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Whitney Houston ist tot
  Foto: dpa, Marius Becker
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RP Plus: Wer war nochmal Whitney Houston?

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 - 16:31

Wenn ein berühmter Schauspieler oder Musiker stirbt, reagieren die sozialen Netzwerke am schnellsten. Und am Tag danach herrscht dort nur dieses eine Thema. Doch so heftig sich dort Großereignisse verbreiten, so schnell endet es auch wieder. Verändert das Web 2.0 unseren Umgang mit Breaking News?

Am Mittag des 11. Februar 2012 isst ein US-Amerikaner, der sich Big Chorizo nennt, Waffeln mit Hühnchen und Speck. Dazu trinkt er eine Bloody Mary. Das Essen fotografiert er mit seinem iPhone und veröffentlicht das Bild auf seinem Twitter-Account. Fünfeinhalb Stunden später, es ist 16.30 Uhr an der amerikanischen Westküste, stellt er seinen nächsten Eintrag online:

„My sources say Whitney Houston found dead in Beverly hills hotel.. Not in the news yet!!“

Es wird noch knapp eine halbe Stunde vergehen, bis AP als erste Nachrichtenagentur die Meldung von Whitney Houstons Tod bringt. In dieser Zeit verbreitet sie sich längst bei Twitter und Facebook. Es geht alles so rasend schnell. 2,5 Millionen Mal wird der Tod der Popmusikerin in der ersten Stunde gepostet. Die Leute bekunden, nachdem sie die Todesmeldung verbreitet haben, ihr Beileid, ihre Trauer, ihr Nicht-Fassen-Können. Sie posten ihre Lieblingssongs und Videos. Die sozialen Netzwerke sind am Sonntag voll damit. Es gibt kein anderes Thema. Whitney Houstons Künstlerkollegen schalten sich ein und bekunden über Twitter ihre Trauer. Mariah Carey, Rihanna, Kate Perry, Christina Aguilera, Justin Bieber: „Just heard the news. so crazy.“ Die sozialen Netzwerke werden zur Trauergemeinde, eine Journalistin spricht vom „global group hug“.

Heuchler vs. Zyniker

Es ist nicht das erste Mal im Zeitalter des Web 2.0, dass ein Prominenter stirbt. Der erste war Michael Jackson. Es folgten Amy Winehouse und Steve Jobs. Und immer ist es dasselbe Muster. Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell, die Menschen bekunden ihre Trauer, sie teilen Links. Es geht um nichts anderes mehr als den Tod dieses Promis.

Doch es gibt auch immer andere Stimmen. Leute beginnen zu analysieren. Der Künstler sei selbst Schuld, er habe schließlich Drogen genommen. Es gibt jene, die den anderen ihre Trauer nicht abnehmen, die es albern finden, jemanden zu beweinen, den man nur aus dem Fernsehen kennt. Es gibt jene, die sagen, in Afrika sterben jeden Tag tausende Kinder, ohne dass die Weltöffentlichkeit deshalb trauere. Woraufhin andere entgegnen, man solle den Leuten doch ihre Gefühle lassen. „Und wieder mal: Heuchler vs. Zyniker“, schrieb eine Facebook-Userin am Sonntag.

Es gibt noch eine andere Gemeinsamkeit, wenn die Nachricht vom Tod eines Prominenten sich im Internet ausbreitet: Die Phase der öffentlich bekundeten Trauer ist schnell wieder vorüber. Bereits am Montag, als die meisten Tageszeitungen erstmals Gelegenheit hatten, über Whitney Houstons Tod zu schreiben, hatte die Zahl der Postings wieder abgenommen. Sollte nicht doch noch eine überraschende Todesursache festgestellt werden, wird das Interesse nur noch ab und zu aufflackern. Bei der Beerdigung am Samstag, bei einer Platte mit bisher unveröffentlichtem Material, das es mit Sicherheit geben wird. Was bei Michael Jackson das Interesse relativ lang hochhielt, war ja nicht sein musikalisches Erbe oder sein Ableben an sich, sondern die Suche nach dem Verantwortlichen für seinen Tod. Bald schon blieben die eilig nachgepressten CDs in den Regalen liegen.

Die Meute zieht weiter

Das Internet scheint das Interesse an solchen Todesmeldungen zum einen zu verdichten, die Zeitspanne, in der das Interesse andauert, allerdings deutlich zu verkürzen. Das Thema ist für kurze Zeit sehr präsent und dann rasant wieder verschwunden. Das bleibt nicht aus, wenn die User den ganzen Tag Videos und Links posten und sich die Links und Videos von anderen ansehen. Da verliert ein Ereignis schnell seinen Reiz, und es muss ein neuer her. Das Internet bietet genug Möglichkeiten der Zerstreuung.

Das kann man nun mit Recht schlecht finden. Die Meute zieht weiter, sobald sie den Knochen abgenagt hat. Sie zieht weiter, sobald irgendwo etwas Neues, Aufregenderes passiert. Selbst der Tod eines Prominenten ist da nur eines von vielen Ereignissen. Aber erstens ist es die Natur des Menschen, sich nur mit dem zu beschäftigen, was ihn interessiert, und zweitens geht man so auch wieder schneller zur Tagesordnung über und schafft Platz für Neues. Was soll es denn bringen, tagelang nur Nachrichten zu Whitney Houstons Tod zu lesen?

Etwas weniger zynisch klingt das, wenn man ein anderes Beispiel wählt: Lana del Rey. Das Interesse an der Musikerin hat nach der Veröffentlichung ihres eher enttäuschenden Debütalbums schnell nachgelassen. Sind wir nicht alle froh, nicht mehr ständig diese dicken Lippen sehen zu müssen? Und es gibt ja auch andere bemerkenswerte Videos bei Youtube.

Und so ist das Web 2.0 angesichts von Breaking News und Hypes Fluch und Segen zugleich. Wir beschäftigen uns immer kürzer mit einem Thema und drohen dabei, oberflächlich zu werden. Aber gleichzeitig beschäftigen wir uns nicht nur mit mehr Themen, sondern lernen auch: Die Welt geht nicht unter. Sie dreht sich immer weiter.

Quelle: seeg

 
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