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Verkauf noch vor Weihnachten?
Amazon plant angeblich 50-Dollar-Tablet

Fotos: Kindle Voyage und Kindle Fire HDX vorgestellt
Fotos: Kindle Voyage und Kindle Fire HDX vorgestellt FOTO: ap
Düsseldorf. Um noch mehr Kunden zu gewinnen, plant der Online-Händler offenbar, noch vor Weihnachten ein neues Billig-Tablet auf den Markt zu bringen. Ob der Plan aufgeht, ist ungewiss - der Markt für Tablets ist immer schwieriger geworden. Von Florian Rinke

Eigentlich sind Buchläden ja eine ganz gute Sache - man kann stöbern, um Rat fragen, einkaufen. Allerdings ist es ja doch relativ mühsam, dorthin zu fahren. Und die Auswahl ist auch beschränkt. Als Jeff Bezos 1994 den Online-Buchhändler Amazon gründete, wusste er um die Vor- und Nachteile des Marktes, den er in den nächsten Jahren zerstören wollte. Und er wusste auch wie: Alle Produkte mussten zu jeder Zeit bestellbar sein und kostenlos nach Hause geliefert werden.

Dieses Prinzip verfolgt Amazon bis heute, nur dass sich inzwischen die Produkte geändert haben. Bücher gibt es heute in elektronischer Form, genauso wie Musik, Filme und Serien. Wenn Amazon Geschäfte machen will, so die Überlegung, muss es also weiterhin dafür sorgen, dass potenzielle Kunden die Produkte mit möglichst geringem Aufwand erwerben und konsumieren können. Also brachte das US-Unternehmen den E-Book-Reader Kindle heraus, den Fernseh-Stick Fire TV – und das Tablet Kindle Fire. Damit sollen die Kunden noch leichter E-Books lesen, Videos streamen und natürlich Produkte bestellen können.

Hintergrund: Die wichtigsten Amazon-Produkte FOTO: Radowski

Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind extrem günstig. Doch Amazon ist offensichtlich überzeugt, dass das noch nicht reicht. Medienberichten zufolge plant das Unternehmen, noch vor Weihnachten ein Tablet auf den Markt zu bringen, das für 50 Dollar erhältlich sein soll. Das berichtet das "Wall Street Journal". In Deutschland würde das Gerät vermutlich 50 Euro kosten und damit halb so viel wie das aktuelle Sechs-Zoll-Tablet Kindle Fire HD.

Bei der Ausstattung müssen die Kunden voraussichtlich Abstriche machen. Das "Wall Street Journal" berichtet, dass das neue Sechs-Zoll-Tablet nur einen Mono- statt Stereo-Lautsprecher haben soll. Auch dürfte an anderer Stelle gespart werden (müssen), zum Beispiel indem man langsamere Prozessoren, weniger Speicherplatz oder schlechtere Displays verbaut.

Amazon will sich dazu nicht äußern. "Wir kommentieren grundsätzlich keine Marktgerüchte", sagte ein Sprecher. Auch Verkaufszahlen des aktuellen Tablets will das Unternehmen nicht nennen. Stattdessen verweist es lieber auf den erst im März veröffentlichten Fire TV Stick, der inzwischen zum meistverkauften Produkt auf der Online-Seite von Amazon avanciert sei. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: So toll können die Zahlen der Tablets wohl nicht sein, wenn Amazon sie lieber unter Verschluss hält.

Fotos: Die IFA-Trends 2015 im Überblick FOTO: dpa, av

Trotz seiner Billig-Geräte tut sich Amazon gegen Konkurrenten wie Samsung oder Apple schwer. Auch der Versuch, mit dem Fire Phone ein eigenes preiswertes Smartphone auf den Markt zu bringen, misslang. Stattdessen kaufen die Leute lieber die neuen Geräte von Apple, Samsung und Co. - obwohl diese oft mehrere hundert Euro teurer sind.

Doch die Geräte haben ein anderes Image. Zwar verkauft auch Apple digitale Inhalte über seine Plattformen iPhone, iPad und Apple TV. Das Unternehmen gilt jedoch in erster Linie als Konzern, der exzellente Technik herstellt. Damit macht Apple auch sein Hauptgeschäft. Bei Amazon ist es andersrum. Das Amazon-Tablet ist eher ein Trojanisches Pferd, um die Produkte über die eigene Plattform an die Kunden zu bringen.

Ein weiteres Problem dürfte sein, dass der Tablet-Markt hart umkämpft ist. Während Apple seinen iPhone-Absatz kontinuierlich steigern konnte, sinken die Absatzzahlen beim iPad. Der Grund: Smartphones mit großem Bildschirm, so genannte Phablets, machen das Gerät überflüssig. Und wer einmal eins hat, tauscht es in der Regel seltener aus als das Smartphone. Apple setzt daher künftig auf eine andere Zielgruppe: Das neue iPad Pro, das angeblich heute Abend vorgestellt werden soll, richtet sich mit seinem großen Monitor eher an Geschäftskunden. Und die sind zahlungskräftig, weshalb das Gerät angeblich über 1000 Euro kosten soll – also mindestens 20 Mal so viel wie ein mögliches Amazon Tablet.

Weitere Informationen zu Amazon in unserem Dossier.

Quelle: RP
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