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RP Plus: Unser Flop für Baku

VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 14:09

Düsseldorf (RPO). Was Stefan Raab vor einem Jahr als nationale Aufgabe bezeichnete, verkommt zum Nischenprogramm: Die Show „Unser Star für Baku“, in der Lenas Nachfolger für den Eurovision Song Contest gesucht wird, verharrt im Quotentief. Da hilft auch keine dramatische Blitztabelle.

Falls irgendwann mal ein Preis für die netteste Sendung im deutschen Fernsehen vergeben wird, hätte „Unser Star für Baku“ wohl eine Trophäe sicher. Die Jury: ein herzliches Trio. Thomas D, der trotz der Allgegenwärtigkeit Raabs tapfer als Jurypräsident bezeichnet wird, ist seinen Kandidaten in rührender, fast väterlicher Zuneigung verbunden. Alina Süggeler, Sängerin von Frida Gold, hört zwar hier und da einen falschen Ton, findet aber sonst alle „bezaubernd“, und Stefan Raab ist offenbar eine gespaltene Persönlichkeit. So hämisch und fies er sich in „TV Total“ gibt, so handzahm ist er, wenn es um seine Schäfchen für den Eurovision Song Contest geht.

Die Kandidaten: ein sympathischer Haufen wohlerzogener Mittelstandskinder. Keiner tanzt aus der Reihe, keiner wird frech, alle mögen sich sehr und ignorieren den Wettbewerbsgedanken, wie Sängerin Shelly Phillips unter heftigem Kopfnicken der sieben verbliebenen Kollegen erklärte. Fast durchgehend wählen sie gut abgehangene Radiohits, um ihre guten bis sehr guten Stimmen zu präsentieren.

Die Moderatoren: lahm. Bei ihnen liegt es in der Natur der Sache, alles großartig zu finden. Doch schaffen es Steven Gätjen und Sandra Rieß, jegliche Spontaneität und Schlagfertigkeit vermissen zu lassen. Würden die Kandidaten durch eine Off-Stimme angesagt, es würde die Sendung nicht schlechter machen.

Verbales Wattebäuschchen-Pingpong

Es klingt bitter, doch genau in dieser Nettigkeit liegt das Problem der Show. Beim Konkurrenten „The Voice of Germany“ giften sich wenigstens noch die rivalisierenden Jurymitglieder an – von der Demütigungs-Maschine „Deutschland sucht den Superstar“ ganz zu schweigen – , doch bei „Unser Star für Baku“ gibt es außer dem verbalen Wattebäuschchen-Pingpong nichts zu erwarten. Ob ein Auftritt nun „sensationell“, „großartig“ oder „bewegend“ war, gelungen war er immer, und diese Gleichförmigkeit nimmt dem Gesangswettbewerb jeglichen Pfeffer.

Die Quoten sprechen eine deutliche Sprache: Ganze 1,6 Millionen Menschen sahen die vergangene Folge, in der werberelevanten Zielgruppe waren es 1,09 Millionen. Das entspricht einem Marktanteil von mageren 9,2 Prozent. Natürlich ist das auch dem aktuellen Überangebot an Casting-Shows geschuldet, die letztlich alle dem gleichen Konzept folgen. Doch die Zuschauer wandten sich nach der Premiere bewusst ab, weil ihnen die Show zu langatmig war. Bei der Erstausstrahlung erreichte die Sendung immerhin noch ordentliche 15,6 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe.

Der Erfolg von Lena hat vergessen gemacht, dass schon „Unser Star für Oslo“, die Show, die sie groß machte, kein Quotenrenner war. Regelrecht desaströs waren die Zahlen bei „Unser Song für Deutschland“ im vergangenen Jahr, als Lena zwölf Mal (!) auftrat, damit die Zuschauer ihr Lieblingslied wählen konnten.

Klarer Favorit Roman

Der Song Contest ist durchaus ein nationales Ereignis, wenn er denn kurz bevorsteht. Dreieinhalb Monate vorher im tiefsten Winter aber hat er offenbar noch nicht die Zugkraft, um acht Primetime-Shows zu tragen, die samt Werbung (zumindest bei ProSieben, Halbfinale und Finale laufen in der ARD) geschlagene drei Stunden dauern. Da hilft auch die hektische Blitztabelle nicht, die sekündlich anzeigt, wer gerade wo steht. Von Raab als „Sensation“ angekündigt, schürt sie eher Mitleid mit den Kandidaten, die wie Punchingbälle hin und hergeworfen werden. Zudem lenkt sie von der eigentlichen Show ab.

Zu allem Überfluss scheint der Gewinner schon längst festzustehen. Seit der ersten Show ist der 21-jährige Industriemechaniker Roman Lob absoluter Publikumsliebling, und auch die Jury liegt ihm – wenig überraschend – zu Füßen. „Ihr könnt doch jetzt schon aufhören!“ schrieb folgerichtig „Spiegel Online“. Wenn die Programmverantwortlichen könnten, würden sie wohl gerne. Aber noch müssen die Songcontest-Partnersender ProSieben und ARD vier quotenarme Shows überstehen.

„Unser Star für Baku“, nächste Folge Donnerstag, 9. Februar, 20.15 Uhr, ARD

Quelle: seeg

 
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