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Verschlüsselte Botschaften verschickt
Die Enigma wird wieder zum Leben erweckt

Die Enigma wird wieder zum Leben erweckt
Die Enigma 1 wurde von der Wehrmacht eingesetzt. FOTO: dpa, Bonhams
Düsseldorf. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werden mit der deutschen Verschlüsselungsmaschine "Enigma" wieder codierte Nachrichten gesendet - von Paderborn nach London. Dort versuchen Codeknacker, die Nachrichten zu entschlüsseln.

Mit Hilfe der Enigma verschickte das deutsche Militär im Zweiten Weltkrieg verschlüsselte Nachrichten. Die Maschine wurde unter anderem auch von der Polizei, den Geheimdiensten, der SS, der Reichspost oder der Reichsbahn genutzt.

Das Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn erweckt die Enigma nun wieder zum Leben. Mehrere codierte Nachrichten werden per Morseleitung nach England verschickt. In Bletchley Park, der ehemaligen britischen Dechiffrierzentrale, sollen die Funksprüche mit dem Nachbau einer sogenannten "Bombe" entschlüsselt werden.

Die "Bombe" hatte ein Team um den englischen Mathematiker Alan Turing im Zweiten Weltkrieg entwickelt. Damit war es den Briten nach Jahren gelungen, die deutschen Funksprüche zu decodieren. Seit 1941 konnten sie so unbemerkt mithören.

Der britische Mathematiker Alan Turing. FOTO: afp, SHERBORNE SCHOOL

Turings Technik hilft den Alliierten maßgeblich, die Position deutscher U-Boote zu orten und die Attacken der Deutschen auf den Nachschub vorherzusehen. "Die Atlantikschlacht wurde natürlich nicht nur deswegen gewonnen, aber die Entschlüsselung war ein ausschlaggebendes Element", sagt Historiker François-Emmanuel Brézet.

Das Meisterstück der Techniker: Sie halfen mit beim sogenannten D-Day, der Invasion in der Normandie. Durch Vorspiegelung einer geplanten Invasion weiter östlich nahe Calais schwächten die Alliierten Hitlers Truppen.

Die jetzt vom Heinz-Nixdorf-Forum verschickten Nachrichten sollten nicht nur von den Experten in Bletchley Park geknackt werden. Amateurfunker in Deutschland und ganz Europa waren aufgerufen, sich an dieser "Cipher Event" genannten Aktion zu beteiligen. Die spannende Frage: Wem gelingt es als erstem, den Code zu knacken?

Wie arbeitete die Enigma und wie gelang es, den Code zu knacken?

  • Die "Enigma" hatte eine Tastatur mit 26 Buchstaben-Tasten sowie 26 Leuchtfelder mit den Buchstaben, die den verschlüsselten Text bildeten.
  • Auf dem Weg von Tastatur zum Lämpchen durchlief der Strom einer Batterie drei rotierende Walzen mit verwirrend verdrahteten elektrischen Kontakten und wurde dann von einer Umkehrwalze noch einmal durch sie zurückgeleitet.
  • Um es noch komplexer zu machen, wurden zudem noch mit Hilfe von Stecker-Kabeln zehn Buchstaben-Paare gegenseitig vertauscht.
  • Die Reihenfolge der Walzen und die Buchstaben-Paare änderten sich täglich.

Es dauerte Jahre, bis "Enigma" geknackt wurde. Die Grundlage legte ein polnischer Mathematiker, der die interne Verdrahtung der Walzen durchschaute.

Das System hatte jedoch auch Schwächen, die sich die britischen Codeknacker in Bletchley Park zunutze machten. So sorgte die Umkehrwalze dafür, dass kein Buchstabe mit sich selbst verschlüsselt wurde.

Das war ein wertvoller Hinweis: Denn die Kriegs-Funksprüche enthielten sich ständig wiederholende Worte wie etwa "Wettervorhersage". Man konnte relativ einfach die Stellen im Text finden, an denen sie sich überhaupt befinden konnten.

Dadurch war es mit Wissen um die innere Verdrahtung der Walzen möglich, deren tagesaktuelle Position zu ermitteln. Den Austausch der Buchstaben räumten die Briten dadurch aus, dass sie eine Vielzahl möglicher Kombinationen in nachgebauten "Enigma"-Mechanismen durchlaufen ließen.

Je mehr Maschinen liefen, desto schneller konnte man zu einem Ergebnis kommen. So wurde zum Beispiel am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie die tagesaktuelle "Enigma"-Konfiguration bereits um 2 Uhr morgens ermittelt, dank des Begriffs "Wettervorhersagebiskaya".

(csr/mit Agenturmaterial)
 
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