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Test
VR-Brille Google Daydream View ist gut und günstig

Google Daydream View - VR-Brille im Test
Google Daydream View - VR-Brille im Test FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Googles VR-Brille Daydream View ist günstig. Mit ihrem Stoff-Design sieht sie zudem sehr gefällig aus, fast schon kuschelig. Der Clou ist die kleine Fernbedienung. Was die Nutzung teuer macht: Sie funktioniert bislang nur mit einem teuren Google Pixel-Smartphone. Wir haben Daydream View getestet. Von Christoph Schroeter

Mit der in Deutschland anfangs nur in meliertem Dunkelgrau erhältlichen Brille öffnet sich die Tür zu Googles Welt aus virtueller Realität und 360-Grad-Erlebnissen.

Benötigt wird dazu die Daydream-View-Brille, die dazugehörige kleine Fernbedienung und - derzeit noch exklusiv - ein Google Pixel oder Pixel XL.

Hat man das Equipment beisammen, macht die Brille richtig Spaß. Nachdem die Daydream-App installiert und gestartet ist, legt man das Smartphone vorn an der Brille hinter eine Klappe und verschließt diese sicher. Selbst bei starken Schüttelversuchen blieb das Gerät fest in der Halterung.

Smartphone Google Pixel XL im Test FOTO: Christoph Schroeter

Daydream View mit guter Steuerung

Dann muss der Controller mit dem Smartphone gekoppelt werden. Das geschieht mit einem Knopfdruck und schon taucht vor dem Auge eine Art virtueller Zeigefinger in Form eines weißen Strichs mit einem Punkt am Ende auf.

Die Steuerung hat Google wirklich gut gelöst, es lässt sich hervorragend durch die computeranimierte Welt navigieren. Mit dem Controller-Zeigefinger werden Icons angeklickt, per Streichbewegung huscht man durch Menüs oder in Google Street View bewegt man sich damit von Punkt zu Punkt fort.

In Spielen lässt sich der Controller, ähnlich wie bei der Wii, als Lenkrad einsetzen, man kann damit Bowlingkugeln auf die Bahn bringen oder eine Angelroute auswerfen. Das macht die Bedienung deutlich einfacher als bei anderen Brillen, die dies zum Beispiel über ein seitliches Touch-Feld möglich machen.

Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt FOTO: Christoph Schroeter

Aber was sieht man nun in Googles virtuellem Tagtraum? Zunächst einmal landet man auf einer bunten Wiese mit einem sanft dahinplätschernden Fluss. In der Landschaft schweben Icons, die für VR-Filme, 360-Grad-Panoramen, Spiele oder andere Inhalte werben. Darunter geht es zum Filmangebot, der Foto-App, Street View oder Youtube.

YouTube auf der Kinoleinwand

Das Angebot an verfügbaren Apps ist in Deutschland derzeit noch etwas mager. Youtube und Google Street View zum Beispiele sind aber schon richtig gut umgesetzt. Normale Videos lassen sich auf einer virtuellen Open-Air-Kinoleinwand anschauen, bei 360-Grad-Videos ist man mitten drin im Geschehen.

Und auch bei Street View hat man das Gefühl, man laufe direkt durch die Szenerie, sei es in Düsseldorf, in Barcelona oder am Tadsch Mahal. Man kann nach oben und unten sehen, sich umdrehen und alles virtuell erkunden.

Google-Neuheiten - Pixel-Smartphone, Daydream, Chromecast, Home-Lautsprecher FOTO: dpa, jgm ks

Das in unserem Test genutzte Pixel XL hat eine Bildschirmauflösung von 2560 mal 1440 Pixel. Das beschert auch bei so kurzer Entfernung zum Auge ein sehr scharfes Bild. Lediglich in den Randbereichen treten einige Unschärfen auf.

In die Brille fällt Licht

Doch es gibt auch ein paar Punkte, die an Daydream View stören. So setzen sich auf den beiden Linsen schnell Staubkörnchen ab, die als helle Pünktchen das Sehvergnügen trüben.

Außerdem sitzt die Brille nicht an allen Stellen richtig dicht am Kopf (was auch an der Kopfform des Testers liegen mag). Somit fällt Licht in die Brille, das führt zu störenden Reflexionen auf den Linsen. Virtuelle Ausflüge in sonniger Umgebung oder in stark beleuchteten Räumen sind somit nicht die beste Idee.

Die an sich recht bequeme VR-Brille wird nach einiger Zeit doch etwas schwer. Das liegt daran, das sie nur von einem Gurt gehalten wird, der hinten um den Kopf herum geht. Bei anderen VR-Brillen kommt zusätzliche Entlastung durch einen von vorn nach hinten über den Kopf verlaufenden Gurt, der jedoch unter Verdacht steht, Frisuren zu ruinieren. Das Problem hätte der Tester zumindest nicht gehabt.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: dpa, neb sir

Das in die Brille eingeklemmte Smartphone wird auf Dauer sehr heiß und es hat einen großen Stromhunger. Ladekabel und Steckdose bzw. Power Pack sollten bei einem kompletten Spielfilm nicht allzu weit entfernt sein.

Bislang ist nur das Google Pixel Daydream-kompatibel

Fazit: In Verbidung mit einem Smartphone ist Googles Daydream View derzeit sicherlich eines der besten Konzepte für Ausflüge in die virtuelle Realität. Die Bedienung ist sehr einfach und schnell erlernt und die Brille sitzt - zumindest für eine gewisse Zeit - bequem auf dem Kopf. In den USA sind bereits Streaminganbieter wie Netflix oder Hulu an Bord, das wäre für Deutschland auch wünschenswert.

Bleibt noch der Preis. Der liegt mit 69 Euro für die Brille zwar konkurrenzlos niedrig, jedoch ist derzeit ein Google Pixel für den Einsatz notwendig. Dafür werden mindestens 760 Euro fällig, für das Pixel XL sogar 899 Euro.

Laut Google sind weitere Daydream-View-kompatible Smartphones anderer Hersteller in Arbeit - unter anderem von Huawei, Motorola, HTC oder Samsung. Zum Schleuderpreis wird es diese Smartphones angesichts der hohen Hardwareanforderungen aber auch nicht geben.

Allen Besitzern eines Google Pixel sei Daydream View zum Kauf empfohlen. Als alleiniger Kaufanreiz für ein teures Google-Smartphone wird die VR-Brille dann aber doch nicht dienen.

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