Google fordert die Programmierer von Anwendungen nun auf, Applikationen direkt für den Browser zu schreiben – und greift damit einen aktuellen Trend auf. Mit Google Docs bietet das kalifornische Unternehmen beispielsweise schon selbst seit längerem eine einfache Office-Anwendung an, die komplett im Browser läuft. Auch Adobe kündigte schon eine abgespeckte Variante seines bekannten Bildbearbeitungsprogramms Photoshop an. Der Vorteil: Derartige Programme laufen betriebssystemunabhängig. Voraussetzung ist lediglich ein moderner Browser, egal ob Mozilla Firefox, Microsofts Internet Explorer oder Googles Browser Chrome.

Mit Material von Reuters

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