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panorama MADONNA KONzERT rumänien AP
  Foto: AP, AP
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RP Plus : Madonna – eine Ikone verrät sich

VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 16.02.2012 - 11:32

Düsseldorf (RPO). Der Ruhm der erfolgreichsten Sängerin der Welt beruht nicht auf ihrem musikalischen Talent. Ihr Ruhm beruht darauf, ihren Kopf durchzusetzen und auf Konventionen zu pfeifen. Doch heute biedert sich die alternde Madonna (53) dem Zeitgeist an. Bester Beweis ist ihre neue Single.

Früher war sie mal eine Art tickende Zeitbombe. Eine geniale Provokateurin, die mit Sicherheit einen Weg finden würde, selbsternannte Tugendwächter auf die Barrikaden und so ihre Albumverkäufe in die Höhe zu treiben. Sie sang gut produzierte, eingängige Popsongs. Doch das taten andere auch. Ihr wohnte ein gewisser Wahnsinn inne, eine fast schon pathologische Lust an der Provokation.

Mit wilden Haaren, abgewetzten Klamotten und Kleinmädchenstimme trällerte sie in „Like a Virgin“ im Jahr 1984 von der ersten Liebe. Doch allein das Wort „Jungfrau“ in einem Popsong, kombiniert mit dem Video, in dem sie sich in einer venezianischen Gondel räkelte, hatte etwas Anrüchiges. Sittsame Eltern ahnten, dass sich diese Frau auf einer pädagogisch fragwürdigen Mission befand, und sie sollten Recht behalten.

Ihren ersten großen Auftritt bei den MTV Video Music Awards im selben Jahr absolvierte sie im Hochzeitskleid, doch die weiße Unschuld ihres Outfits konterkarierte sie abermals mit einer obszönen Choreographie. Der erwartete Aufschrei kam prompt. Das konservative Amerika sah die heilige Ehe beschmutzt, und Madonna konnte nur lachen angesichts dieser großartigen Publicity. Sie war nicht angetreten, um Amerikas Liebling zu werden. Sie, das Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das sich mal als „verzweifelten und einsamen Teenager“ beschrieb, wollte genau das nicht mehr sein. Im Alter von 24 Jahren hatte sie mit „Like a Virgin“ den Grundstein gelegt.

Botschafterin der Toleranz

In den kommenden Jahren setzte sie vermehrt auf die Sex-Karte, doch sie verstand es auch, religiöse und politische Diskussionen anzustoßen. Ihr Video zum Welthit „Like a Prayer“ wurde in mehreren Ländern boykottiert, weil sie darin einen schwarzen Jesus küsst und vor brennenden Kreuzen tanzt. Sie propagierte freie Liebe und sexuelle Unabhängigkeit, legte sich bewusst mit der katholischen Kirche an und betonte immer wieder, dass ihre Karriere ohne Unterstützung der schwulen Community, die in ihr zurecht eine Botschafterin der Toleranz erkannten, nicht möglich gewesen wäre.

In den 90er Jahren kam kaum ein Video ohne angedeuteten Geschlechtsverkehr aus, ihr Bildband „Sex“ (1992) bestand ausschließlich aus Nackedei-Fotos, und jede Tournee hatte ihr Skandälchen. Mal simulierte sie Masturbation, mal rieb sie sich die jeweilige Landesflagge zwischen den Beinen. Das war nicht immer sonderlich originell oder angebracht, aber es war eben einzigartig. Einzigartig provokativ, einzigartig unangepasst, einzigartig Madonna.

Es war ihre Art, ihren Fans weltweit persönliche Freiheit vorzuleben, das Aufbegehren gegen gesellschaftliche Schranken. Sie tat niemandem etwas, lebte auch keine Drogenexzesse vor. Sie war eine Frau, die sich nichts vorschreiben ließ und eine einzigarige Karriere hinlegte. Die erste wirklich emanzipierte Frau im Showgeschäft. Ein Ausruf, den sie zu Beginn ihrer Karriere in einem MTV-Interview zum besten gab, beschreibt sie in drei Worten: „I want more!“

Sie verleugnet ihr Alter

Heute ist Madonna 53 Jahre alt. Sie ist zwei Mal geschieden, hat vier Kinder (davon zwei adoptierte aus Malawi) und rund 380 Millionen Platten verkauft. Niemand erwartet mehr von ihr, eine tickende Zeitbombe zu sein. Doch was treue Fans erwarten können, ist, dass sie weiterhin die selbstbestimmte Frau bleibt, die sie immer war, die nicht getrieben ist, sondern höchstens andere vor sich her treibt. Die Trends setzt, aber ihnen nicht hinterherhechelt.

Doch seit einigen Jahren zeigt sich, dass die einst so stolze Emanze, die sich nie anpassen wollte, genau das tut. Sie verleugnet ihr Alter. Sie trainiert so besessen gegen den schleichenden Prozess des körperlichen Verfalls an, dass ihre Arme nur noch bizarre Muskelberge sind. Ihr Gesicht nähert sich dem Hollywood-Einheitslook, der von der zeitgenössischen Schönheitschirurgie vorgegeben ist. Stur wie ein Kind dreht sie weiter Filme und führt Regie, obwohl sie das noch nie konnte. Und sie macht Musik, die einer Frau in ihrem Alter einfach unwürdig ist: Bubbelgum-Pop.

Der erste vorläufige Tiefpunkt dieser großen Künstlerin, die mit Songs wie „Like a Praver“ oder „Vogue“ Meisterwerke für die Ewigkeit schuf, war 2005 das unsägliche „Hung Up“, dass das nervtötende Abba-Sample von „,Gimme Gimme Gimme' ins neue Jahrtausend, auf die Kirmesplätze und in die Kleinstadtdiskos dieser Welt hinübergerettet hat“, wie die „Welt“ schrieb. Im Video hampelt sie in einem grellen Aerobic-Anzug und wirkt wie eine verzweifelte Hausfrau, die noch einmal aller Welt ihren knackigen Hintern zeigen will.

Ein weiterer Tiefpunkt ist ihre neue Single „Give Me All Your Love“, der Vorläufer ihres 13. Albums „MDNA“, das am 26. März erscheint. Es ist ein infantiles Werk irgendwo zwischen Rihanna und Katy Perry, angereichert mit dem unvermeidlichen Eurodance-Beat und Zeilen, die aus dem Mund einer Künstlerin ihres Rangs und ihres Alters einfach lächerlich klingen: „You can be my lucky star/We can drink some wine/Burgundy is fine“.

Die entlarvendste Passage aber ist diese: „Don't play the stupid game/Cause I'm a different kind of girl“. Girl? Mit 53?

Quelle: seeg

 
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