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RP Plus: Galaxy Nexus: Samsungs großer Wurf

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 02.11.2011 - 17:57

Düsseldorf (RPO). Anscheinend hat die IT-Welt auf das falsche Smartphone gewartet. Denn nicht das neue iPhone erfüllt die Erwartungen der Community, sondern Samsungs Galaxy Nexus mit dem neuen Betriebssystem Android 4.0.

Sanft abgerundet schmiegt sich Samsung Smartphone angenehm in die Hand. So kennt man die Nexus-Reihe aus Korea, die gleichzeitig auch Flagschiff für Googles Android-System ist. Mit etwas weniger als neun Millimetern ist das neue Galaxy Nexus ausgesprochen dünn ausgefallen. Dünner noch als das aktuelle iPhone (9,3 Millimeter).

Dafür ist das neue Nexus mit 13,6 Zentimeter Höhe und 6,8 Zentimeter Breite etwas höher und breiter (iPhone: 11,5 mal 5,9 cm). Doch während Apple Anfang Oktober nur eine aufgewertete 4er Reihe, das 4S, präsentierte, zeigt Samsung nun, was tatsächlich mobil möglich ist. Denn das Nexus Galaxy ist nicht nur ausgesprochen dünn. Mit 135 Gramm ist es marginal leichter als ein aktuelles iPhone (140 Gramm), hat aber dafür mit einem 4,65 Zoll großen Display einen gigantischen Touchscreen, der sich zudem mit 1280 mal 720 Pixeln auf HD-Ready-Niveau bewegt. Da kommt das iPhone mit 3,5 Zoll und 960 mal 640 Punkten nicht heran. Zumal es an der Brillanz und Farbwiedergabe von Samsungs Amoled-Displays bislang nichts auszusetzen gab. Kritiker bemängeln zwar, dass nicht die aktuellste Entwicklungsstufe des Amoled-Displays verwendet worden sei – aber entscheidend ist der optische Eindruck. Und der ist genauso exzellent wie Apples Retina – aufgrund des größeren Bildschirms sehen Videos und Spiele sogar noch besser aus.

Mächtiger Prozessor

Unter dem Gehäuse, das sich indes nicht ganz so wertig und exzellent anfühlt wie beim iPhone, arbeitet ein Doppelkern-Prozessor mit 1,2 Gigahertz. Da liegt man mit Apple gleich auf. Mit einer Fünf-Megapixel-Kamera mit LED-Fotolicht und Videos in HD-Qualität (1080p bei 30 Bildern pro Sekunde) bleibt man indes etwas hinter Apple zurück. Dazu gibt es eine 1,3-Megapixel-Frontkamera für Videotelefonate sowie Bluetooth 3.0. Anders als bei iPhone gibt es auch USB 2.0 –und NFC. Hinter den drei Buchstaben steht Near-Field-Communication: Das ist nicht anderes als ein schwaches Funk-Signal, mit dem man über kurze Entfernungen Daten austauschen kann. Darüber lassen sich beispielsweise die Adressbücher zweier Handys abgleichen. Noch wichtiger ist aber, dass damit das Handy zur Geldbörse werden kann. Statt mit Bargeld oder EC-Karte zu bezahlen, hält man sein Handy einfach an ein Lesegerät an der Kasse. Das ist nicht so weit weg von der Wirklichkeit. Schließlich verfügt Google mit Wallet bereits über ein entsprechendes Bezahlsystem. Eine ähnliche Funktion hätte man auch vom neuen iPhone erwartet, wurde aber enttäuscht.

Das Quadband-Handy unterstützt HSPA+ und Wlan-n-Standard. Das ist keine Überraschung. In manchen Ländern aber soll das Nexus auch den neuen Highspeed-Mobilfunkstandard LTE unterstützen – was gegenüber dem iPhone ein Vorsprung ist. Denn Apple behält sich das für die nächste Version vor. Dazu kommt das neue Android 4.0, Codename Ice Cream Sandwich. Den verdankt die neue Version der Tatsache, dass sie sich wie das iOS sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets einsetzen lässt – wie ein Sandwich eben. Eine Unterscheidung findet nicht mehr statt. In der neuen Version wurde die Benutzeroberfläche überarbeitet, damit man schneller auf häufig genutzte Anwendungen zugreifen und vor allem das System weitaus stärker an eigene Bedürfnisse und Vorlieben anpassen kann. So lassen sich nun Widgets auf dem Homescreen vergrößern oder verkleinern, Ordner anlegen und die Anordnung ihrer Inhalte verändern. Nicht benötigte Apps können so auch versteckt werden. Eine kontextbezogene Action-Toolbar bietet dabei je nach Anwendung passende Optionen für den Schnellzugriff.

Bis zu 16 Tabs

Die Bedienung setzt jetzt noch mehr auf Gesten. Durch seitliches Wischen wechselt man in weitere Menüs oder löscht Inhalte. Neu ist auch eine grafische Darstellung des Datenvolumens aufgeschlüsselt nach Anwendungen. Darüber lassen sich Netzsperren definieren, um so auch jeden Datenverkehr zu unterbinden – außer der Browser wird explizit gestartet. Und der öffnet nun bis zu 16 Tabs. Webseiten können dabei offline gespeichert werden, um sie später anzusehen – was beispielsweise günstig für Online-Boarding-Tickets ist. Lesezeichen lassen sich zudem mit dem Chrome-Browser im heimischen PC synchronisieren.

Die Tastatur wurde neu gestaltet und bietet eine In-Line-Rechtschreibprüfung. Mit der neuen Copy-and-Paste-Funktion lassen sich jetzt mit verschiebbaren Balken Textpassagen auswählen. Textnachrichten muss man aber nicht mehr tippen. Mit Talk-to-Type lassen sie sich als Textnachricht schnell und fehlerfrei diktieren, der Text wird während des Sprechens angezeigt.

Ein witziges Sicherheits-Feature ist die Gesichtserkennung des Nutzers, um das Telefon zu entsperren. Überhaupt wurde die Kamera-Software überarbeitet. Sie löst nun schneller aus als bislang, aber immer noch langsamer als ein iPhone. Dafür gibt es nun einen Assistenten für Panorama-Aufnahmen. Fotos werden automatisch in die Cloud übertragen. Tippt man auf ein Bild, werden die verschiedenen Sharing-Optionen angezeigt. Für Google+ gibt es einen Instant-Upload. Schon auf dem Handy lassen sich rote Augen korrigieren, Ausschnitte wählen oder verschiedene Filter anwenden.

Man kann es nicht anders sagen: Das Samsung Galaxy Nexus mit Android 4.0 ist ein ausgereiftes Smartphone, das dem iPhone mehr als nur Konkurrenz macht. Denn in einigen Punkten ist es Apples Handy sogar überlegen. In Cupertino muss man sich daran gewöhnen, dass man nicht mehr so selbstverständlich wie früher der Konkurrenz einfach davonziehen kann. Der Preis für die 16-Gigabyte-Variante des Galaxy Nexus ohne SIM-Karte liegt bei etwa 560 Euro.


 
 
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