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Smartphone im Test
Honor 9 – das günstige Huawei P10

Honor 9 - Glitzer-Smartphone mit Dual-Kamera
Honor 9 - Glitzer-Smartphone mit Dual-Kamera FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Mit dem Honor 9 bringt der chinesische Smartphone-Hersteller einen neuen Preiskracher auf den Markt. Was leistet das Gerät? Wir haben es getestet. Von Christoph Schroeter

Vor wenigen Wochen hat Honor mit dem Honor 8 eigentlich das Huawei P10 Plus überflüssig gemacht (hier unser Honor-8-Test). Wohlgemerkt: Huawei ist die Muttermarke von Honor. Jetzt geht die Kannibalisierung weiter.

Mit dem am 27. Juni in Europa vorgestellten Honor 9 stellt sich die Frage, warum man sich eigentlich noch das Huawei P10 (hier unser Testbericht) kaufen soll. Letzteres kostet noch immer rund 600 Euro. Das neue Honor 9 bekommt man bereits für 429 Euro, bis Mitte Juli sogar für 399 Euro.

Wir haben das Honor 9 nun seit einer Woche in der Redaktion als Testgerät. Wo genau die Unterschiede zum Huawei P10 liegen, ist nur schwer festzustellen.

Honor 8 Pro - günstiges Oberklasse-Smartphone FOTO: Christoph Schroeter

Gehäuse

Von vorne gleichen sich Honor 9 und P10 fast wie ein Ei dem anderen. Neu bei Honor ist der auf die Vorderseite gewanderte Fingerabdrucksensor.

Die Rückseite beim P10 besteht aus Metall, dagegen hat Honor dem 9er einen Rücken aus einer Metall- und mehreren Glasschichten spendiert - mit einer leichten Rundung zum Rand hin. Das sorgt für fast schon spektakuläre Glitzer- und Glanzeffekte - leider auch für jede Menge Fingerabdrücke. Abgesehen davon ist die Anordnung der Kameras, des LED-Blitzes und des Autofokus-Sensors identisch zum P10. 

Auch der Monolautsprecher, die USB-C-Ladebuchse sowie der - vorhandene! - Kopfhöreranschluss an der Unterseite sind exakt so platziert wie beim Topmodell des Mutterkonzerns.

Auf der Oberseite findet sich ein klitzekleiner Infrarotsensor. Darüber können Tausende Geräte fernbedient werden.

Huawei P10 - Smartphone mit Leica Doppelkamera FOTO: Christoph Schroeter

Das Gehäuse beim Honor 9 macht einen sehr soliden Eindruck, nichts wackelt, nichts knarzt. Einziges Manko: Sowohl der Einschaltknopf, als auch die Lautstärkewippe an der rechten Seite haben beide eine glatte Oberfläche. Den Einschaltknopf zur besseren haptischen Unterscheidung leicht anzurauen, ist nun wirklich keine Kunst.

Display

Beide Smartphones haben ein 5,15 Zoll großes Display. Eine aktuell schon sehr kompakte Abmessung, geht der Trend doch eher zu großen Bildschirmen. Das ist aber nicht schlecht, beide Geräte passen so gut in Hosentaschen und lassen sich mit einer Hand bedienen.

Die FullHD-Auflösung reicht für den Bildschirm völlig aus, die Darstellung ist sehr scharf. An der Helligkeit gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Auch bei Sonnenlicht ist der Inhalt auf dem Display problemlos ablesbar. Es gibt zudem in den Einstellungen einen Punkt "Lesbarkeit bei Sonnenlicht verbessern".

OnePlus5 - neues Top-Smartphone zu kleinem Preis FOTO: dpa, tsn sir

System

Natürlich kommt das Honor 9 mit Android Nougat, leider in der nicht ganz aktuellen Version 7.0. Die von Huawei/Honor bekannte Oberfläche EMUI verrichtet ihren Dienst in der aktuellen Version 5.1. Gut, dass man dort mittlerweile den Apple-typischen Stil, alle Apps über die Startbildschirme zu verteilen, auch gegen eine Android-Ansicht mit App-Drawer austauschen kann.

