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Smartphone im Test
Huawei Mate 10 Pro - die Kamera denkt mit

Huawei Mate 10 - das KI-Smartphone
Huawei Mate 10 - das KI-Smartphone FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Mit dem Mate 10 Pro hat Huawei sein neues Flaggschiff auf den Markt gebracht. Die Chinesen setzen stark auf künstliche Intelligenz. Ob das 800 Euro teure Smartphone ein würdiger Nachfolger des Mate 9 ist und ob es in der Top-Liga mitspielen kann, zeigt unser Test. Von Christoph Schroeter
  • Display

Das sechs Zoll große Display des Mate 10 Pro bedeckt fast die gesamte Vorderseite des Geräts. Im oberen Rand sitzen Kamera und Hörmuschel, im unteren Rand nichts. Schade, da wäre vielleicht noch Platz für Lautsprecher gewesen, wie etwa beim Google Pixel 2 XL.

Verwunderlich ist auch, dass Huawei - wie schon beim Vorjahresmodell - noch immer nur auf Full-HD-Auflösung setzt. In diesem Fall ist es zwar eine sogenannte Full-HD+-Auflösung (2160 zu 1080 Pixel), weil es sich um einen Bildschirm im derzeit angesagten 18:9-Format handelt, doch das macht es auch nicht besser.

Google-Smartphones Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test FOTO: Christoph Schroeter

Das soll aber nicht heißen, dass es sich um ein schlechtes Display handelt. Ganz im Gegenteil: Es strahlt hell, die Farben werden ordentlich dargestellt und es ist auch sehr blickwinkelstabil. Doch auch beim Mate 10 Pro sieht man den Effekt, der beim Pixel 2 XL vielfach kritisiert wurde: Eine leichte Blauverschiebung der Farben, wenn man das Display kippt. Doch wie schon beim Google-Gerät, hat uns das auch hier nicht sonderlich gestört.

Das Problem der geringeren Auflösung liegt zum einen im Gefühl, da man viel Geld für ein Top-Gerät ausgegeben hat. Zum anderen könnten beim Einsatz in einer VR-Brille schon sichtbare Qualitätsunterschiede zu Tage treten.

  • Gehäuse

Das Mate 10 Pro liegt gut in der Hand. Es hat genau das richtige Gewicht, um nicht zu leicht zu wirken. Die Glasrückseite und der Metallrahmen sind ordentlich griffig, das Gerät droht nicht aus der Hand zu rutschen. Die glänzende Rückseite ist natürlich recht anfällig für Fingerabdrücke, aber dieses Manko teilt sich das Mate 10 Pro mit vielen anderen Geräten.

Was wir in Tests regelmäßig bemängeln: Lautstärkewippe und Ein-Aus-Schalter am der rechten Seite haben die gleiche, glatte Oberfläche und können so nicht gut unterschieden werden. Hier hat Huawei zwar aufgepasst und die Power-Taste leicht angeraut, aber leider so schwach, dass der Unterschied kaum spürbar ist. Schade.

Noch zwei weitere, kleine Kritikpunkte: Die Doppelkamera steht auf der Rückseite etwas scharfkantig aus dem Gehäuse hervor und den auf der Rückseite platzierten Fingerabdrucksensor hätte man vielleicht zwei Zentimeter weiter unten anbringen sollen - dann wäre er für kleine Hände besser erreichbar und Leute mit längeren Fingern würden nicht immer versehentlich die Kameralinse verschmieren.

iPhone X - sehr gut und sehr teuer FOTO: Christoph Schroeter
  • Kamera

Wie die Topgeräte der P-Serie von Huawei, so bekommen auch die Mates die gemeinsam mit Leica entwickelte Kamera verbaut. An der Doppellinse gibt es nichts auszusetzen. Sie bietet die von Huawei-Kameras bekannte Oberfläche mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten. Auch ein Profi-Modus kann aktiviert werden.

Der Porträt-Modus macht nicht ganz so beeindruckende Fotos mit Unschärfe wie etwa die Konkurrenz Pixel 2 XL, iPhone 8 Plus oder iPhone X. Die anderen Programm-Modi wie Nachtaufnahme oder Panorama bringen gute Ergebnisse hervor.

