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Kampf gegen Terror
FBI knackt iPhone-Verschlüsselung ohne Apples Hilfe

Fotos: Apple iPhone 6S und iPhone 6S Plus im Praxistest
Fotos: Apple iPhone 6S und iPhone 6S Plus im Praxistest FOTO: dpa, tsn
Los Angeles . Über mehrere Wochen zog sich der Streit um die Entschlüsselung von iPhones - diese Machtprobe zwischen Apple und der US-Regierung ist nun vom Tisch. Die Bundespolizei FBI habe das Smartphone eines Attentäters auch ohne Hilfe des US-Technologiekonzerns geknackt.

Das teilten die US-Behörden am Montag dem zuständigen Gericht in Kalifornien mit. Apple hatte sich einer gerichtlichen Anordnung widersetzt, dem FBI bei der Entschlüsselung des iPhones von Sayed Farook zu helfen.

Farook hatte Anfang Dezember mit seiner Ehefrau bei einem islamistischen Anschlag in San Bernardino 14 Menschen erschossen, ehe das Paar von der Polizei bei einem Schusswechsel getötet wurde. Das US-Justizministerium versuchte seit Mitte Februar, Apple zur Entschlüsselung des iPhones zu zwingen - mit der Begründung, dies könne möglicherweise wichtiges Beweismaterial ans Licht bringen. Mehrere Angehörige der Anschlagsopfer von San Bernardino stellten sich hinter die Regierung.

Apple weigerte sich jedoch trotz einer gerichtlichen Anordnung, den Ermittlern zu helfen. Das Unternehmen sah die Gefahr, dass ein Präzedenzfall geschaffen werden soll, um generell den Zugriff der Sicherheitsbehörden auf die iPhones zu erleichtern.

Das FBI hätte diesen Fall niemals vor Gericht bringen dürfen, erklärte Apple am Montag in einer ersten Reaktion auf die jüngste Entwicklung. "Apple glaubt fest daran, dass die Menschen in den USA und in der ganzen Welt ein Recht auf Datenschutz, Sicherheit und Privatsphäre haben. Das Eine für das Andere zu opfern, setzt Menschen nur noch größerer Gefahr aus."

Cook: Apple hat die Pflicht, Daten zu schützen

Erst vergangene Woche hatte Konzernchef Tim Cook bekräftigt, sein Unternehmen habe die Pflicht, die Daten seiner Kunden gegen den Zugriff der US-Behörden zu schützen. Unterstützt wurde Apple in seinem Widerstand gegen die Forderung der Regierung von anderen Software-Giganten wie Facebook, Google und Yahoo sowie von Bürgerrechtlern.

Eine Gerichtsanhörung wurde vor einer Woche kurzfristig abgesagt, als Anwälte des Justizministeriums mitteilten, von dritter Seite Tipps erhalten zu haben, wie sich das iPhone auch ohne Mithilfe des Herstellers entschlüsseln ließe. Diese Methode war nun offenbar erfolgreich. Die Behörden verzichten damit auf das Gerichtsverfahren gegen Apple, wie aus den der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Unterlagen hervorgeht.

Wer den USA beim Knacken des iPhones half, war zunächst unklar. US-Medienberichten zufolge könnte es sich um israelische Spezialisten oder auch ehemalige Apple-Mitarbeiter handeln. Laut einem unbestätigten Bericht der Zeitung "Yedioth Ahronoth" kam die Hilfe von der israelischen Firma Cellebrite. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Daten aus mobilen Geräten herauszuholen. Auch was die Ermittler auf dem iPhone fanden, war zunächst unklar.

Datenschützer begrüßten die jüngste Entwicklung. "Die Glaubwürdigkeit des FBI hat einen neuen Tiefpunkt erreicht", erklärte Evan Greer von der Non-Profit-Organisation "Fight for the Future". Die Ermittler hätten das Gericht und die Öffentlichkeit belogen, um einen "gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen, der uns alle weniger sicher gemacht hätte".

(felt/afp/dpa)
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