Düsseldorf: Autohändler trotzen der Krise

VON SVEN DURGUNLAR UND THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009 - 14:35

Düsseldorf (RP) Während viele Autoverkäufer unter der Finanzkrise leiden, hofft Smart-Händler Michael Mathes trotz der drohenden Rezession auf gute Umsätze. Die macht auch ein US-Autohändler in Heerdt – obwohl die amerikanischen Hersteller mit der Pleite ringen.

Michael Mathes überlegt sich gern originelle Verpackungen für seine Smarts. Die Krise konnte auch ihm bislang nichts anhaben. Foto: Rp, Thomas Busskamp
Michael Mathes überlegt sich gern originelle Verpackungen für seine Smarts. Die Krise konnte auch ihm bislang nichts anhaben. Foto: Rp, Thomas Busskamp

Das. Zauberwort ist „Down sizing“. Der alte Ausdruck der Automobilbranche besagt: Je skeptischer die Zukunftserwartungen sind, desto mehr Kleinwagen werden verkauft. Momentan wird er wieder einmal bestätigt. „Die Zahl der verkauften Kleinwagen ist im vorigen Jahr stark gestiegen“, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Deutschen Kraftfahrzeug-Gewerbes. „Es wird wieder schick, kleine und umweltfreundliche Wagen zu fahren.“ Ein Trend, von dem etwa Smart-Händler Michael Mathes profitiert. Der Verkaufsleiter im Smart-Autohaus am Mörsenbroicher Ei hofft trotz der drohenden Rezession auf gute Umsätze. Denn der Händler des kleinsten deutschen und vor allem bei jungen Fahrern beliebten Autos sieht sich darin bestätigt, dass die Zeiten der großen spritfressenden Limousinen gezählt sind.    

Klaus Schmitz macht die Autokrise keine Angst. Der US-Autohändler verkauft weiterhin problemlos amerikanische Jeeps. Foto: RP, Thomas Busskamp

„Die Leute gucken genauer hin“

Der Smart passt in jede Parklücke und verbraucht weniger als manche Limousine. Daher ist er vor allem als Zweitwagen beliebt. Hinzu kommt als Kaufanreiz für eher kleine Autos die drohende Rezession: „Die Leute gucken genauer hin, wie sie ihr Geld ausgeben“, sagt Mathes. Er sieht sich im Vergleich zu vielen anderen Autohäusern im Vorteil. „Wir hoffen, besser aus der Krise zu kommen als viele andere.“

Knapp 10 000 Euro kostet der günstigste Smart. Wer die Luxusvariante mit allen Extras will, muss rund das Fünffache auf den Tisch legen. Denn neben dem Trend zum Kleinwagen haben Experten ein zweites Phänomen ausgemacht: „Der Wagen soll zwar klein sein, aber mit allen Extras ausgestattet“, sagt Blümer. Immer mehr Kunden bestellen sich in der Grundausstattung günstige Autos, rüsten sie aber mit Extras wie Navigationssystemen und Sitzheizung aus.



Spaß macht der Kleinwagen aber nur im Stadtverkehr: Auf Langstrecken lässt er den Komfort vermissen. Smart versucht sich der veränderten Nachfrage anzupassen: Das Modell wurde vergrößert, das Auto dem Ursprungsmodell wieder ähnlicher und komfortabler gestaltet. Jetzt erwartet Mathes für 2009 ein ähnlich gutes Geschäft wie zuvor. „Das Geld ist da, die Leute sind nur momentan verunsichert“, sagt er.

Auch Klaus Schmitz ist alles andere als griesgrämig. Er verkauft US-Schlitten von Chrysler, Dodge und Jeep. Sein Autohersteller ringt mit der Pleite. Angeblich stapeln sich die Fahrzeuge auf den Höfen der Händler. Doch Klaus Schmitz ist fröhlich. Er hat einen Weg gefunden, mit der Krise umzugehen: „Wir verkaufen Autos für Individualisten“, sagt er, und lehnt an einem riesigen Jeep Commander, mit fünf Litern Hubraum, der sogar den Verbrauch der meisten Kleinwagen toppt. „Wir verkaufen schon weniger Autos, aber wir blicken durchaus positiv in die Zukunft“, sagt Schmitz. Woher nimmt der Verkaufsleiter des Autosalons am Park in Heerdt seinen Optimismus? Während in Amerika Chrysler Jedermannautos sind, bedienen die Autobauer in Deutschland eine Nische. Dodge-, Chrysler- oder Jeep-Fahrer seien Menschen mit einer Leidenschaft für Automobile, die sich von der Masse der Einheitsfahrzeuge abheben, sagt Schmitz. Vans, Geländewagen für die Straße, außergewöhnliche Limousinen – deren Fans kaufen offenbar auch während der Autokrise.

Einer der Renner ist der Chrysler 300 C. Eine typisch amerikanische Limousine: groß, selbstbewusst, wuchtig. Erhältlich mit V8-Motor und 6,1 Liter Hubraum. Dem Chrysler-Verkäufer kommt mitten in der Autokrise die niedrigen Spritpreise zugute. Damit ist das Hauptargument gegen große, sprit-schluckende US-Autos entkräftet.

Ein weiterer Grund, warum Schmitz keine sorgenvolle Miene zieht, ist erst durch die Krise entstanden. „Für uns sind die Einkaufspreise der Fahrzeuge stark zurückgegangen. Diesen Preisvorteil können wir an die Kunden weitergeben“, meint Schmitz. Und offenbar nutzen einige die Chance, so preiswert wie nie zuvor an ihr Traumauto zu kommen. Die Rabatte sind beachtlich. Der Geländewagen Jeep Commander etwa kostet normalerweise knapp 55 000 Euro. Momentan ist er für weniger als 39 000 Euro zu haben – also 30 Prozent günstiger. „Wir sehen die Zukunft nicht schwarz“, sagt Schmitz. Das gelte für seine Wagen in Düsseldorf genauso wie für den Hersteller in Detroit. „Chrysler ist einfach zu groß, um von der Bildfläche zu verschwinden.“ Das scheint auch für die Modelle zu gelten.

Quelle: RP

 
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