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Vatertag: Mein Leben als Kita-Protokollant

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 15.10.2011 - 14:00

Düsseldorf (RPO). Wenn man Kinder hat, steht man unter Druck, das weiß jeder. Man muss morgens früher raus, füttern und wickeln. Zusätzlich zu den Verpflichtungen als Arbeitnehmer, Lebenspartner und Sohn kommt nun der Job als Papa.

RP-Redakteur Philipp Holstein erzählt bei RP Plus Geschichten über sein Leben als Vater.  Foto: RP Plus
RP-Redakteur Philipp Holstein erzählt bei RP Plus Geschichten über sein Leben als Vater. Foto: RP Plus

Ich wusste das alles, aber was mir niemand gesagt hat ist dieses: dass meine Freundin und ich zu Konkurrenten werden. David ist drei, er geht nun in den Kindergarten. Wir haben uns für eine Elterninitiative entschieden, einen Kinderladen. Man bestimmt dort selbst, in welchem Umfeld das Kind spielt, wie es erzogen wird. Man muss sich allerdings sehr viel stärker engagieren als in klassischen Kindergärten. Es begann mit der Elternfahrt, drei Tage Jugendherberge, zu siebt in einem Zimmer, und als die Kinder am ersten Abend im Bett waren, setzten die Großen sich zusammen. Jeder musste ein Amt übernehmen, es gibt Väter, die sich um Essensbestellungen kümmern und Mütter, die den Garten verschönern. Es gibt Hausmeister und Ausflugs-Organisatoren. Ich bin Protokollant.

Darf sich eine Elterninitiative eine Putzfrau leisten?

Das hört sich leicht an: Bei allen Besprechungen mitschreiben, was verhandelt und entschieden wird. Stift und Zettel, notieren, dann zuhause in eine Email kopieren und an alle versenden, fertig. In Wirklichkeit ist das Protokollamt komplex wie wenige andere. An jenem ersten Abend zum Beispiel diskutierten wir von 20 bis 0.30 Uhr, ob es ethisch vertretbar ist, dass sich eine Elterninitiative eine Putzfrau nimmt. Es ging hin und her, und nach Mitternacht wurde die Entscheidung auf den nächsten "Orga-Abend" vertagt. Neben jährlichen Eltern- und Vattifahrten gibt es nämlich auch monatliche Organisations- sowie Pädagogiktreffen. Dazu jeweils Zusammenkünfte vor Ausflügen und die traditionellen Feiern zu Nikolaus, Weihnachten etc, die ihrerseits geplant werden müssen.

Ich hatte jedenfalls kaum etwas auf meinen Zettel notiert, und auf mein mageres Protokoll, das ich minimalistisch layoutet versandte, gab es wenig Resonanz. Nur ein Vattikollege meldete sich, weil ich den Namen seiner Frau falsch geschrieben hatte. Natürlich kann ich nicht an jedem Treffen teilnehmen. Es muss ja jemand bei David bleiben, wenn wir uns abends darum kümmern, wie er tagsüber betreut wird. Sandra ist also meine Stellvertreterin, sie ging jetzt zum Orga-Abend, und dort purzelten ihr die Entscheidungen in den Schoß wie im Schlaraffenland die gebratenen Tauben. Sie richtete ihr Protokoll ambitioniert ein: fette Anläufe, logische Gliederung, dazu eine lustig formulierte Email. In meinen Augen etwas too much, aber es kam gut an.

Keine Stunde war vergangen, nachdem sie das Papier als Rundbrief verschickt hatte, da lagen bereits drei Belobigungen im Posteingang. "Tolles Protokoll", "super übersichtlich", "schön". Es ist nicht so, dass ich es darauf anlege, für meine Protokolle gelobt zu werden. Aber ein bisschen Zuspruch hätte auch mir gut getan. Ich las mal, dass Claudia Schiffer einen Lover verlassen haben soll, weil der so wenig verdiente. Der unterschiedlich große Erfolg trennte die beiden, hieß es. Bei uns ist es derzeit ähnlich. Ich: wenig Erfolg. Sandra viel Erfolg – wenn auch nicht im Modellbusiness, sondern im Kinderladen.

Das Ergebnis ist dasselbe: Druck. Ich habe mir jetzt ein Textverarbeitungsprogramm heruntergeladen, es heißt "Pages", und man kann faszinierende Sachen damit machen – Protokolle wie eine Zeitschrift gestalten etwa, inklusive Fotos und Grafiken und so. Nächste Woche treffen sich die Väter, um die Vattifahrt an die Nordsee zu besprechen. Ich kämpfe, ich bin bereit.


 
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