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Tatort Dortmund
  Foto: WDR/Ecken/Neder/Degraa
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Fernsehen: Was Dortmund über den "Tatort" wissen muss

VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 15.10.2011 - 14:00

Düsseldorf (RPO). NRW bekommt einen dritten „Tatort“. Neben Münster und Köln wird ab 2012 auch in Dortmund ermittelt. Jörg Hartmann heißt der neue Kommissar. In einem offenen Brief schreibt unser „Tatort"-Experte Ulli Tückmantel, warum sich die Dortmunder bloß nicht  zuviel erhoffen sollten.  

Liebe Dortmunder,

als Erstes: Nein, das ist nicht die Leidens... äh..Lindenstraße, die da bei Ihnen ab dem kommenden Frühjahr gedreht wird. Sie werden das zwar richtig sehen, dass da der mexikanische Adoptivsohn von Berta Griese auf der Straße steht und leicht misslaunig mit rauer Stimme Passanten aus dem Bild scheucht. Das macht er aber in Köln und Münster auch regelmäßig, weil Marcel Kommissin inzwischen von „schwieriges Kind in doofer WDR-Serie“ auf „mürrischer Aufnahmeleiter für Comedy-Krimis formerly known as Tatort“ bei der Colonia Media umgesattelt hat, von der der WDR seine drei Tatort-Beiträge bespielen lässt.

Übrigens: Prima, dass Marcel Kommissin das macht – woher sollten sie schließlich sonst wissen, dass das ZDF bei Ihnen nicht gerade eine neue Folge von „Bella Block“ dreht? Daher kennen Sie ja schließlich den neuen WDR-Hauptdarsteller Jörg Hartmann. Sie wissen schon: Das ist der fiese neue Leiter der Hamburger Mordkommission, der Bella Block gleich bei seinem ersten Auftritt (Folge „ Am Ende des Schweigens“, 2009) in den Vorruhestand schicken wollte. Ansonsten ist er da nicht weiter wichtig. Angeblich soll er schon vor Monaten bei der Dortmunder Polizei angerufen und gefragt haben, ob er mal vorbeikommen kann.

Praktikant als Hauptdarsteller  

Tja, Praktikant als Hauptdarsteller kann klappen. Wahrscheinlich wird es aber so laufen, wie Sie das aus Dortmund kennen: schief. Und: Nein, es ist kein Trost, dass der WDR die „originelle“ Idee hatte, dem ZDF-Import mit Aylin Tezel eine türkischstämmige Ermittlerin zur Seite zu stellen, die leider gar kein Türkisch kann, was dann zu Szenen von beträchtlicher Lustigkeit führen kann.

Die Idee ist, sagen wir mal: gebraucht (geklaut ist so ein hässliches Wort). Deutlich vor dem WDR hatte die Idee der Autor Jakob Arjouni, als er für seinen Kriminalroman „Happy Birthday, Türke!“ (erschienen 1985) den Ermittler Kemal Kayankaya erfand, der sich als Adoptivkind deutscher Eltern mit den türkischen Figuren der Handlung nicht unterhalten kann.

Noch was: Wundern Sie sich nicht, wie selten der WDR in Dortmund drehen lässt, und wie aus diesen wenigen Drehtagen bei Ihnen am Ende ein 88 Minuten langer Film zum stolzen Preis von rund 1,4 Millionen Euro geworden ist. Der Kölner an sich verreist nicht gern. Oder wenigstens nicht weit. Deshalb ist das „Tatort“-Münster, das Sie zu sehen bekommen, häufig Dormagen. Oder Hürth. Dortmund wird für einen „Dortmund“-Tatort eigentlich nur als Schwenkfutter gebraucht. Oder wie es in der WDR-Dichtung über Dortmund heißt: „Zwar ist es eine raue Gegend, doch niemand beklagt sich darüber.“

Das „Tatort“-Dortmund-Projekt ist ohnehin nur dritte Wahl 

Außerdem ist das ganze „Tatort“-Dortmund-Projekt ja ohnehin nur dritte Wahl. Das wussten Sie aber doch, oder nicht? Lieber hätte WDR-Chefin Monika Piel nämlich ein paar mehr Folgen „Münster“ (zwei pro Jahr) oder wenigstens „Köln“ (drei pro Jahr) gedreht, was aber an anderweitigen Verpflichtungen der jeweiligen Hauptdarsteller scheiterte. Wie sonst hätte denn jemand in Köln ausgerechnet auf Dortmund kommen sollen? Hahaha! Tun Sie sich einen Gefallen: Nehmen Sie das nicht ernst, grämen Sie sich vor allem nicht, wenn Sie das Dreh-Ergebnis für grützig halten. Ihnen drohen nämlich Darsteller-fixierte Elends-Filme (weshalb der Lindenstraße-gestählte Aufnahmeleiter auf jeden Fall die richtige Wahl ist).

Der WDR beschreibt das so: „Bei den Fällen selbst schaut das Team genau hin, verschließt dabei auch nicht die Augen, wenn es um die tatsächlichen Probleme einer Stadt im Umbruch geht oder wenn sie menschlichen Abgründen begegnen.“ Statt sich aufzuregen, warten Sie einfach bis zur nächsten Karnevals-Session und kaufen sich eine Karte für den „Geierabend“ 2013 auf Zeche Zollern II/IV. Da kricht der WäDäÄr dann ersma sprechen gelernt (Programm-Klassiker: „Das heisst auffe Zeche, aum Pütt, vonne Schule, nache Arbeit, ausse Siedlung, auffe Schicht, nach Untertage, im Streb, inne Dunkelheit, am Malochen, vor Kohle, mitte Kumpels, anne Schüppe, zum Ende, vorre Rente, aus, zu, vorbei, bisse im Arsch. Is dat denn so schwer?“) und garantiert sein Fett wech.

Er kann es ja dann aus der Aufzeichnung der Sitzung schneiden, die er leider selbst überträgt.

Herzliche Grüße aus der Ex-„Tatort“-Stadt Düsseldorf

Ulli Tückmantel


 
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