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Webvideopreis 2017
Der Oscar einer neuen Generation

Webvideopreis 2017: Der Oscar einer neuen Generation
FOTO: RP
Düsseldorf. Wer einen Webvideopreis bekommt, das entscheiden zur Hälfte die Zuschauer und zur Hälfte die Academy. Doch wer steckt dahinter? Von Isabelle de Bortoli

31.000 Videos: Unter dieser gewaltigen Zahl hat die Academy des Webvideopreis Deutschland in diesem Jahr die Entscheidung treffen müssen, wer für einen der begehrten Preise nominiert wird. Denn so viele Vorschläge wurden über die Website webvideopreis.de eingereicht – hinzu kamen noch eigene Vorschläge aus den Reihen der Academy.

Die Academy des Webvideopreis Deutschland setzt sich aus den Nominierten und Gewinnern der vergangenen Jahre zusammen. Wer nominiert war oder gewonnen hat, wird zunächst in die Academy eingeladen. Wer zusagt, gehört dann zu den – in diesem Jahr – 144 Personen, die die kommenden Nominierten festlegt und auch über die Preisträger mitbestimmen kann.

Mitglied der Academy zu sein ist eine große Ehre. Mit noch größerer Verantwortung

Teil der Academy sind die größten, besten und beliebtesten Social-Media-Macher und Internet-Kreative Deutschlands. "Mitglied der Academy zu werden ist nicht einfach. Aber dafür eine große Ehre. Mit noch größerer Verantwortung. Denn: Die Academy legt die Nominierungen für den Webvideopreis fest. Die Gewinner werden jeweils zur Hälfte von der Academy selbst und einem Publikumsvoting durch die Community bestimmt", sagt Markus Hündgen, neben Dimitrios Argirakos einer der Gründer des Webvideopreis Deutschland.

Beide haben sich für den Webvideopreis an den Oscars orientiert – allerdings mit einer entscheidenden Veränderung: "Wir wollten eine Struktur, die den Markt abbildet, aber gleichzeitig das Publikum mitnimmt", sagt Dimitrios Argirakos. "Denn das Publikum spielt in unserem Markt die zentrale Rolle: Es kommuniziert mit demjenigen, der das Video macht, gibt ein unmittelbares Feedback. Man kann quasi von einer Symbiose zwischen Produzent und Zuschauer sprechen."

Und so kann das Publikum zur Hälfte über die Gewinner mitentscheiden, in dem es über das Internet seine Stimme seinem Favoriten gibt. Gemeinsamkeiten mit der Gründung der Oscars 1929 gebe es aber auch: "Genauso wie damals wollen wir eine Branche abbilden. Allerdings wächst unser Markt heute natürlich in ganz anderen Dimensionen – die Veränderungen von Jahr zu Jahr sind riesig. Dagegen waren die einschneidenden Zeitsprünge in Hollywood doch etwas weiter auseinander", sagt Dimitrios Argirakos. "Ähnlich ist jedoch die Entwicklung von Stars, die es in der Filmindustrie damals ebenso gab wie heute im Netz."

Erst, wenn drei Nominierte pro Kategorie feststehen, hat die Academy ihre Arbeit getan

Bevor am heutigen Abend die Gewinner in 25 Kategorien verkündet werden, hatte die Academy eine Menge Arbeit: Trifft sie sich zur sogenannten Nominierungsversammlung, kann es spät werden. Denn es wird viel Material gesichtet und noch mehr diskutiert: Erst, wenn drei Nominierte pro Kategorie feststehen, hat die Academy ihre Arbeit getan. Denn zu den eingereichten Vorschlägen kommen auch noch Vorschläge der Academy selbst hinzu – wer nicht persönlich vor Ort ist, hinterlässt eine Videobotschaft, in der er seinen Vorschlag begründet.

In einer zweiwöchigen Einreichungsphase von Ende Januar bis Anfang Februar konnte jeder seine Favoriten über ein Formular unter webvideopreis. de benennen. Dabei konnten sowohl Creators sich selbst, als auch Fans ihre Stars vorschlagen. Dann traf sich die Academy im Februar an zwei Tagen in Düsseldorf, um die Nominierten festzulegen.

"Die Academy ist ständig in Bewegung, weil Menschen dazukommen und auch ausscheiden", sagt Markus Hündgen. "Und über die Jahre entwickeln sich die Persönlichkeiten der Mitglieder weiter. Alle zusammen sind sie ein Spiegelbild der Netzgesellschaft." So sei ein Mitglied der Academy beispielsweise ausgeschieden, weil das Studium und das Filmemachen nun beendet seien – er arbeite nun als Arzt.

Und auch die ersten Plätze in der "Hall of Fame" der Webvideopreis- Academy sind inzwischen vergeben: Y-Titty haben sich mit Mitte 20 aus der Branche zurückgezogen. "Da unterscheiden wir uns natürlich von den Oscars", sagt Hündgen. "Wer da sein Lebenswerk vollbracht hat, ist eben auch entsprechend alt."

Wer nominiert wird, welche Kategorien es überhaupt gibt, darüber wird in der Academy hitzig debattiert. "Wir reden über Hunderte von Nischen", sagt Markus Hündgen. "Das Netz abzubilden ist sehr schwierig. Es gibt unter den Machern von heute schon erste Debatten darüber, ob das, was etwa auf Snapchat hochgeladen wird, überhaupt den Qualitätskriterien eines Webvideos entspricht, und ob die Macher dieser Videos eine Nominierung verdienen. Aber: Diese Debatten müssen wir führen. Es gibt immer mehr Plattformen mit jeweils eigenen Communitys – und diese Welten zusammenzubringen, ist eine Herausforderung."

Die Präsidenten

Die Academy des Webvideopreises verfügt über einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten, die das Gremium leiten und koordinieren. Präsident ist in diesem Jahr Jan Winter. Er gründete im Jahr 2010 auf Youtube den Kanal "61 Minuten Sex". Die Videos haben teilweise mehrere Millionen Zuschauer erreicht. Jan Winter (geboren 1980) ist Physiotherapeut und Sexualpädagoge. Sein Name ist ein Pseudonym, dass bewusst an den legendären "Dr. Sommer" aus der Jugendzeitschrift "Bravo" erinnern soll. In den Videos von "61 Minuten Sex" geht es um sämtliche Fragen zum Thema Sexualität, meistens wird auf Themen eingegangen, die sich die Community wünscht.

Oguz Yilmaz ist Vizepräsident der Academy. Mit seinen Freunden Philipp und TC gründete er gemeinsam als Y-Titty den (mit über drei Millionen Abonnenten und über einer Milliarde Aufrufen) erfolgreichsten deutschen Comedy-Kanal auf Youtube. Heute gibt er sein Wissen in Buchform weiter ("Die Geheimnisse erfolgreichen Youtube-Marketings") und hat eine eigene Kreativagentur. Als Digitalexperte berät Yilmaz Firmen in Sachen Social Media. Y-Titty gehörte zu den Kanälen der ersten Stunde und gründete sich bereits im Jahr 2006. Ende 2015 gab das Trio seine Auflösung bekannt.

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