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WWDC 2015
Apple präsentiert Musik-Streamingdienst

So lief die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2015
So lief die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2015 FOTO: afp, js/pr
San Francisco. Bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco bleiben große Überraschungen aus. Im Mittelpunkt stand wie erwartet der neue Streaming-Dienst Apple Music. Auch Apple Pay soll kommen, allerdings vorerst nur in Großbritannien. Von Florian Rinke

Seit Monaten hat es Spekulationen gegeben, nun ist es offiziell: Apples Musikbibliothek iTunes wird künftig um den Streaming-Dienst "Apple Music" erweitert, bei dem die Stücke nicht mehr auf dem Gerät gespeichert, sondern über das Internet abgerufen werden. Zehn Euro, wurde im Vorfeld gemutmaßt, soll der Dienst im Monat kosten und dafür Zugang zu mehreren Millionen Songs und einem eigenen Radiosender bieten.

Apple hat lange abgewartet und dabei zugesehen, wie andere den Markt eroberten – das schwedische Start-up Spotify zum Beispiel, das weltweit 60 Millionen Nutzer hat, von denen immerhin rund ein Viertel monatlich für ein Abo bezahlt. Natürlich war angesichts der hohen Wachstumsraten in diesem Sektor – 2014 betrug der Anteil der Streaming-Anbieter am Gesamtumsatz ein Zehntel – klar, dass Apple irgendwann würde handeln müssen. Doch zu früh anzugreifen, hätte eben auch bedeutet, das hochprofitable Geschäft mit dem Verkauf einzelner Titel und Alben zu torpedieren und auf satte Gewinne in diesem Bereich zu verzichten.

Für den weltweit größten Musik-Verkäufer war die Präsentation des neuen Streaming-Dienstes daher im Grunde keine Frage des "ob", sondern nur des "wann". Nun schien der richtige Zeitpunkt für Apple-Chef Tim Cook gekommen. Denn während die Umsätze mit Downloads im vergangenen Jahr um acht Prozent zurückgingen, stiegen die Abo-Umsätze aus Streaming-Diensten weltweit um 39 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

Musiker Drake stellte das neue Produkt vor, mit dem Apple zum größten Player auf dem Musikmarkt aufsteigen will. FOTO: afp, js/pr

Durch das neue Apple-Angebot dürfte sich diese Entwicklung noch einmal rasant beschleunigen, immerhin versteht kaum ein Unternehmen so gut, der Kostenlos-Kultur im Netz Modelle entgegenzusetzen, für die Menschen bereit sind, Geld zu bezahlen. So war es bereits vor zwölf Jahren, als Apple den Online-Verkauf von Musik startete und damit erstmals den massenhaften illegalen Downloads ein attraktives Angebot entgegenstellte. Und so könnte es auch jetzt wieder sein – immerhin haben 800 Millionen Menschen weltweit ein Apple-Kundenkonto.

Von einer "Flutwelle, die alle anderen Boote heben wird", sprach Sony Musik-Boss Doug Morris im Vorfeld. So machte Marktführer Spotify 2014 etwa 197 Millionen Dollar Verlust – auch, weil noch immer ein Großteil der Nutzer lieber die kostenlose, werbefinanzierte Variante nutzt. Sollte Apple, dessen Dienst zehn Dollar bzw. Euro im Monat kosten soll, das Bezahlmodell salonfähig machen, könnten davon auch andere profitieren.

Infos: Das ist Musikstreaming in Deutschland FOTO: Shutterstock/ollyy

Was sonst noch bei der WWDC bekannt wurde:

  • Die Bezahl-App Apple Play kommt auch nach Europa. Zum Start wird sie ab Herbst aber zunächst nur in Großbritannien verfügbar sein.
  • Es gibt eine neue App "News", mit der sich Anwender noch schneller einen Überblick über die Nachrichtenlage verschaffen können. Sie wird zunächst jedoch nicht für Deutschland erhältlich sein. 
  • Lange versprochen, jetzt soll es wirklich kommen: Das iPad bekommt eine Multitasking-Funktion. Anwender können zwei Apps gleichzeitig nutzen. 
  • Das neue Betriebssystem OS X wird "El Capitan" heißen und soll eine deutlich komfortablere Suche ermöglichen. Auch die Navigation ist vereinfacht worden, die Geschwindigkeit wurde deutlich erhöht. Die Präsentation war genauso wie alle anderen Vorstellungen schon im Vorfeld erwartet worden.
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