| 14.24 Uhr

Smartphone im Test
Das Nubia Z17S ist ein Speicherriese mit Übersetzungsschwächen

Nubia Z17S - Smartphone mit viel Speicher & Vierfach-Kamera
Nubia Z17S - Smartphone mit viel Speicher & Vierfach-Kamera FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Die hierzulande noch recht unbekannte Smartphone-Marke Nubia möchte mit ihrem Flaggschiff Z17S der Konkurrenz im Top-Segment das Fürchten lehren. Ob das gelingt, zeigt unser Test. Von Christoph Schroeter
  • Display

Nach dem Einschalten des Nubia Z17S fällt sofort das große Display auf, das seitlich kaum Rand stehen lässt, oben und unten lediglich schmale Streifen. Mit einer Größe von 5,7 Zoll entspricht der TFT-Bildschirm den gängigen Abmessungen der Oberklasse-Smartphones.

In Sachen Auflösung liegt das Display allerdings doch etwas zurück, bringt nur 2040 x 1080 Pixel zum Leuchten. Ungewöhnlich: Es handelt sich dabei um ein Bildschirmformat irgendwo zwischen 16:9 und 18:9.

Android-Smartphones - diese Tipps & Tricks kennt nicht jeder FOTO: Christoph Schroeter

Die Anzeige ist zwar schön scharf, doch im direkten Vergleich etwa mit einem Google Pixel 2 Xl oder einem iPhone X werden Unterschiede sichtbar. Helligkeit und Farbdarstellung  überzeugen.

  • Gehäuse

Die Vorderseite des Nubia Z17S wird komplett vom Glas-Display bedeckt, die Rückseite besteht aus Metall, über das eine Glasschicht gelegt wurde. Das sieht nicht nur sehr schick aus, das polierte Metall unter dem Glas erlaubt es sogar, das Nubia als Spiegel zu nutzen. Doch auch das Z17S teilt das Schicksal der meisten Smartphones mit glänzenden Rückseiten: Es ist sehr anfällig für Fingerabdrücke - was auch die Eigenschaft als Spiegel wieder etwas schmälert.

Eine nette Idee ist es, die knapp einen Millimeter aus dem Gehäuse hervorstehende Doppelkamera auf der Rückseite mit einem schmalen, roten Rahmen zu versehen. Der Fingerabdrucksensor wurde auf der Rückseite zwar optimal platziert, jedoch ist dessen Vertiefung so gering ausgefallen, dass der Finger vor dem Entsperren erst suchend über den Nubia-Rücken fahren muss.

Honor 9 Lite - Smartphone mit vier Kameras FOTO: Christoph Schroeter

Eine etwas merkwürdige Idee hatten die Designer beim umlaufenden Metallrahmen. Auf der Vorderseite zwischen Display und Rahmen sowie besonders zwischen Glasrücken und Rahmen finden sich sehr markante Kanten. Die stören beim Halten und sind so scharf, dass man daran seine Fingernägel feilen kann. Dadurch wird der sonst positive Gesamteindruck des Gehäuses deutlich geschmälert.

  • Kamera

Gleich vier Kameras hat das Nubia Z17S im Angebot, zwei vorn, zwei hinten. Während die Hauptkamera mit 12 MP auflöst, steht ihr eine 23-MP-Zweitkamera zur Seite. Die sammelt zusätzliche Informationen, wie etwa die Tiefenschärfe, und sorgt dafür, dass auch das Z17S den so beliebten Bokeh-Effekt beherrscht. Dabei wird das Objekt scharf abgebildet, der Hintergrund verschwimmt. Dieser von Smartphones künstlich errechnete Bokeh-Effekt hat oft unschöne Übergänge zwischen Objekt und Hintergrund. Die Ergebnisse beim Nubia können sich aber sehen lassen, die Elektronik macht einen guten Job.

Die von uns gemachten normalen Aufnahmen sind okay, kommen aber nicht an die Ergebnisse der Top-Smartphone-Liga heran. Dazu sind die Farben etwas zu blass, Texturen verschwimmen schnell zu Farb-Breien.

In der Kamera-App finden sich zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Bei vielen muss man raten, was sie wohl bezwecken mögen. So gibt es unter dem bereits merkwürdigen Menüpunkt "Kamera-Familie" etwa Dinge wie "Licht-Draw", "Elektronischer FNO" oder "DNG". Tippt man auf "DNG" hat man im Sucher die Wahl zwischen "Richtig" und "Übrig". Mmmhh...