Wenn die Bilder insgesamt auch nicht ganz an das Niveau der zuvor erwähnten Konkurrenten heranreichen, so darf man die Kamera des Mate 10 Pro doch getrost als sehr gut gelungen bezeichnen.

Auch die Frontkamera macht gute Selfies, man sollte jedoch unbedingt von den teilweise standardmäßig aktivierten Beauty-Filtern und Verschönerungsoptionen Abstand nehmen.

Die neuen Smartphone-Modelle 2017 FOTO: dpa, tsn sir
  • Prozessor

Das Herzstück des Mate 10 Pro, der hauseigene Prozessor Kirin 970, sei hier einmal gesondert erwähnt. Darauf ist man bei Huawei recht stolz, handelt es sich dabei doch nach Unternehmensangaben um die erste mobile Plattform für Künstliche Intelligenz (KI).

Neben den acht Rechenkernen verfügt der Kirin 970 über eine sogenannte Neural Processing Unit (NPU). Diese soll dem Mate zu Maschinenlernfähigkeit verhelfen und mit Hilfe der vielen Sensoren am Smartphone Informationen schneller erkennen und verarbeiten.

Das hört sich beeindruckend an, doch trat das Wunderwerk der Technik im Test nur wenig in Erscheinung, arbeitete eher dezent im Hintergrund. Etwa beim Einsatz der Kamera. Mit ihrer intelligenten Objekterkennung weiß die Knipse, was vor der Linse ist und stellt sich entsprechend ein.

Das war es bislang mit KI, doch soll es schon bald mehr Einsatzgebiete geben, verspricht Huawei. Die Chinesen haben ihre neuralen Netzwerke auch für andere Entwickler geöffnet, also dürften weitere Anwendungen nicht lange auf sich warten lassen.

  • Technische Ausstattung

In Sachen Performance muss sich das Gerät nicht hinter der mit Qualcomms Snapdragon-835- oder Samsung-Prozessoren bestückten Konkurrenz verstecken.

Der fest verbaut Akku ist satte 4000 mAh groß und bringt das Gerät locker über den Tag, bei normaler Nutzung auch noch über einen Großteil des nächsten. Geht der Saft aus, sorgt die Schnellladung fix wieder für ausreichend Power.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: dpa, av tsn

Zwei interessante Details: Das Mate 10 Pro ist ein Dual-SIM-Gerät mit zwei vollwertigen Kartenschächten. Beide genutzten SIM-Karten können mit LTE funken.

Außerdem lässt sich das Mate 10 Pro per Kabel mit einem Monitor verbinden und schaltet dann in eine Art Desktop-Modus, ähnlich wie man das früher von einigen Windows-Phones oder aktuell vom Samsung Galaxy S8 kennt. Mit Bluetooth-Maus und -Tastatur wird das Gerät zum PC-Ersatz, lässt sich aber gleichzeitig noch normal als Smartphone bedienen. Ein spannender Ansatz.

Die Speicherausstattung ist mit 6 GB RAM und 128 GB intern üppig ausgefallen. Erweitern lässt sich der Speicher jedoch nicht.

Angetrieben wird Mate 10 Pro von Android 8 Oreo und der hauseigenen Oberfläche EMUI. Die hat einen Versionssprung von 5.1 auf 8 hingelegt. Das dürfte aber weniger an revolutionären Änderungen, als vielmehr an einer Angleichung an die Android-Versionsnummer gelegen haben.

  • Fazit

Das Huawei Mate 10 Pro ist ein Smartphone, das problemlos in der Spitzenklasse mitspielen kann. Es hat uns insgesamt nicht ganz so überzeugt wie im vergangenen Jahr das Mate 9. Das liegt aber wohl weniger am Gerät selbst als vielmehr an der üppigen Konkurrenz. Immerhin bleibt das Smartphone mit einem Startpreis von 799 Euro im Rahmen, verglichen etwa mit dem iPhone X oder den Pixel-2-Geräten.

Die Möglichkeit, das Smartphone als PC-Ersatz einsetzen zu können, bieten nur wenige Konkurrenten. Wie stark das Feature tatsächlich genutzt wird, wird sich zeigen müssen. Interessant bleibt auch, wie sich die KI-Fähigkeiten des Mate 10 Pro entwickeln. Das könnte noch spannend werden.

 
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