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Mit dem Smartphone auf Reisen
Roaming im Urlaub - das müssen Sie wissen

Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt
Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Dank der neuen Roaming-Richtlinie der Europäischen Union wird die Handynutzung im EU-Ausland endlich günstiger. Doch es gibt trotzdem einiges zu beachten.  Von Christoph Schroeter

Seit 30. April 2016 gelten für das EU-Ausland neue Kostenobergrenzen und Maximalaufschläge auf den Inlandstarif für Roaming. Damit werden sowohl Surfen als auch Telefonieren günstiger. Der voreingestellte Tarif entspricht bei einigen Anbietern allerdings nicht automatisch der EU-Richtlinie (Base und O2). Dieser ist aber auch nicht immer die günstigste Wahl.

Wer seine Handynutzung im Ausland nicht auf ein Minimum begrenzt, telefoniert und surft trotz neuer EU-regulierter Tarife mit Tages- oder Wochenpässen in der Regel am günstigsten.

O2-Kunden, die auf Reisen innerhalb der EU überall mobiles Internet nutzen wollen und dabei 50 MB pro Tag verbrauchen zahlen etwa mit dem EU-regulierten Tarif "Roaming Basic" 11,50 Euro (0,23 Euro/MB), teilt das Portal Check 24 mit. (Update 1. Juli 2016: Auf Druck der Bundesnetzagentur senkt Telefónica Deutschland die Roaming-Gebühren für Handytelefonate im EU-Ausland.Statt 20 Cent pro Gesprächsminute und 23 Cent je Megabyte beim Internet-Surfen kassiert die O2- und Base-Mutter von Flatrate-Kunden mit Standardtarif ab sofort nur noch knapp 6 Cent Zusatzgebühr pro Einheit. Der Preis für eine SMS wird von 7 auf 2,4 Cent gesenkt.)

Apple iPhone - Bilder aller Modelle FOTO: dpa, John G. Mabanglo

Bleibt der Verbraucher dagegen im voreingestellten Tarif "O2 Travel Day Pack & Reise Option" kostet das gleiche Datenvolumen 1,99 Euro pro Tag. Hier ist die voreingestellte Option 83 Prozent günstiger als der EU-regulierte Tarif. Auch wenn der voreingestellte Tarif den Vorgaben der EU entspricht, können buchbare Optionen je nach Nutzungsverhalten weniger kosten.

Kostenfallen innerhalb Europas

Vorsicht an der Grenze zu Nicht-EU-Ländern - etwa zur Schweiz oder zur Türkei. Dort könnte sich das Handy versehentlich in ein fremdes Netz einwählen. "Da greift die Regelung natürlich nicht", sagt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (ECC). Er empfiehlt, an den EU-Außengrenzen die automatische Netzauswahl unbedingt auszustellen - und bei einem längeren Aufenthalt eine ausländische SIM-Karte zu kaufen.

Auch Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen sollten auf ihre Verbindungen achten: "Die EU-Roamingkosten gelten nicht für Schiffe oder im Flugzeug. Da gibt es keine Preishöchstgrenzen", sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Grund: Die dortigen Schiffsnetze nutzen teure Satellitenverbindungen.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: dpa, neb kj crk

Hierdurch können unbemerkt Kosten von bis zu 10 Euro pro Minute entstehen. Datenverbindungen sind noch teurer: In einem Fall hatte ein Mobilfunkbetreiber laut der Berliner Verbraucherzentrale bei einem Kreuzfahrtpassagier rund 21 Euro für ein Megabyte abgerechnet.

Roaming-Kostenfallen lauern vor allem außerhalb der EU

Außerhalb der EU sind die Preise für Roaming nicht reguliert. Anrufe aus der Schweiz, Ägypten, Thailand oder Tunesien nach Deutschland kosten bis zu 3,04 Euro pro Minute, ein MB Datenvolumen bis zu 19,25 Euro. Ein Vergleich der Tarifoptionen lohnt daher besonders bei Reisen außerhalb der EU.

Ein Türkei-Urlauber, der für 30 Minuten nach Deutschland telefoniert, zahlt bei Vodafone in der Voreinstellung "Vodafone World" 58,20 Euro (1,94 Euro/Min.). Mit der alternativen Option "EasyTravel Tag" kostet das Telefonat nur 2,99 Euro (50 Min./Tag inklusive). Eine Ersparnis von 95 Prozent.

Für das mobile Surfen gilt: Egal ob Verbraucher im voreingestellten Tarif oder mit einer gebuchten Option surfen, die Kosten für die Internetnutzung sind durch einen "Kostenairbag" weltweit auf maximal 59,50 Euro begrenzt, sofern nichts anderes mit dem Mobilfunkbetreiber vereinbart wurde, rechnet Andreas Quauke von Check 24 vor.

Das Apple iPad Pro 9,7 im Test FOTO: Christoph Schroeter

Für das mobile Surfen gilt: Egal ob Verbraucher im voreingestellten Tarif oder mit einer gebuchten Option surfen, die Kosten für die Internetnutzung sind durch einen "Kostenairbag" weltweit auf maximal 59,50 Euro begrenzt, sofern nichts anderes mit dem Mobilfunkbetreiber vereinbart wurde.

Auslandsoptionen: bei der Tarifwahl auf die Laufzeit achten

Verbraucher sollten bei der Tarifwahl darauf achten, welche Laufzeit die Auslandsoption ihres Mobilfunkanbieters hat. Pakete mit monatlicher Zahlweise und längeren Laufzeiten lohnen sich nur für Reisende, die regelmäßig für längere Zeit im Ausland ihr Smartphone nutzen. Für Normalurlauber sind häufig Tages- oder Wochenpässe die günstigste Alternative.

In der Vodafone-Option "EasyTravel Tag" können Urlauber beispielsweise für 2,99 Euro pro Tag im EU-Ausland, der Schweiz oder in der Türkei bis zu 500 Minuten telefonieren und ihre Datenflat aus dem Inlandstarif ohne zusätzliche Kosten nutzen.

Nutzer, die im Urlaub mobil surfen, gehen auf Nummer sicher, wenn sie automatische Updates ihres Smartphones und der installierten Apps deaktivieren und möglichst WLAN vor Ort nutzen, rät Quauke. Hierbei sollten allerdings keine sensiblen Daten wie Kreditkartennummern oder Bankdaten eingegeben werden, da die Informationen im WLAN leicht ausgespäht werden können. 

Sonderfall Brexit

Sobald Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist, könnten auf Reisende dort höhere Mobilfunkkosten zukommen. Denn innerhalb der EU sollen 2017 zwar die Roaming-Kosten komplett entfallen.

Für Großbritannien müssen Mobilfunkanbieter diese Vorgabe nach dem Brexit aber theoretisch nicht umsetzen, erklärt Thorsten Neuhetzki vom Telekommunikationsportal "Teltarif.de". "Unter Strich könnte das Telefonieren und Surfen für Mobilfunkkunden in Großbritannien nach dem Brexit teurer werden", erwartet der Experte.

Zu der Frage, wie Großbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union tariflich behandelt werden könnte, wollten sich die großen Mobilfunkanbieter Telekom, Telefónica (O2/E-Plus) und Vodafone auf Anfrage zunächst nicht äußern.

Was passieren kann, zeigen die Beispiele anderer europäischer Nicht-EU-Länder wie der Schweiz oder Norwegen. Diese gruppieren viele Mobilfunkanbieter derzeit trotzdem in den Euro-Tarif ein - manche aber auch nicht.

Allerdings gilt das alles erst nach dem Brexit - "solange dieser nicht vollzogen ist, ändert sich nichts."

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