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Apple gegen FBI
Was dürfen Terrorfahnder?

Apple gegen FBI: Streit um das iPhone
So soll die neue Apple-Zentrale in Cupertino aussehen. FOTO: dpa, msc mda tmk
Cupertino. In den USA tobt ein Streit zwischen Technologie-Konzern und Geheimdienst. Es geht um die Sicherheit von iPhones - und die Frage, ob die Terrorbekämpfung schwerer wiegt als der Datenschutz. Google und Whatsapp unterstützen Apple. Von Florian Rinke

Es ist schwer zu sagen, wer die Guten und wer die Bösen sind: Hier die US-Behörden, die versuchen, ihre Bevölkerung vor Terrorangriffen zu schützen. Da der Apple-Konzern, der die Privatsphäre seiner Kunden achten will und hierfür gestern Unterstützung von anderen Tech-Riesen wie Google und Whatsapp erhielt. Was wiegt schwerer - die Sicherheit vieler oder der Schutz Einzelner?

Apple sollte Telefone entsperren

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Ein US-Gericht fordert von Apple Hilfe beim Entsperren des Telefons, das einem der Attentäter von San Bernardino gehört. Ein Paar, mutmaßliche Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat, hatte dort im Dezember 14 Menschen getötet. Seitdem beißen sich die FBI-Ermittler am iPhone die Zähne aus, weil sie den Pin-Code zur Entsperrung des Gerätes nicht kennen. FBI-Direktor James Comey gestand dem US-Kongress: "Es sind nun zwei Monate vergangen und wir arbeiten immer noch daran."

Das Problem: Apple hat seine Geräte inzwischen sehr gut verschlüsselt - und zwar so, dass nur die Nutzer Zugriff haben, Apple und Behörden aber nicht. Das Betriebssystem iOS schütze nicht nur Gerät und gespeicherte Daten, sondern alles, was Benutzer lokal, in Netzwerken und mit Internetdiensten machen, heißt es in einer Apple-Broschüre. Wer bei seinem iPhone einen Gerätecode einrichtet, also eine vier- bis sechsstellige Zahlenkombination, aktiviert automatisch die Datensicherheit. (Zusätzlich ist die SIM-Karte gesichert, aber um die geht es hier nicht.) Ohne diesen Code haben Angreifer keinen Zugriff.

Zehn Mal den falschen Code

Die Zahlenkombination wird direkt in den Gerätecode integriert. Dadurch müssen "Brute force"-Angriffe, also das permanente Ausprobieren von Kombinationen, direkt auf dem Gerät durchgeführt werden. Und die Apple-Software sorgt dafür, dass jeder Versuch gezählt wird. Je häufiger eine falsche Kombination eingegeben wird, umso länger muss man bis zum nächsten Versuch warten - nach der neunten falschen Eingabe beispielsweise eine Stunde. "Das bedeutet, dass es über fünfeinhalb Jahre dauern würde, alle sechsstelligen Gerätecodes auszuprobieren", so Apple. Doch so weit kommt es meist nicht. Denn eine weitere Funktion sieht vor, dass alle Daten auf dem iPhone gelöscht werden, wenn zehn Mal in Folge ein falscher Code eingegeben wird.

Das Gericht fordert von Apple nun, diese Funktion abzuschalten. Dann könnten die Ermittler einen Brute-Force-Angriff starten, ohne die Datenlöschung zu riskieren.

Apple könnte so eine Software vermutlich schreiben, doch das geht dem Unternehmen zu weit. Man habe mit den Behörden kooperiert, schreibt Apple-Chef Tim Cook in einem offenen Brief: "Aber jetzt hat uns die US-Regierung um etwas gebeten, was wir nicht haben und was wir für zu gefährlich halten, um es zu erschaffen. Sie haben uns gebeten, eine Hintertür ins iPhone einzubauen."

Apple will keine "Backdoor"

Diese "Backdoor" will Apple mit aller Macht verhindern. Denn seit Edward Snowden enthüllte, wie groß der Datenhunger der Geheimdienste ist und wie willfährig einige Tech-Konzerne ihnen bei der Überwachung des Internets halfen, hat sich einiges verändert.

So kippte der Europäische Gerichtshof beispielsweise 2015 das Safe Harbor-Abkommen zwischen Europa und den USA. Das Abkommen ermöglichte Firmen, personenbezogene Daten von Europa in die USA zu übertragen. Doch das Gericht sah die Sicherheit der Daten von EU-Bürgern nicht mehr gewährleistet - und stoppte die Praxis.

Den Tech-Konzernen ist längst klar geworden, dass sie den Datenschutz ihrer Kunden aus wirtschaftlichen Interessen in die Hand nehmen müssen. Das klingt paradox, weil Google, Apple und Co. immer wieder Datenhunger vorgeworfen wird. Doch die Tech-Konzerne haben keine Wahl. Würden sie dem Verlangen der US-Regierung nachgeben, könnten auch Hacker die Hintertür nutzen - und Staaten wie Russland oder China ebenfalls Zugang verlangen. Das wiederum dürfte auch den USA nicht gefallen.

Quelle: RP
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