Klasse ist auch die Möglichkeit - ebenfalls bekannt etwa vom P10 -, den Fingerabdrucksensor als einzigen Kontroll-Knopf einstellen zu können. Durch Drück- und Wischgesten lässt sich das Telefon dann bedienen, die drei Android-Tasten verschwinden.

Prozessor

Auch das Herz teilt sich das Honor 9 mit dem Huawei P10: Beide werden angetrieben vom hauseigenen Kirin 960 Octa-Core-Prozessor mit der exakt gleichen Taktung.

Samsung Galaxy S8 vs. LG G6 - Top-Smartphones im Vergleichstest FOTO: Christoph Schroeter

Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass wir damit im Test nicht einen Hänger hatten. Auch das gern für Performance-Tests genutzte Rennspiel Asphalt 8 konnte das Honor 9 nicht in die Knie zwingen.

Speicher

64 GB interner Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher stellen ausreichend Reserven zur Verfügung. Reicht es doch mal nicht, kann statt einer zweiten Sim-Karte eine bis zu 256 GB große Micro-SD-Karte eingelegt werden.

Akku

Die verbaute Batterie ist 3200 mAh groß. Damit kommt man problemlos über den Tag, auch bei recht ambitionierter Nutzung. Sollte der Saft doch einmal zu früh ausgehen, ist der Akku dank Schnellladefunktion in 30 Minuten wieder zu 40 Prozent befüllt. Der Hinweis, dass auch das P10 mit einem solchen Akku bestückt ist, ist schon fast überflüssig.

Kamera

Endlich ein Punkt, bei dem es - vermutlich - ein paar Unterschiede gibt. Bekanntermaßen wirbt Huawei unter anderem bei seinem P10 mit einer zusammen mit dem deutschen Unternehmen Leica entwickelten Kamera. Das steht auf dem P10 auch neben der Linse aufgedruckt. Beim Honor 9 steht dort "Dual Lens" und "Hybrid Zoom".

Eine Nachtaufnahme des Rheinkometen in Düsseldorf mit dem Honor 9. Ein Klick auf "Vergrößern" zeigt das komplette Bild. FOTO: Christoph Schroeter

Ob es sich nicht doch um die gleichen Linsen (12 MP RGB und 20 MP Monochrom) handelt, das wollte man uns bei der Präsentation des 9ers in Düsseldorf natürlich nicht bestätigen.

Die Foto-Ergebnisse jedenfalls können sich sehen lassen. Bei Tageslicht macht das Honor 9 klasse Bilder. Für die Nacht hat man bei Honor die Funktion "Night Vision" entwickelt, damit sollen auch im Dunkeln gute Fotos gelingen.

Unser Test zeigt: Beweist man eine ruhige Hand, sind die Nachtaufnahmen bei wenig Licht okay. Sie zeigen vergleichsweise wenig Körnung. Für einen Schnappschuss reicht es, wer mehr will, sollte dann doch zu einer Kamera greifen.

Die App ist die gleiche, wie man sie von Huawei kennt. Sie bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten und mehrere Motivprogramme, darunter einen 3D-Creator und einen Profi-Modus.

Etwas nervig bei der Selfie-Cam ist, dass sie immer mit Bokeh-Effekt und Verschönerungsprogramm startet.

Fazit

Das Honor 9 ist eine klare Empfehlung für alle, die ein Smartphone suchen, dass technisch einem Top-Gerät gleicht, preislich aber eher in der Mittelklasse angesiedelt ist. Abschrecken könnte den einen oder anderen vielleicht der verhältnismäßig kleine Bildschirm. Hantiert man sonst mit iPhone 7 Plus, Google Pixel XL oder dem Huawei P10 Plus herum, kommt er einem schon ein wenig klein vor.

Auch die von Fingerabdrücken übersäte Rückseite darf einen nicht abschrecken. Möglicherweise fallen die auf dem blauen Gerät nicht so stark auf wie auf unserem silberfarbenen Testgerät.

>>>Weitere Smartphone-Tests finden Sie hier

 
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