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2,5 Millionen Neugierige testen
Windows Vista: Ganz nett, aber nicht viel Neues

Das neue System von Microsoft Vista im Detail
Das neue System von Microsoft Vista im Detail FOTO: Microsoft
Frankfurt/Main (rpo). Mit Spannung wird das neue Betriebssystem von Microsoft erwartet, dass auf den Namen Windows Vista hört. Rund 2,5 Millionen neugierige Anwender haben sich die erste Testversion aus dem Internet heruntergeladen. Fazit: Vista ist ganz nett, bietet aber nicht viel Neues.

Die Oberfläche mit ihrem transparentem Design ist richtig cool - aber abgesehen von ein paar netten Anwendungen gibt es nicht so viel Neues im Vergleich zu Windows XP.

Das Interesse an der "Beta 2" von Windows Vista übertraf offenbar selbst die Erwartungen von Microsoft. Zumindest waren die Server nach der Freigabe der Software teilweise überlastet. Ende Juni stellte Microsoft die Verteilung von Schlüsseln für die Installation des Systems ein. Jetzt hofft das Unternehmen, dass aus dem Kreis der Beta-Tester möglichst viele Rückmeldungen kommen, um die noch vorhandenen Fehler im Software-Code bis zur Einführung Anfang 2007 auszubügeln.

"Das kriegen wir sehr hautnah mit", sagt Microsoft-Sprecherin Irene Nadler zum Feedback der Tester. Bei den Firmenkunden steht die Frage im Vordergrund, wie sich vorhandene Anwendungen mit Windows Vista vertragen. Um das "Bug Reporting" im engeren Sinne, also um das Melden von Software-Fehlern, kümmern sich in erster Linie die Beta-Tester der ersten Stunde. Für den größten Teil der Teilnehmer am öffentlichen Test geht es darum, sich möglichst früh einen eigenen Eindruck von Windows Vista zu verschaffen.

"Vista denn, was auf euch zukommt?"

"Vista denn, was auf euch zukommt?", schreibt ein Blogger aus Nordrhein-Westfalen, der nach ersten Erfahrungen mit dem neuen Windows ein positives Fazit zieht: "Alles gut durchdacht, Bedienung ist recht logisch und durchgängig." Dennoch werde er zunächst mal bei Windows XP bleiben und mindestens das erste "Service Pack" für Windows Vista abwarten. Ein anderer Blogger schrieb zur neuen Oberfläche: "Alles ist schneller, übersichtlicher und besser zu erreichen." Die optischen Effekte machten einen seriösen Eindruck und wirkten nicht so bunt und verspielt wie bei XP.

Überwiegend positiv fielen auch die Rückmeldungen auf die Installation von Windows Vista aus. Diese erfolgt weitgehend automatisch, erst zum Schluss wird nach wenigen persönlichen Einstellungen gefragt. Windows Vista lässt sich ohne Mühe parallel zu einem vorhandenen Betriebssystem einrichten, falls die Festplatte groß genug dafür ist. Dabei wird ein eigener "Boot-Manager" eingerichtet: Nach dem Einschalten des Computers hat man die Wahl, welches Betriebssystem gestartet werden soll. Ein eventuell schon vorhandener "Boot-Manager" wird von Windows Vista kurzerhand entfernt, was vor allem von Linux-Nutzern kritisiert wird.

Übersicht in der Datenflut

Vista schafft mehr Übersicht in der Datenflut. Der gründlich überarbeitete Explorer, also der Datei-Manager von Windows, zeigt am unteren Rand eine Vielzahl von Informationen zu einer Datei an. Dazu gehört bei Dokumenten auch ein verkleinertes Abbild der ersten Seite, bei doc-Dateien die Anzahl der Wörter und Seiten. Außerdem werden hier Schlüsselwörter angezeigt, die zu jeder Datei frei vergeben werden können. Alle Dateien mit einem bestimmten Schlüsselwort können in einem "virtuellen Ordner" zusammengefasst werden, mit Verweisen zum tatsächlichen Speicherort.

Der besseren Übersicht dient auch ein gründlich aufgeräumtes Start-Menü. Mit der Beschränkung auf zwei Spalten ziehen die Entwickler die Konsequenz aus der Tatsache, dass die meisten Windows-Nutzer darauf verzichtet haben, die Einträge von neu installierten Programmen in Ordnern zusammenzufassen. Die Folge waren vier, fünf und mehr Spalten, die immer weiter nach rechts aufklappten. Jetzt gibt es direkt über dem runden Start-Button ein Suchfeld, in dem man den Namen des gewünschten Programms eintippt. Außerdem kann man hier auch nach Dateien und nach Informationen im Internet suchen.

Randleiste füraktuelle Informationen

Zu den interessantesten Vista-Neuheiten gehört die "Sidebar", eine Randleiste für die Darstellung von aktuellen Informationen. Das kann etwa eine Analoguhr sein, aber auch eine Liste mit den neuesten Nachrichten eines Internet-Portals im RSS-Format. Dieses kleine Werkzeug ("Gadget") hält in der Beta 2 aber nur Microsoft-Angebote bereit. In der früheren Testversion konnte man noch beliebige Internet-Adressen von "RSS-Feeds" eintragen. Jetzt heißt es an dieser Stelle nur umständlich: "Wählen Sie eine Nachrichtenquelle vom Microsoft-RSS-Nachrichtenquellenspeicher aus."

Unter der Motorhaube des Betriebssystems gibt es bei Vista zahlreiche unsichtbare Änderungen im Interesse der Stabilität und Sicherheit. Durchaus sichtbar sind aber Einschränkungen der Benutzerkonten. Damit sollen Eingriffe in das Innerste des Systems auf Personen beschränkt werden, die sich mit Administratorrechten angemeldet haben. Diese Änderungen stießen ebenso auf Kritik wie wiederholte Sicherheitsmeldungen mit dem Hinweis "Zur Fortsetzung des Programms ist Ihre Zustimmung erforderlich". Anstatt an dieser Stelle den gewollten Denkprozess zu erzwingen, werden wohl viele Anwender genervt auf "Fortsetzen" klicken. Möglich, dass hier bis zur Endversion noch nachgebessert wird.

Genügend Arbeitsspeicher

Sinnvoll ist die Vista-Perspektive nur für Computer mit genügend Arbeitsspeicher, einem leistungsfähigen Prozessor und einer flotten Grafikkarte mit Unterstützung für die Multimedia-Technik DirectX 9. Nach der Installation der Beta 2 schrieb ein Blogger: "Ganz nett, aber was soll ich mit einem Betriebssystem, das auf einem aktuellen Notebook mit 512 MB RAM fast 75 Prozent der Ressourcen frisst, ohne dass ein einziges externes Programm offen ist?"

Die nächste Testversion von Windows Vista mit der Bezeichnung "Release Candidate 1" (RC1) soll bis Ende September herauskommen. Nach dem Ansturm auf die Download-Server können die Tester dann etwas gelassener bleiben: Wer sich bei der Beta 2 für einen Registrierungsschlüssel angemeldet hat, soll die DVD mit dem RC1 nach Angaben von Microsoft mit der Post zugeschickt bekommen.

(ap)
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