Die neuen Smartphone-Modelle 2018 FOTO: Huawei

Ebenfalls ein Unding: Standardmäßig ist ein Wasserzeichen aktiviert, auf jedem Foto steht unten links "Neovision powered bei Nubia". Was bitte soll das? Ungeübte Nutzer werden erst einmal eine Zeit in den Menüs suchen müssen, um die Funktion zu deaktivieren (in der Kamera-App oben links auf das "Zahnrad" >>> "Weitere Einstellungen" >>> Wasserzeichen")

  • Speicher und Prozessor

Angetrieben wird das Nubia von Qualcomms Vorjahres-Top-Prozessor Snapdragon 835. Der leistet noch immer ausgezeichnete Arbeit, an der Performance des Smartphones gibt es nichts zu meckern. Zumal den acht Kernen des Chips auch noch satte 8 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. 

Auch beim internen Speicher zeigt sich Nubia großzügig: 128 GB sind verbaut, davon stehen dem Nutzer 108 GB zur Verfügung. Sollte es dennoch knapp werden, kann per Micro-SD-Karte nachgerüstet werden - jedoch wie so oft auf Kosten der Dual-SIM-Funktion.

  • Software

Abgesehen von ein paar Extras hat Nubia ein recht nacktes Android auf dem Z17S installiert. Das ist durchaus positiv, öffnet es doch die Tür für schnellere Updates. Die sind auch dringend angeraten, denn das Gerät kommt lediglich mit der bereits ziemlich alten Android-Version 7.1.1. Das letzte Sicherheitsupdate ist vom 1. Oktober 2017. Das ist für ein Smartphone, das in der Top-Liga mitspielen möchte, eine eher schwache Vorstellung.

Erfreulich ist, dass Nubia dem Nutzer kaum Fremd-Apps aufzwingt. Was stört, kann deinstalliert werden.

MWC 2018 - Sony Xperia XZ2, das Entertainment-Smartphone FOTO: dpa, tsn
  • Akku

Der Akku ist mit 3100 mAh ausreichend. Im Test sind wir damit problemlos über den Tag gekommen. Per USB-C-Kabel kann er zudem schnell wieder aufgeladen werden.

  • Und sonst

Mit dem "Kantengesten" genannten Feature haben sich die Entwickler eine praktische Funktion einfallen lassen. Wischt man an einer Seite nach oben oder unten, wechselt man durch alle geöffneten Apps, ein schnelles Hin- und Herwischen schließt alle außer der aktiven App und ein Wischen an beiden Kanten steuert die Helligkeit des Displays. 

Was schon bei der Kamera aufgefallen ist, wiederholt sich an vielen Stellen im Gerät: Menüpunkte sind merkwürdig übersetzt, unverständlich abgekürzt oder die Beschreibung bricht einfach ab, ohne dass sich die Funktion dahinter erschließt. Bleibt zu hoffen, dass es sich bei unserem Gerät noch um ein Vorserienmodell handelt, die Fehler vor Verkaufsstart noch beseitigt werden.

Einen Kopfhöreranschluss hat das Nubia nicht.

  • Preis & Veröffentlichung

Das Nubia Z17S soll in Deutschland ab April im Handel sein. Mit 599 Euro ist es kein Schnäppchen. Hierzulande ist es in Aurora Blue zu bekommen.

  • Fazit

Das Nubia Z17S ist für Leute, die ein Gerät etwas unterhalb der Spitzenklasse suchen, durchaus eine Beachtung wert. Der recht hohe Preis von 599 Euro dürfte schnell fallen, was das Gerät dann noch attraktiver macht. Da Nubia noch recht neu am deutschen Markt ist, bleibt abzuwarten, wie schnell die Tochter des chinesischen Herstellers ZTE Updates für ihre Geräte liefert - bei einem Flaggschiff mit Android 7.1.1 hoffentlich recht schnell.

Die merkwürdigen Menüeinträge müssen vor Marktstart unbedingt noch bearbeitet werden, sonst macht man sich lächerlich.

Insgesamt bekommt man ein sehr gut ausgestattetes Smartphone. Interessenten sollten aber auch einen Blick auf die Top-Smartphones des Vorjahres werfen, etwa Samsung Galaxy S8, Huawei P10 oder Google Pixel 2.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Smartphone im Test: Nubia Z17S - Speicherriese mit Übersetzungsschwächen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.