| 16.05 Uhr

FBI will Apple-Gerät selber knacken
Schwachstelle im iPhone entdeckt?

Apple zeigt das neue iPhone SE
Apple zeigt das neue iPhone SE FOTO: afp, js/mpb
Los Angeles. Überraschende Kehrtwende im iPhone-Streit zwischen dem FBI und Apple: Mit einer nicht näher beschriebenen Methode können die Ermittler nun vielleicht doch noch das Telefon eines Attentäters aufknacken. Zuvor hieß es, ohne Apples Unterstützung gehe das nicht.

Erst machte die US-Regierung massiven Druck, um Hilfe von Apple beim Entsperren des iPhones eines toten Attentäters zu erzwingen. Und jetzt könnte es vielleicht doch ohne den widerspenstigen Konzern gehen - weil eine mysteriöse "außenstehende Partei" das Problem für das FBI lösen wolle.

Die plötzliche Ankündigung lässt viele Fragen offen. Hat jemand eine dieser sogenannten "Zero-Day"-Schwachstellen in Apples Software gefunden, von der auch der Konzern nichts weiß? Wie unzugänglich sind die verschlüsselten iPhones dann wirklich?

Und wer ist der geheimnisvolle iPhone-Hacker? Könnte der mit viel technischem Sachverstand und gewaltigen Ressourcen ausgestattete Abhördienst NSA dahinter stecken, dem Experten zutrauen, alles knacken zu können?

Anonyme Quellen in den Ermittlungsbehörden erklärten schon mal dem "Wall Street Journal", der Helfer gehöre nicht zur US-Regierung. Damit wäre die NSA-Theorie vom Tisch. Das Justizministerium sei "vorsichtig optimistisch", dass die Methode funktionieren werde, hieß es weiter ohne weitere Einzelheiten.

Apple würde schon gern Details dazu erfahren, sagte ein Anwalt des Konzerns in einer Telefonkonferenz mit US-Medien. "Wir haben nie gesagt, dass unsere Software absolut sicher ist", betonte er.

Ohnehin hatten Experten schon zuvor betont, die Ermittler hätten noch Glück, dass es sich in dem Fall um ein iPhone 5c und nicht um eines der neueren Modelle der 6er-Serie handele. Diese haben nämlich einen gesonderten Hardware-Sicherheitsbereich auf dem Chip, in dem wichtige Informationen wie Passwörter viel besser geschützt aufbewahrt werden.

Deshalb haben einige Fachleute auch von Anfang an die Behauptung der Behörden angezweifelt, dass die Ermittler nicht ohne Apples Hilfe auskämen. Die neue Wendung lasse vermuten, dass das FBI "entweder die Technologie nicht gut genug versteht, oder nicht die Wahrheit sagte, als es erklärte, dass nur Apple das Telefon aufknacken könne", sagte nun ein Anwalt der Bürgerrechtsorganisation ACLU, Alex Abdo, der "Washington Post".

Manche äußerten schon vorher den Verdacht, dass die Regierung sich den politisch geladenen Fall ausgesucht habe, um einen Präzedenzfall in dem seit Monaten köchelnden Konflikt mit Technologie-Firmen um deren strikte Verschlüsselungs-Maßnahmen zu setzen. Denn das iPhone wurde von Syed Rizwan Farouk genutzt, einem mutmaßlichen Anhänger der Terror-Organisation Ismalischer Staat, der gemeinsam mit seiner Frau 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino tötete.

Apple sah sich mit seinem Widerstand entsprechend Vorwürfen von Politikern ausgesetzt, es stelle die Privatsphäre eines toten Terroristen über die Sicherheit des amerikanischen Volkes.
US-Präsident Barack Obama regte einen Kompromiss an, bevor "etwas Schlimmes" passiere und dann überhastete Gesetze verabschiedet würden.

Doch Apple lenkte auch unter Druck nicht ein. Noch am Montag gab sich Konzernchef Tim Cook trotzig und versuchte, die Diskussion auf ein breiteres politisches Feld zu lenken. "Wir müssen als Nation entscheiden, wie viel Macht unsere Regierung über unsere Daten und über unsere Privatsphäre haben sollte", sagte er bei einer Produktvorstellung.

Der Konzern stört sich unter anderem daran, dass die Regierung als rechtliche Grundlage für ihre Forderungen den "All Writs Act" von 1789 vorbrachte - ein Gesetz, das Richter grundsätzlich bevollmächtigt, nötige Maßnahmen zu verfügen. Apple warnte, mit einem solchen Präzedenzfall könne die Tür für eine weitreichende Überwachung auf elektronischen Geräten geöffnet werden.

Das Justizministerium entgegnete, es gehe nur um dieses eine iPhone. Der Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance Jr., beklagte sich vor kurzem aber, dass allein in seiner Behörde in mehr als 175 Fällen nicht entsperrbare iPhones die Ermittlungen behinderten.

(dpa)
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