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RP Plus: „Erst mit Maske geht das Gekreische los“

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 04.07.2012 - 15:01

Was im vergangenen Jahr Casper war, ist in diesem Jahr Cro. Auch der Stuttgarter Rapper erreicht ein Publikum, das über die Hip-Hop-Szene hinausgeht, wie er mit seinem Hit „Easy“ bewiesen hat. Am 6. Juli erscheint sein Debütalbum „Raop“. Wir haben mit ihm über Bankberater und Ausschlafen gesprochen.

Rapper Cro tritt ausschließlich mit seiner Panda-Maske auf. Seine Single "Easy" schaffte es auf Platz 2 der deutschen Charts.  Foto: Foto: Delia Baum
Rapper Cro tritt ausschließlich mit seiner Panda-Maske auf. Seine Single "Easy" schaffte es auf Platz 2 der deutschen Charts. Foto: Foto: Delia Baum

Wenn dein Album erscheint, wirst du so viel Geld haben wie noch nie in deinem Leben. Hast du schon einen Termin mit deinem Bankberater gemacht?

Cro Nein. Bei meinem Label Chimperator arbeitet der Nico, der ist ein Zahlengenie. Der gibt mir auch gar kein Geld raus. Wenn ich ihm sage „Nico, ich brauch hundert Euro“, dann sagt er „Nein, nein, nein“.

Musst du dich trotzdem mehr mit Geld auseinandersetzen als früher?

Nö. Ich finde das Geld nicht so wichtig. Ich merke das auch gar nicht. Das läuft einfach so im Hintergrund aufs Konto und dümpelt da vor sich her. Momentan brauche ich ja auch gar kein Geld. Ich bekomme jede Fahrt bezahlt, den Eintritt in den Club, weil ich dort ja auftrete, Getränke, Essen. Und wenn ich nach Hause komme, gibt es auch Essen. Geld ist gerade echt nicht interessant in meinem Leben.

Dein Leben ändert sich momentan rasant. Woran merkst du das am meisten?

Alle, die mich schon von früher kannten, gehen plötzlich ganz anders mit mir um. Sie beobachten mich, während ich meinen Kaffee trinke und solche Dinge. Einige Kumpels sind plötzlich krass nervös. Dann sage ich immer: Entspann dich. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Ich bin immer noch Carlo.

Leute, die berühmt geworden sind, behaupten gerne, der Erfolg hat sie nicht verändert. Du hast kürzlich bei „Rock am Ring“ gespielt, und die Leute konnten alle deinen Hit „Easy“ mitsingen. Solche Dinge lassen einen doch nicht kalt.

Vor einem halben Jahr war ich noch ein Kindskopf und musste ganz ganz schnell reifen, damit ich nicht untergehe in dem Trubel. Zum Glück habe ich ja die Maske. Carlo erlebt ja das Star-Ding nicht, ohne Maske erkennt ihn ja keiner. Erst wenn ich die Maske aufsetze, geht das Gekreische los.

Trotzdem – dein Video „Easy“ hat fast 20 Millionen Klicks bei Youtube. Das macht doch was mit dir.

Es ist auf jeden Fall cool. Ich merke, es funktioniert, und habe dann auch mehr Spaß. Jetzt habe ich noch mehr Energie und will noch mehr machen.

Wo wird die Goldene Schallplatte für „Easy“ hängen?

Die hänge ich mir schön in mein Zimmer. Neben die Poster mit den nackten Frauen.

Auf dem Album gibt es einige Songs, auf denen du dich mit den Folgen des Ruhms auseinandersetzt. Ist das eine Warnung an dich selbst?

Ich werde keine Starallüren entwickeln. Kodimey von meinem Label hat mich von vornerein so erzogen: „Sei nett zu jedem Licht- und Tontechniker, verabschiede und bedanke dich. Denn die mischen deine Show. Sei nett zur Catering-Dame.“ Und deshalb bin ich auch freundlich zu jedem.

So etwas kann sich schleichend verändern.

Das passiert mir auf keinen Fall. Ich habe alles erreicht, was ich erreichen will. Wenn, dann hätte ich mich schon längst verändert. Dann würde ich jetzt schon rumlaufen und sagen „Hey, ich bin der Typ von 'Easy'“. Aber das verrate ich ja nicht. Ich genieße den Erfolg wie ein Superheld, von dem niemand weiß, dass er einer ist.

