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RP Plus: Die Erde im Würgegriff der Aliens

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 24.11.2011 - 11:10

Am Montag, 20.15 Uhr, startet auf Pro7 die postapokalyptische Serie „Falling Skies“, die von Steven Spielberg mitproduziert wird: Außerirdische erobern die Erde – und die Menschheit steht mit dem Rücken zur Wand.

Szene aus der neuen Serie "Falling Skies". Foto: TNT
Szene aus der neuen Serie "Falling Skies". Foto: TNT

Ein Menschheitstraum wird wahr: Wir haben Kontakt zu Außerirdischen. Die haben indes kein Interesse daran, unsere Freunde zu sein oder tiefschürfende Gespräche über die Geheimnisse des Universums zu führen: Nach dem ersten Kontakt werden 90 Prozent der Menschheit getötet, die Armeen der Welt binnen Tagen vernichtend geschlagen, die Infrastruktur weitgehend zerstört. Die Erde gehört nicht mehr uns, sondern jetzt ihnen. Damit indes hält sich die Serie gar nicht lange auf. Sie zeigt die Invasion nicht einmal wirklich. Vielmehr lässt sie Kinder die Ereignisse mit selbstgemalten Bildern erzählen und setzt sechs Monate danach ein.

Die wenigen Überlebenden sind Flüchtlinge, die sich vor den Aliens verstecken müssen – während sie gleichzeitig versuchen, einen Widerstand zu organisieren. Willkommen in der Welt von „Falling Skies“ – einer Serie, die wie mittlerweile oft im US-TV das Ende in den Vereinigten Staaten, den Zusammenbruch der Gesellschaft und das Ende der Zivilisation thematisiert. Und das auf einem erstaunlich hohen Niveau.

Traumatisierte Überlebende der Alien-Invasion

Schon in der ersten Folge wird klar, dass ein Riss zwischen den Flüchtlingen verläuft: auf der einen Seite die Widerstandskämpfer, die Zivilisten beschützen und gleichzeitig mit überschaubarem Erfolg gegen die Aliens kämpfen. Auf der anderen Seite die Alten, die Kinder, die Familien, die Schutzbedürftigen. Die Kämpfer nehmen für sich einfach Privilegien in Anspruch: eine bessere Versorgung beispielsweise oder etwas so Triviales wie die besseren Betten, die zum Luxusgut werden. Soldaten müssten ausgeruht sein, um die Zivilisten verteidigen zu können, sagt der arrogante, gnadenlos wirkende militärische Anführer Captain Dan Weaver (Will Patton) dazu nur. Später wird klar, dass sein Auftreten nur Fassade ist und er wie alle Überlebenden durch den Verlust seiner Familie traumatisiert, sogar hochgradig suizidgefährdet ist.

Immer wieder kommt es zum Streit zwischen Weaver und seinem Stellvertreter Tom Mason (Noah Wyle, Dr. John Carter aus Emergency Room), der Militärhistoriker und kein Soldat, dafür die Hauptfigur der Serie ist. Weaver akzeptiert Mason nur, weil die letzten Reste der militärischen Hierarchie dieses Führungstandem in der Massachusetts-Widerstandszelle so etabliert haben. Mögen oder sogar respektieren tut er ihn nicht. Der schwelende Konflikt zwischen den beiden wird im Lauf der Serie offen ausbrechen. Mason findet nach dem Tod seiner Frau Halt in seinen Kindern, von denen eins verschollen ist. Spielberg-typisch möchte er seine Familie wieder zusammenführen. Weaver dagegen ist wie viele der Überlebenden ein Verlorener, dem alles genommen wurde, an das er sich klammern könnte. Es sind diese menschlichen Untiefen, die aus der Serie etwas Besonderes machen. Denn neben den mysteriösen Aliens, deren Motive rätselhaft bleiben, konzentriert sich „Falling Skies“ vor allem auf die Menschen. Unter der ständigen Existenzangst und in der nicht enden wollenden Extremsituation sind sie alle Verwundete. Wenn nicht physisch, dann psychisch.

