Johanneskirche: Gedenken an Tsunami-Opfer
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 08:01Düsseldorf (RP) Die evangelische Kirche im Rheinland gestaltete zum fünften Jahrestag der Katastrophe einen Gottesdienst für die Angehörigen aller 552 deutschen Toten und Vermissten. Er sollte Trost bieten und den Hinterbliebenen zeigen, dass sie nicht alleine sind.
Neun Minuten brauchte es allein, die Namen der 109 Verwandten und Freunde zu nennen, deren die etwa 70 Angehörigen in einem Gottesdienst der Opfer des Tsunamis am zweiten Weihnachtstag vor fünf Jahren gedachten. Neun Minuten, in denen aus der anonymen Menge der kaum vorstellbaren Zahl von 230 000 Toten und Vermissten durch die Namensnennung Konturen von Persönlichkeiten deutlich wurden. Etwa die eines 81-jährigen Großvaters, einer jungen Familie oder eines dreijährigen Mädchens, das ertrunken war in der Flutwelle, die nur 24 Minuten lang gewütet und doch zu viele Leben zerstört hat.
Das persönliche Leid über die gewaltsame, plötzlich Trennung von lieben Menschen war gegenwärtig in dem zentralen, bundesweiten Gedenkgottesdienst für die 552 deutschen Tsunami-Opfer, zu dem die evangelische Kirche im Rheinland in die Düsseldorfer Johanneskirche eingeladen hatte.
Wie ist dieses Leid mit Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Freude, zusammenzubringen – diese Frage stand im Mittelpunkt des Gedenkgottesdienstes. "Unser Leben wird getragen durch Menschen, die wir lieben. Schmerzhaft ist deshalb deren Verlust. Er schmerzt weiter, auch wenn das Leben sich fortsetzt, an den verwüsteten Küsten des Ozeans neues Grün wächst", sagte Petra Bosse-Huber, Vizepräses der rheinischen Kirche, die den Gottesdienst leitete. Deshalb sei Trost für diejenigen nötig, die Weihnachten nur mit Tränen feiern könnten.
Tröstliche Zuwendung
Die Gedenkfeier, in denen die Angehörigen auch für jeden der 109 Toten eine Kerze anzündeten, sollte Trost bieten, weil alle sich in einer Gemeinschaft gegenseitig stützen und sich in ihrem Leid verstanden wissen konnten. Die Zuwendung der Angehörigen untereinander und durch das Team der Angehörigenbetreuung zeigte dies auf bewegende Weise.
Und auch Weihnachten könne eine Lebensperspektive zeigen, so Pfarrer Joachim Müller-Lange, Leiter der rheinischen Notfallseelsorge in seiner Predigt. "Es ist das Ziel der Weihnachtsbotschaft, dass Jesus Raum bekommt in unserem Leben. Es ist sicher auch unser Wunsch, dass wir wieder froh werden können über unser Leben, dass wir uns mit unserer eigenen Biographie versöhnen können, auch wenn wir wissen: Das ist ein harter und steiniger Weg."
Aber er ist offensichtlich gangbar. Denn nach dem jahrelangen Hadern mit Gott, nach massiven Glaubenszweifeln "spüre ich an diesem fünften Weihnachtsfest nach der Katastrophe zum ersten Mal neben dem Schmerz auch wieder eine weihnachtliche Freude in mir", sagte Agnieszka Schejok, die damals ihren Bruder verloren hatte.
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