Das Album dreht sich insgesamt sehr um dich.

Ich habe mir beim Albumschreiben keine großen Gedanken gemacht. Ich hatte diese zwei Monate und wusste: Let's go. Mach einfach. So sind ganz schnell Tracks entstanden. Ohne roten Faden. Klar, es geht viel um mich. Das liegt daran, dass ich darüber schreibe, was mich gerade beschäftigt.

Du hast in einem Interview gesagt, du willst nicht, dass ein halbes Jahr alles mit dir überflutet wird, und danach kann dich niemand mehr sehen. Dürfte schwer werden, das zu verhindern.

Es ist tatsächlich schwer, das zu bremsen. Das geht nicht. Wir versuchen, uns bei Facebook etwas zurückzuhalten. Nicht jedes Interview zu machen. Nicht jedes Konzert mitzunehmen.

Schon einen Gedanken daran verschwendet, dass du in einem Jahr wieder dort stehen könntest, wo du vor einem Jahr standest?

Ich mache mir nie einen Kopf, was passieren kann. Es geht nie geradeaus. Es geht immer links oder rechts. Es hat ja auch niemand damit gerechnet, dass ich durch die Decke gehe. Ich gucke mal, wie es läuft. Vielleicht habe ich in einem Jahr auch keinen Bock mehr und mache was ganz anderes.

Was würdest du denn heute machen, wenn das alles nicht passiert wäre?

Dann würde ich wohl studieren. Ich hab mich im Herbst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe für Produktdesign beworben. Ich war kurz davor, meine Bewerbung abzuschicken. Und dann kam der Erfolg mit Cro.

Der Erfolg bringt Neider. Im Hip Hop scheint das besonders ausgeprägt, man nennt diese Leute „Hater“. Da ruft die Szene schnell „Ausverkauf“. Warum muss das so sein?

Ich lag heute morgen im Bett und habe mir Kommentare durchgelesen, weil ich auf dem Cover des Juice-Magazins war, was ich sonst nie mache. Das Hip-Hop-Publikum fand das nicht so cool. Von 100 Kommentaren waren 80 negativ. „Mainstream-Opfer... kein Hip Hop.“ Tokio Hotel haben ja ultraviele Fans, verkaufen richtig viele Alben auf der ganzen Welt, aber trotzdem, egal wo man hinkommt, sagen die Leute „Urg, Tokio Hotel“. Die haben sicher mehr Hater als Fans. Irgendwann habe ich auch mehr Hater als Fans.

Es geht ja im Hip Hop viel um Credibility, um Glaubwürdigkeit. Was dich glaubwürdig macht – du hattest eine für deutsche Rapper typische, da behütete Kindheit. Ist eine langweilige Kindheit genauso inspirierend wie eine schlechte?

Eine schöne Kindheit finde ich auf jeden Fall besser als eine Kindheit im Ghetto. Das schließt ja nicht aus, dass man Musik machen kann. Ich singe einfach über andere Dinge. Wäre ja merkwürdig, wenn ich über Blocks und Drogendeals spräche, das wäre nicht meine Welt. Deshalb rappe ich lieber darüber, wie ich am Sportplatz abhänge.

Wenn ein junger Musiker mehr als 20 Platten verkauft, heißt es direkt, er steht für eine ganze Generation. Bei dir ist das auch der Fall. Nervt das schon?

Ich mache einfach alles für mich. Wenn sich jemand was daraus zieht, dann schön. Aber ich sehe das nicht so, dass ich für eine Generation spreche.

Aber du singst ja über Dinge, die auch andere 20-Jährige beschäftigen.

Klar, es geht um Geld haben, eine schöne Zeit haben, keinen Bock auf arbeiten und Schule, Mädchen. Das ist ein schönes Album, um seine Jugend zu verschwenden. Vielleicht werden die Jugendlichen von heute diese Platte später mal mit dem Sommer ihres Lebens verbinden.

Dein Erfolg verlängert gerade deine eigene Jugend, oder?

Auf jeden Fall. Die nächsten drei bis vier Jahre kann ich ausschlafen. Ich denke, hier bleibe ich erstmal. Hier ist es cool.

Quelle: seeg
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