Mehrere benutzen: Vergleichsrechner nicht immer objektiv
VON WOLFGANG SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008Düsseldorf (RP). Im Internet findet sich für alles ein Vergleichsrechner: Versicherungen, Autos, Staubsauger. Wer ein objektives Ergebnis will, sollte immer mehrere Rechner benutzen.
Nichts scheint einfacher, als im Internet den preiswertesten Versicherer oder Waschmaschinen-Verkäufer zu finden. Im Netz tummeln sich zig Datenbanken, die Policen, Tarife und Produktpreise der verschiedenen Anbieter miteinander vergleichen. Die Betreiber der Rechner bieten ihre Dienste in der Regel kostenlos an und gerieren sich als unabhängig und objektiv. Doch eine Gewähr dafür haben Verbraucher nicht.
Oft berücksichtigen Internetrechner, etwa in der Versicherungsbranche, nur eine geringe Zahl von Anbietern und Tarifen. Laien müssten schon ganz genau hinschauen, um per Onlinecheck eine passende und dazu noch preisgünstige Police zu ergattern, warnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Ein Beispiel: Wenn im Tarifvergleich kein Direktversicherer auftaucht, deutet das darauf hin, dass der Rechner vor allem provisionsorientierte Versicherungsunternehmen auflistet, so Wortberg. Das eine oder andere Unternehmen soll dem Betreiber von Rechnern sogar eine Provision zahlen, falls es bei Suchanfragen vorne landet, heißt es. Das ist für die Verbraucher meist nicht zu erkennen, rügen Verbraucherschützer.
Vorsicht bei Versicherungen
Sie mahnen daher generell zu Vorsicht bei Versicherungs-Rechnern. Zu unterschiedlich seien deren Ergebnisse und ihre Finanzierung. Mal komme das Geld wie bei Versicherungschecks über Vermittlungsprovisionen herein, mal finanzierten sich die Portale über die Veröffentlichung von Werbung. Oder die Betreiber der Rechner verkauften die Daten der Nutzer an Stromversorger, sagt Holger Brackemann, Abteilungsleiter für Produkttests bei der Stiftung Warentest.
Was macht gute Vergleichsrechner für Versicherungen aus? Sie führen auch Anbieter, die keine Provision zahlen. Und die Top Ten einer Branche, wie sie etwa die Stiftung Warentest ermittelt, dürften bei einem guten Check auch nicht fehlen, meinen die Experten. Sie raten: Schnäppchenjäger sollten sich nicht auf ein Portal verlassen, sondern immer mehrere nutzen. Wenn diese zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, sollten die Kunden persönlichen Rat einholen, empfehlen selbst Vertreter der Versicherungsbranche. Vor allem bei beratungsintensiven Policen wie etwa zur Berufsunfähigkeit oder der Altersvorsorge reichten Onlinechecks nicht aus, so Wortberg.
Stromtarife enorm aufwändig
Ein anderes Manko entdeckte die Stiftung Warentest bei manchen Stromtarifrechnern. Sie weiß aus Branchenkreisen, dass Unternehmen versuchen, Tarife eigens so zu stricken, dass sie von den typischen Suchanfragen bei Vergleichschecks möglichst gut und oft erfasst werden.
Einen Vergleichsrechner für Stromtarife zu erstellen und zu betreiben, erfordere einen immensen Aufwand, sagt auch Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Allein auf dem deutschen Strommarkt tummelten sich mehr als 900 Anbieter mit 8300 Tarifen, die sich ständig änderten und von den Betreibern der Portale berücksichtigt werden müssen. Als Gebot der Transparenz fordert Peters deshalb garantiert unabhängige Tarifrechner mit einheitlichem Gütesiegel, wie es sie beispielsweise in Großbritannien und Österreich bereits gibt.
Bis dahin sollten Verbraucher sich auf Experten-Empfehlungen verlassen. Die Zeitschrift Ökotest verweist auf ihren Testsieger, einen Onlinerechner von verivox.de. Die Stiftung Warentest rät, mehrere Tarifchecks zu nutzen. Zudem sollten Kunden bei Stromverträgen nicht nur Preise vergleichen, sondern auch auf kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen achten.
Neben einem Rechner zu günstigen Stromtarifen in der Region offeriert die nordrhein-westfälische Landesregierung unter stromanbieterwechsel.nrw.de seit März auch Infos, wie die Ergebnisse von Onlinerechnern zu bewerten sind. Das soll den Verbrauchern helfen, leichter ihren Anbieter zu wechseln.
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