Düsseldorf (RP) Uwe Plath und Günther Lucia holten dringend notwendige Hilfe für ihren Nachbarn, der tagelang bewegungsunfähig in seinem Haus gelegen hatte. Das Jaulen seines Hundes ließ Plath und Lucia die Polizei rufen.
Günther Lucia (l., mit Cairn-Terrier Kerry) und Uwe Plath (mit Schäferhund Alja) vor dem Haus von Manfred Hartenstein. Foto: RP, Christoph Göttert
Noch eine Nacht hätte Manfred Hartenstein* vielleicht nicht überlebt. Mindestens drei Tage dürfte er hilflos in seiner Fleher Wohnung gelegen haben, ohne sich bemerkbar machen zu können. Dass er überhaupt noch am Leben ist, verdankt Hartenstein zwei Spaziergängern – und seinem Hund Leo.
Hartenstein lebt, weil die zwei Männer sich Sorgen um ihn machten. Uwe Plath (66), Imker aus Flehe und Hartensteins Nachbar, hatte am Freitagabend seinen Bekannten Günther Lucia (74) aus Bilk auf dem Fleher Deich getroffen. Beide waren mit ihren Hunden unterwegs. „Wir kamen ins Plaudern“, erinnert sich Lucia, „und dann erzählte ich, dass ich glaubte, dem Manfred gehe es schlecht.“
Lucia kümmert sich seit Jahren um den allein lebenden, etwa 65-jährigen Hartenstein, bringt ihm zum Beispiel täglich die Rheinische Post. Vorige Woche stapelten sich plötzlich die Zeitungen vor der Tür – für den aufmerksamen Lucia ein Alarmsignal.
Plath und Lucia untersuchten Hartensteins Häuschen, klopften ans Fenster. „Von Manfred war nichts zu sehen und zu hören – aber der Hund jaulte so verzweifelt“, erzählt Plath: „Ich kenne Leo seit Jahren, das war ganz untypisch.“ Plath reagierte richtig und rief die Polizei. Die inspizierte das Haus und holte die Feuerwehr dazu, die die Tür aufbrach. Ein Notarzt versorgte Hartenstein vor Ort.
„Sein Aussehen vergesse ich nicht“
Gleich am nächsten Tag war Uwe Plath bei seinem Nachbarn im Krankenhaus. „Sein Aussehen werde ich so bald nicht vergessen“, sagt Plath: „Abgezehrtes Gesicht, aufgesprungene Lippen, tief in den Höhlen liegende Augen. Unter der Bettdecke war sein Körper kaum zu sehen.“
Von einer Ärztin, sagt Plath, habe er erfahren, warum Manfred Hartenstein beinahe in seinem Haus gestorben wäre: „Eine Arthrose machte ihn bewegungsunfähig, ein Schlaganfall vor einem halben Jahr verschlimmerte die Lage noch.“ Inzwischen geht es Hartenstein ein wenig besser. Leo ist im Rather Tierheim untergebracht.
Gestern hat Plath Manfred Hartenstein erneut besucht. Einstweilen ist sein Nachbar gut versorgt. Was aber, wenn Hartenstein das Krankenhaus verlassen darf? „Ob er noch allein leben kann? Aber wenn er ins Betreute Wohnen muss, darf er Leo vielleicht nicht mitnehmen.“
Das, sagt Plath, wäre für Hartenstein das Schlimmste, „denn seinen Hund liebt er abgöttisch. Dann wäre das Leben für ihn nicht mehr lebenswert.“ Die Sorgen der Fleher Lebensretter sind noch lange nicht ausgestanden.
*Name geändert
Quelle: RP