Bittere Ironie und dunkle Bilder

Da gibt es den zynischen, anarchistischen „Kriegsgewinnler“ John Pope (Colin Cunningham), der so viel wie möglich für sich selbst aus der Situation herausschlagen will. Denn wenn die Welt schon zur Hölle geht, möchte er das Ende wenigstens genießen. Verzweifelte werden für ein paar Medikamente zu Dieben und Räubern. Und Kinder und Jugendliche müssen über Nacht erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Einige von ihnen werden im Guerillakrieg auch zu Soldaten. „Vor Monaten wolltest du mir verbieten, Motorrad zu fahren, weil ich kein Licht hatte, und jetzt steckst du mir Extra-Munition zu“, sagt beispielsweise Masons Teenager-Sohn Hal zu seinem Vater vor einem gefährlichen Einsatz.

Auf der anderen Seite versuchen die Überlebenden, mühsam eine Ordnung aufrechtzuerhalten. Mit passenden Bildern: In „Falling Skies“ wirken Städte verlassen und die Infrastruktur zerstört. In den Camps der Flüchtlinge dagegen ist vieles improvisiert und genauso schmutzig wie die Überlebenden selbst. Selten sieht man Aufnahmen mit intensiven Farben. Stattdessen hat man sich für ausgewaschene, oftmals dunkle Bilder entschieden, die den Eindruck einer überstrapazierten Welt noch verstärken. Und immer steht die Frage im Raum, wofür man eigentlich noch kämpft und lebt.

Im Lauf der Serie deutet sich dabei zumindest eins der Ziele der Außerirdischen an: die Kinder und Jugendlichen. Dafür arbeiten sie auch mit menschlichen Kollaborateuren, die glauben, so ihr Überleben sichern zu können. Den menschlichen Nachwuchs machen die Aliens dabei über eine Art biologisches Gerät, das entlang der Wirbelsäule angebracht ist, mehr als nur gefügig: Tatsächlich sind sie so telepathisch mit den Außerirdischen verbunden. Das erweckt stellenweise sogar den Eindruck von familiärer Fürsorglichkeit. Andererseits haben die Aliens keine Hemmungen, Kinder zu exekutieren – um nach einem der glücklichen Erfolge des Widerstandes ein Exempel zu statuieren. Das klingt brutal und ist es auch, aber die Aliens agieren so glaubwürdiger als in vielen teureren Hollywood-Produktionen.

Die Serie fesselt ab der ersten Folge

Mit der Zeit wird auch deutlich, dass die sechsbeinigen, ein wenig an Spinnen erinnernden Außerirdischen, Skitters genannt, offenbar nicht ganz oben in der Alien-Hierarchie stehen. Vielmehr verstecken sich unter ihrer Haut die gleichen Gerätschaften, die sie auch dem menschlichen Nachwuchs implantieren. Und die Kinder und Jugendlichen verändern sich dadurch mit der Zeit auch körperlich. Eine Art von Alien-Fortpflanzung? Später tauchen dann noch groß gewachsene, zweibeinige Außerirdische auf, die die eigentlichen Kommandeure zu sein scheinen. Allerdings bleibt rätselhaft, was genau sie nun auf der Erde wollen.

„Falling Skies“ hebt sich ab vom klassischen Thema der Alien-Invasion. Nicht nur weil das Szenario durchdachter und überzeugender wirkt als in vielen Filmen. Auf Hurra-Patriotismus wird verzichtet. Als der Militärhistoriker Mason seine Mitstreiter motivieren möchte, indem er den Kampf gegen die Aliens mit dem US-Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten vergleicht, winken alle gelangweilt ab. Dafür zeigt man physisch und psychisch ausgelaugte Menschen.

Gerade dadurch aber fesselt „Falling Skies“ schon ab der ersten Folge. Die im Computer generierten Effekte dagegen können nicht immer überzeugen und bewegen sich nicht wirklich auf dem Niveau von Blockbustern. Dennoch ist „Falling Skies“ ein weiteres Beispiel dafür, dass das US-Fernsehen Hollywood mit frischen Ideen zunehmend abhängt.

Quelle: seeg/csr

 
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